Γραικύλος schrieb am 07.03.2023 um 14:13 Uhr (Zitieren)
(1) Hier ist wohl der Dichter, nicht der Philosoph gemeint.
Re: Pan flötet
Bukolos schrieb am 07.03.2023 um 18:02 Uhr (Zitieren)
Beckby fasst in seiner Ausgabe der Anthologia Graeca (aus der du ja die Übersetzung übernommen hast) den Titel Πλάτωνος als eine Zuschreibung an den Philosophen auf (ohne deren Echtheit weiter zu diskutieren). Worauf gründest du deine abweichende Annahme?
Es sind übrigens nicht die von Bohnengerichten hervorgerufenen Winde, unter denen der Baum erschauert, sondern πυκινοῖς ὑπὸ ζεφύροις.
Re: Pan flötet
Γραικύλος schrieb am 08.03.2023 um 11:14 Uhr (Zitieren)
Worauf ich meine Annahme (als Vermutung) gründe:
Besinnliche Naturlyrik ist nichts, was diesem Philosophen naheliegt. Natur kommt, soweit ich es überblicke, bei ihm nur vor, wofern sie von Geist bestimmt ist, etwa in der Erkenntnis von Naturgesetzen.
Re: Pan flötet
Bukolos schrieb am 08.03.2023 um 13:39 Uhr (Zitieren)
Diese Überlegung betrifft zunächst die Frage der Echtheit, nicht die Frage danach, wer "hier gemeint ist". Gewöhnlich wird in der Anthologie (und auch sonst) ein Namensvetter des (ungleich berühmteren) Philosophen zur Abgrenzung mit einem Epitheton gekennzeichnet (etwa 9, 13: Πλάτωνος νεωτέρου oder 9, 359: Πλάτωνος τοῦ κωμικοῦ).
Was die Naturlyrik angeht, die Platon nicht naheliegen soll, so schreibt Denys L. Page mit Bezug auf AG 9, 823 und das vorliegende Epigramm: "The ascription to Plato is unexpected but not inappropriate; Plato is one of the very few prose-authors who wrote comparable descriptions of the country-side, as e. g. Phaedrus 230B." (Further Greek Epigrams ed. by D. L. Page, Cambridge 1981, S. 175)
Re: Pan flötet
Γραικύλος schrieb am 08.03.2023 um 14:28 Uhr (Zitieren)
Dann überrascht mich das, d.h. ich kann das "unexpected" bestätigen.
Re: Pan flötet
Bukolos schrieb am 09.03.2023 um 00:26 Uhr (Zitieren)
Für den Platonbezug der Pan-Epigramme nicht weniger interessant ist der Umstand, dass im Umfeld des zu Beginn des Phaidros geschilderten locus amoenus offenbar ein Heiligtum nicht nur für die Nymphen und den Flussgott Acheloos, sondern auch für Pan gelegen war: Der Dialog schließt mit einem Gebet des Sokrates an Pan und die anderen Götter des Ortes (279b: ὦ φίλε Πάν τε καὶ ἄλλοι ὅσοι τῇδε θεοί ...). Zuvor wird die von Phaidros bewunderte Redebegabung des Lysias in Relation zu den Gottheiten des Ortes gestellt (263d): φεῦ, ὅσῳ λέγεις τεχνικωτέρας Νύμφας τὰς Ἁχελῴου καὶ Πᾶνα τὸν Ἑρμοῦ Λυσίου τοῦ Κφάλου πρὸς λόγους εἶναι.
Es existiert ein Weihrelief aus dem 4. Jh. das möglicherweise unter den ἀγάλματα, von denen in 230b die Rede ist, seinen Ort hatte: Dargestellt sind der Flussgott Acheloos, Hermes mit drei Nymphen und Pan, der die Syrinx spielt. Die Inschrift wendet sich (ähnlich dem Gebet des Sokrates) an eine Gruppe von Göttern: οἱ πλυνῆς Νύμφαις εὐξάμενοι ἀνέθεσαν καὶ θεοῖς πᾶσιν ... / Die Wäscher haben aufgrund eines Gelübdes (dies) den Nymphen geweiht und allen Göttern ... (IG II/III³ 4, 635, Übers. Klaus Hallof).