Diodorus Siculus XIX 70 - 71, 5:
70. In Sizilien forderten die Verbannten aus Syrakus, soweit sie sich in Akragas aufhielten, die führenden Persönlichkeiten dieser Stadt auf, es nicht zu dulden, daß Agathokles (1) sich in den Besitz der Städte setze. Sei es doch vorzuziehen, noch ehe der Tyrann erstarkt sei, aus freien Stücken die Kriegsentscheidung zu suchen[,] als dessen Machtzuwachs abzuwarten und unter Zwang gegen einen stärkeren Gegner Krieg zu führen.
Da jene die Wahrheit zu sagen schienen, entschloß sich das Volk der Akragantiner zum Krieg und gewann die Einwohner von Gela und Messene als Bundesgenossen. Außerdem schickten sie einige Verbannte nach Lakedaimonien mit dem Auftrag[,] einen Feldherrn zu suchen und mitzubringen, der in der Lage sei, die Oberleitung zu übernehmen.
Denn ihre eigenen Politiker verdächtigten sie, daß sie mit der Tyrannis liebäugelten [τοὺς γὰρ πολιτικοὺς ὑπώπτευον ὡς ὄντας οἰκείους τυραννίδος], während Auswärtige – und dabei erinnerten sie sich an die Feldherrnkunst des Korinthers Timoleon (2) - ihrer Ansicht nach sich redlich des allgemeinen Besten annehmen würden.
Als nun die Gesandten nach Lakonien kamen, fanden sie heraus, daß Akrotatos, der Sohn des Königs Kleomenes, bei vielen jüngeren Männern Anstoß erweckt hatte und deshalb nach einer Tätigkeit in der Fremde verlangte.
Als nämlich die Lakedaimonier nach der Schlacht gegen Antipatros (3) den Überlebenden der Niederlage die Strafe der Atimie (Ehrlosigkeit) erließen, war Akrotatos der einzige, der dem Beschluß widersprach. So kam es, daß er bei vielen anderen Anstoß erweckte, am meisten aber bei denen, die unter die gesetzliche Strafe fielen. Diese schlossen sich sogar zusammen, verprügelten ihn und lauerten ihm fortwährend auf.
Akrotatos strebte daher nach einer führenden Stellung im Ausland und lieh den Akragantinern gerne sein Ohr. Nachdem er sich ohne Genehmigung der Ephoren entfernt hatte, stach er mit wenigen Schiffen in See, um nach Akragas überzusetzen.
Winde jedoch verschlugen ihn in die Adria[,] und so ging er im Gebiet von Apollonia an Land. Er fand die Stadt durch den Illyrerkönig Glaukias belagert, machte aber der Blockade dadurch ein Ende, daß er den König überredete, mit den Einwohnern von Apollonia ein Abkommen zu schließen.
(1) 361/0 – 289/8
v.u.Z., Abenteurer, Tyrann von Syrakus und schließlich (305) König über das griechische Sizilien; hatte das Ziel, auch die unteritalischen Griechen unter seine Herrschaft zu bringen.
(2) Er war 345
v.u.Z. nach Sizilien gekommen und hatte dort erfolgreich gegen die Karthager gekämpft.
(3) einer der Diadochen