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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Kraniche des Ibykus #1 (426 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 01.03.2023 um 13:29 Uhr (Zitieren)
Kann uns diese Ballade Friedrich Schillers heute noch etwas sagen?
Zum Kampf der Wagen und Gesänge,
Der auf Korinthus‘ Landesenge
Der Griechen Stämme froh vereint,
Zog Ibykus, der Götterfreund.
Ihm schenkte des Gesanges Gabe,
Der Lieder süßen Mund Apoll;
So wandert er, an leichtem Stabe,
Aus Rhegium, des Gottes voll.

Schon winkt auf hohem Bergesrücken
Akrokorinth des Wandrers Blicken,
Und in Poseidons Fichtenhain
Tritt er mit frommem Schauder ein.
Nichts regt sich um ihn her, nur Schwärme
Von Kranichen begleiten ihn,
Die fernhin nach des Südens Wärme
In graulichtem Geschwader ziehn.

„Seid mir gegrüßt, befreundte Scharen!
Die mir zur See Begleiter waren,
Zum guten Zeichen nehm‘ ich euch,
Mein Los, es ist dem euern gleich.
Von fern her kommen wir gezogen
Und flehen um ein wirtlich Dach –
Sei uns der Gastliche gewogen,
Der von dem Fremdling wehrt die Schmach!“

Und munter fördert er die Schritte
Und sieht sich in des Waldes Mitte;
Da sperren auf gedrangem Steg
Zwei Mörder plötzlich seinen Weg.
Zum Kampfe muß er sich bereiten,
Doch bald ermattet sinkt die Hand,
Sie hat der Leier zarte Saiten,
Doch nie des Bogens Kraft gespannt.

Er ruft die Menschen an, die Götter,
Sein Flehen dringt zu keinem Retter;
Wie weit er auch die Stimme schickt,
Nichts Lebendes wird hier erblickt.
„So muß ich hier verlassen sterben,
Auf fremdem Boden, unbeweint,
Durch böser Buben Hand verderben,
Wo auch kein Rächer mir erscheint!“

Und schwer getroffen sinkt er nieder,
Da rauscht der Kraniche Gefieder;
Er hört, schon kann er nicht mehr sehn,
Die nahen Stimmen furchtbar krähn.
„Von euch, ihr Kraniche dort oben,
Wenn keine andre Stimme spricht,
Sei meines Mordes Klag‘ erhoben!“
Er ruft es, und sein Auge bricht.

Der nackte Leichnam wird gefunden,
Und bald, obgleich entstellt von Wunden,
Erkennt der Gastfreund in Korinth
Die Züge, die ihm teuer sind.
„Und muß ich dich so wiederfinden,
Und hoffte mit der Fichte Kranz
Des Sängers Schläfe zu umwinden,
Bestrahlt von seines Ruhmes Glanz!“

Re: Die Kraniche des Ibykus #1
Marcella schrieb am 01.03.2023 um 15:11 Uhr (Zitieren)
Die eher nicht, aber der "Taucher" oder der "Ring des Polykrates" schon.
Diese Frage gilt bald wohl für das gesamte klassische Balladengut: Thematisch und sprachlich nicht mehr recht zugänglich.
Schiller hat an Balladen nicht immer erste Qualität geliefert. Der "Gang zum Eisenhammer" allerdings ist fast schon wieder gut. Das hellt die Stimmung auf.
Re: Die Kraniche des Ibykus #1
Marcella schrieb am 01.03.2023 um 21:11 Uhr (Zitieren)
Vielleicht geht es so mit den Schiller-Balladenσ

https://www.youtube.com › watch?v=clYU2no78g0
Re: Die Kraniche des Ibykus #1
Marcella schrieb am 01.03.2023 um 21:12 Uhr (Zitieren)
Wie immer: Wenn ich einen Link schicke, kommt er nur verstüpmmelt an. Ein Fluch?

https://www.youtube.com › watch?v=clYU2no78g0
Re: Die Kraniche des Ibykus #1
Γραικύλος schrieb am 02.03.2023 um 12:04 Uhr (Zitieren)
Der Ring des Polykrates ist in der Tat von anderer Qualität.
Ihn habe ich hier schonmal vorgestellt. Auf meiner ständigen Suche nach Texten aus der oder zur Antike sind mir diesmal die Kraniche aus Korinth über den Weg geflogen.

Was hast Du nur für Probleme mit den Links? Wenn Markieren --> Kopieren --> Einfügen, an sich keine Magie, nicht funktioniert, dann muß da ein Fluch am Werke sein.
Re: Die Kraniche des Ibykus #1
filix schrieb am 02.03.2023 um 12:36 Uhr (Zitieren)
Dass Täterwissen den Täter überführt, ist seit Schiller, der ja einige kriminalistische Neigung besaß, zur Folklore der von Verbrecherjagd notorisch faszinierten Unterhaltung der Gegenwart herabgesunken, und auch, dass das Theater ein Ort wenn nicht der Gerechtigkeit, so doch wenigstens der Aufarbeitung ungesühnten Unrechts (wenngleich zumeist in größerem Maßstab) sein kann, ist nicht uns nicht gänzlich fremd. Goethe lobte die Ballade übrigens, um gleich darauf Verbesserungsvorschläge anzubringen.
Re: Die Kraniche des Ibykus #1
Γραικύλος schrieb am 03.03.2023 um 12:53 Uhr (Zitieren)
Ja, Schiller und seine kriminalistische Neigung - er hat ja auch eine Auswahl des Pitaval herausgegeben.
 
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