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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Dionysos und die Erfindung des Weinbaus #1 (399 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 20.02.2023 um 14:41 Uhr (Zitieren)
1. Euripides: Die Bakchen

[...]
Der neue Gott, den du so sehr verhöhnst –
Wie unbeschreiblich groß wird seine Macht
In Hellas sein! Zwei Gaben ehrt der Mensch
[οὐκ ἂν δυναίμην μέγεθος ἐξειπεῖν ὅσος
καθ‘ Ἑλλάδ‘ ἔσται.]
Als höchste Güter: die der Demeter,
Der Mutter Erde (nenn sie, wie du willst),
Die mit der trocknen Frucht die Menschen nährt;
Dann kam Semeles Sohn, von gleichem Rang,
Erfand den Trank der Traube, brachte ihn
Den armen Menschen, linderte den Schmerz
Jedwedem, der des Weinstocks Becher leert;
Bringt Schlaf, Vergessen aller Tagesmüh,
Kein andrer heilt die Leiden so wie er
[οὐδ‘ ἔστ‘ ἄλλο φάρμακον πόνων].
[...]

[V. 272-283]


2. (Ps.-)Apollodor: Bibliotheké

[...] Dionysos wurde der Entdecker des Weinstocks. Darauf schlug ihn Hera mit Wahnsinn, und so irrte er durch Ägypten und Syrien. Zuerst nahm ihn Proteus, der König der Ägypter, gastlich auf, dann kam er nach Kybela in Phrygien, um dort von der Rhea (1) gereinigt und in ihren Geheimdienst eingeweiht zu werden. In der Gewandung, die er von ihr erhielt, eilte er dann durch Thrakien. Lykurgos aber, der Sohn des Dryas, der Herrscher der Edoner, die am Strymon wohnten, verjagte ihn mit frevelhaftem Übermut. Dionysos floh ins Meer zu Thetis, der Tochter des Nereus, die Bakchen aber und die ganze Schar der Satyrn, die ihm folgten, wurden gefangen. Die Bakchen zwar wurden gleich wieder freigelassen, doch schlug Dionysos den Lykurgos mit Wahnsinn. Im Wahn tötete er – er glaubte, den Schoß eines Weinstocks abzuhauen – seinen Sohn Dryas mit einem Beilhieb und kam erst, nachdem er ihn verstümmelt hatte, wieder zur Besinnung. Die Erde blieb ohne Früchte, da verkündete der Gott, sie werde erst dann wieder Frucht tragen, wenn Lykurgos den Tod gefunden habe. Darauf führten ihn die Edoner in das Gebirge Pangaion, um ihn zu binden. Dort kam er, wie Dionysos es wollte, zu Tode, indem er von Pferden zerrissen wurde.
Nach seinem Zuge durch Thrakien kam Dionysos nach Theben und zwang dort die Weiber, ihre Häuser zu verlassen und im Kithairon das Bakchosfest zu begehen. Pentheus, der von Kadmos die Herrschaft übernommen hatte, der Sohn der Agaue von Echion, wollte das verhindern und begab sich, um die Bakchen auszuspähen, in den Kithairon. Da wurde er von seiner eigenen Mutter Agaue im Wahnsinn – sie hielt ihn für ein wildes Tier – in Stücke gerissen. Nachdem so Dionysos den Thebanern seine Gottheit gezeigt hatte, ging er nach Argos, und da sie auch dort ihm die gebührende Ehre versagten, schlug er die Weiber mit Wahnsinn. Sie verzehrten in den Bergen das Fleisch der eigenen Kinder, die sie noch an der Brust hatten. Um von Ikarien nach Naxos zu gelangen, mietete er von den Tyrrhenern ein Räuberschiff, einen Dreiruderer. Sie nahmen ihn an Bord, fuhren aber an Naxos vorbei und steuerten auf Asien zu, um ihn dort als Sklaven zu verkaufen. Da machte er den Mast und die Ruder zu Schlangen und erfüllte den Schiffsbauch mit Efeu und Flötenschall. Die Schiffer, vom Wahnsinn gepackt, suchten Zuflucht im Meer und wurden in Delphine verwandelt. Als ihn die Menschen so als Gott erkannt hatten, zollten sie ihm Verehrung. Er holte nun seine Mutter aus dem Hades herauf, hieß sie Thyone und hob sich mit ihr zum Himmel empor. [...]

[III 33-38]

(1) Mutter des Zeus
Re: Dionysos und die Erfindung des Weinbaus #1
Marcella schrieb am 20.02.2023 um 19:39 Uhr (Zitieren)
Die Apollodorus-Version lenkt den Blick eher auf die Spur von Blut und Wahn des Dionysos statt auf den Trost. Dennoch: Das vom Sklavenhändlerschiff zum Schlangenschiff mutierte Schiff - das gefällt mir!

Aldous Huxley wiederum hört aus dem etruskischen Hymnos auf den Weingott eher Sinnlich-Zärtliches heraus (aus dem Wiki-Artikel über Flufluns):


„An pris caruns flucuthukh“ Mr. Cardan machte dem Führer ein Zeichen. „Halten Sie die Lampe ein wenig mehr hierher“, sagte er auf italienisch und als das Licht genähert war, fuhr er fort, langsam die primitive Schrift an der Wand des Grabgewölbes zu entziffern, wobei er sich die geheimnisvollen Laute auf der Zunge zergehen ließ: „Flucuthukh nun tithuial khues khathc anulis mulu vizile ziz riin puiian acarsi flucuper pris an ti ar vus ta aius muntheri flucuthukh.“. Er richtete sich auf.„Reizende Sprache“, sagt er, „reizend. Seit ich gehört habe, daß die Etrusker den Gott des Weins Fufluns nannten, habe ich das größte Interesse an ihrer Sprache gewonnen. Fufluns – wie unvergleichlich treffender das ist als Bacchus oder Liber oder Dionysos! Fufluns, Fufluns!“, wiederholte er mit entzücktem Nachdruck. „Es könnte nicht besser sein. Sie hatten wahres linguistisches Genie, diese Kerle. Was für Dichter müssen sie hervorgebracht haben! Wenn Fufluns flucuthukh den ziz. Man kann sich die Oden zum Lobe des Weins vorstellen, die so begannen. Im Englischen, zum Beispiel, ließen sich keine acht so saftigen, süffigen Silben finden, wie?“ Aldous Huxley – Parallelen der Liebe (Those Barren Leaves). 1925
Re: Dionysos und die Erfindung des Weinbaus #1
Γραικύλος schrieb am 21.02.2023 um 12:44 Uhr (Zitieren)
Danke für den Hinweis auf Huxley!
Re: Dionysos und die Erfindung des Weinbaus #1
Γραικύλος schrieb am 21.02.2023 um 13:00 Uhr (Zitieren)
Ich habe einmal eine Entsprechung der Götter gefunden (etruskisch - griechisch - römisch):

Tinia = Zeus = Jupiter
Uni = Hera = Juno
Menrva = Athena = Minerva
Aplu = Apollon = Apollo
Artumes = Artemis = Diana
Turan = Aphrodite = Venus
Nethuns = Poseidon = Neptun
Laran = Ares = Mars
Sethlans = Hephaistos = Vulcanus
Fufluns = Dionysos = Bacchus
Turms = Hermes = Mercurius
Usil = Helios = Sol
Hercle = Herakles = Hercules
Selvans = - = Silvanus
Thesan = Eos = -
 
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