Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Konsonanten und Bäume (389 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 16.02.2023 um 13:21 Uhr (
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LIEGT DER URSPRUNG DER KONSONANTEN IN DEN BÄUMEN?
Die baumbewohnende Lebensweise unserer Vorfahren könnte zur Entwicklung der menschlichen Sprache beigetragen haben. Darauf deuten Beobachtungen an Orang-Utans hin. Diese in Bäumen lebenden Primaten haben beim Klettern oft nur eine Hand frei und verwenden ihren Mund deshalb wie eine zusätzliche Hand. Lippen, Zunge und Unterkiefer haben bei ihnen besondere feinmotorische Fähigkeiten entwickelt – und damit zugleich die Fähigkeit, Laute zu produzieren, die den Konsonanten der menschlichen Sprache ähneln. Der Psychologe Adriano Lameira von der University of Warwick sieht darin einen Hinweis darauf, wie unsere Konsonanten einst entstanden sind.
Alle menschlichen Lautsprachen enthalten Konsonanten, etwa wenn wir „b“, „p“ oder „t“ aussprechen. Die Rufe vieler anderer Primatenspezies hingegen bestehen vor allem aus Lau-ten, die Vokalen wie einem gesprochenen „a“, „e“, „i“, „o“ oder „u“ ähneln. Fachleute rätseln, woher dieser Unterschied rührt. Sie sehen ihn unter anderem in der unterschiedlichen Kehlkopfanatomie verschiedener Primatenarten begründet.
Lameira hat die Lautrepertoires heutiger Menschenaffenspezies miteinander verglichen und dabei systematische Unterschiede festgestellt. Gorillas, Schimpansen und Bonobos nutzen demnach nur wenige konsonantenähnliche Rufe: Gorillas einen, Schimpansen ein oder zwei je nach Population. Orang-Utans dagegen bedienen sich eines breiten Spektrums solcher Laute, etwa indem sie zischen, schmatzen und Kussgeräusche erzeugen.
Gorillas, Bonobos und Schimpansen halten sich oft am Boden auf, Orang-Utans hingegen fast nur auf Bäumen. Lameira hat die Tiere jahrelang in ihrer natürlichen Umwelt beobachtet und ist überzeugt, ihre Lebensweise erkläre die Komplexität ihrer Rufe. Denn Orang-Utans benötigten bei der Futtersuche meist ausgeprägtere motorische Fertigkeiten als ihre Primatenverwandten, da sie nicht nur die Nahrung umklammern und bearbeiten, sondern zugleich sich selbst festhalten müssten. Daher hätten sie eine größere Kontrolle über Lippen, Zunge und Kiefer entwickelt, so dass sie ihren Mund als zusätzliches Werkzeug nutzen können. An der Produktion von Konsonanten seien dieselben anatomischen Strukturen beteiligt, wohingegen Vokale überwiegend im Kehlkopf entstünden.
(Spektrum der Wissenschaft 3.23, S. 10)
Es ist klar, daß die Orang-Utans nicht als unsere nächsten Verwandten gelten. Wir hätten das also nicht von ihnen geerbt, sondern unsere unmittelbaren Vorfahren müßten auf Bäumen gelebt haben.