Γραικύλος schrieb am 06.01.2023 um 16:50 Uhr (Zitieren)
Sargon war der Begründer des ersten Großreiches der Geschichte in Mesopotamien im 3. Jahrtausend v.u.Z. Der uns in einer neuassyrischen Version überlieferte Mythos war im Altertum sehr populär und hat den entsprechenden Mythos über die Geburt des Moses (Exodus 2, 1-10) beeinflußt, d.h. Moses wird als neuer Sargon, ein von Gott erwählter Herrscher, eingeführt.
(Jan Assmann: Exodus. Die Revolution der Alten Welt. München 2015, S. 142 f.)
Der Unterschied besteht darin, daß Sargon von vornehmer Abstammung war und von einem einfachen Arbeiter aufgezogen wurde, während Moses von einer einfachen Mutter stammte und von einer ägyptischen Prinzessin aufgezogen wurde.
Re: Sargon von Akkad und Moses
Γραικύλος schrieb am 06.01.2023 um 17:12 Uhr (Zitieren)
Offenbar war die Hohepriesterin zur Jungfräulichkeit verpflichtet.
Re: Sargon von Akkad und Moses
Johannes schrieb am 06.01.2023 um 18:36 Uhr (Zitieren)
Γραικύλος schrieb am 06.01.2023 um 22:23 Uhr (Zitieren)
Das weiß Jan Assmann; er behandelt beides ausführlich in seinem Exodus-Buch (wie auch in dem vorangehenden: Moses, der Ägypter). Ihn interessiert aber mehr die Sinngeschichte, d.h. die Frage, welche Bedeutung diese Überlieferung für die Konstituierung des jüdischen Volkes und für die abendländische Tradition hat.
Wenn ich schrieb, daß "Moses von einer einfachen Mutter ...", dann meinte auch ich damit die Überlieferung.
Re: Sargon von Akkad und Moses
Γραικύλος schrieb am 06.01.2023 um 22:49 Uhr (Zitieren)
Daß die berühmte Geschichte von der Auffindung des Moses-Kindes eine literarische Nachbildung ist, war für mich schon überraschend.
Re: Sargon von Akkad und Moses
Marcella schrieb am 07.01.2023 um 20:08 Uhr (Zitieren)
Im augehenden 19. Jahrhundert erregte der Babel-Bibel-Streit die Gemüter aufs Äußerste und stellte eine abermalige narzisstische Kränkung der Bibeltreuen dar - nach Galilei und Darwin nun auch das noch! Die Bibel beansprucht nicht unmittelbar heilsgeschichtliche Wahrheit, sondern ist als Kulturerbe des Orients zu verstehen...
Aurora schrieb am 08.01.2023 um 09:49 Uhr (Zitieren)
Man müsste klären, worin diese Wahrheit bestehen
soll, worin Erlösung etc. besteht, was Heilsgeschichte überhaupt sein soll, sondern
voll vom Gegenteil.
Die Evolution ist alles andere als voller Heil.
Sie ist ein unheilvoller, grausamer Prozess.
Auch der Artikel in wikipedia wirft viele Fragen auf.
Wunschdenken und Idealisierung charakterisieren
den Sachverhalt wohl am besten.
vgl: https://www.youtube.com/watch?v=PralE62VTT0
Bayer sagte einmal, wäre er der allwissende Gott gewesen,
hätte er die Welt nicht erschaffen.
Die Grausamkeit der Evolution sei zu extrem
um sie bewusst so ablaufen zu lassen.
Bayer ist dennoch gläubig. Erstaunlich!
Re: Sargon von Akkad und Moses
Γραικύλος schrieb am 08.01.2023 um 15:24 Uhr (Zitieren)
Ich möchte noch zusätzlich Kopernikus erwähnen (was Marcella vielleicht mit Galilei meinte): Alle Religionen gehen von einem geo- und anthropozentrischen Weltbild aus, in dem die Erde im Mittelpunkt der Universums und der Mensch - oft auch Jerusalem - im Mittelpunkt der Erde stehen.
Was wird theologisch daraus in einem Weltbild, das mit "heliozentrisch" nur unzureichend beschrieben ist? Sonne und Erde sind winzige Details eines ungeheuer großen Universum, möglicherweise sogar eines Metaversums. Allein die Zahl der bekannten Exoplaneten wächst ständig.
Dies alles kann doch nicht für den Menschen und sein Heil geschaffen worden sein!
Re: Sargon von Akkad und Moses
Aurora schrieb am 09.01.2023 um 07:47 Uhr (Zitieren)
Antwort der kirchlichen Theologie:
Das gehört zur Unbegreiflichkeit Gottes,
dem "unfassbaren Geheimnis Gottes" (Karl Rahner).
Ob dieser ganze Aufwand nötig war, um ein
Gehirn hervorzubringen, das sich solche Gedanken
machen kann, und das Phänomen Liebe?
Ein Theologe sprach mal in diesem Kontext
vom "Preis der Liebe".
"Der Preis der Liebe - Besinnung über das Leid". Gisbert Greshake. Verlag Herder,1979.
Gresake lehrte Dogmatik in Freiburg und Wien.
«Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe.»
(Erich Fried)
"Amantes amentes".
Gott ein amans amens? Wer weiß!
Dass es zum Urknall kam ist auch "verrückt".
Seine Wahrscheinlichkeit beginnt nach
mehreren Hundert Kommastellen.
Jeder würde sagen, das ist so gut wie Null.
War es aber nicht und nun haben wir den
Evolutionssalat zu bewältigen.
PS:
Was soll Heil bedeuten? Paradiesische Verhältnisse,
die irgendwann auch langweilig werden?
Vlt. liefert die Quantentheorie in nicht allzu
ferner Zukunft "Letztbegründungen",
die, auch wenn nicht beweisbar, plausible
Erklärungen anbieten können.
Trösten werden uns auch diese vermutlich nicht,
ebenso nicht,was dieser Physiker glaubt: https://de.wikipedia.org/wiki/Frank_J._Tipler
Es bleibt stets die alte Frage von Leibniz:
›Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?‹
Ob gewollt oder purer Zufall, Fakt ist, dass es etwas gibt,
es sei denn alles ist nur Einbildung
von irgendwem oder irgendetwas (Superhyper
computer ?).
Schön wär's, wenn der Krieg in der Ukraine
auch bloß Einbildung wäre.
Wer weiß? Angeblich gibt es nichts,
was es nicht gibt oder geben könnte. Auch das nur eine Illusion???
Das Leben ist nur ein Metabolismus,
Zeit auch den Diskussionsstoff zu wechseln,
bevor es uferlos wird bei absehbarer Aporie
und auch der Liebe die Worte ausgehen - bei aller Liebe. :)
Ich wünsche allen ein gutes und friedvolles Jahr.
Vlt. kommt es doch zu Friedensverhandlungen
früher als vorstellbar.
Die Hoffnung/elpis stirbt auch hier zuletzt.
Re: Sargon von Akkad und Moses
Γραικύλος schrieb am 11.01.2023 um 13:44 Uhr (Zitieren)
Die Unbegreiflichkeit Gottes wird gerne herangezogen, ja. Was unter diesen Umständen Gebete, speziell Bittgebete angeht, so könnte man ebensogut einen Zufallsgenerator anbeten.
Re: Sargon von Akkad und Moses
Johannes schrieb am 11.01.2023 um 14:22 Uhr (Zitieren)
Das sind immerhin lukrative Geschäftsmodelle.
Wallfahrtsorte, heilige Stätten, Messstipendien, ...
Da rollt der Rubel.
Für manche Regionen wahre Konjunkturprogramme.
Immerhin ist die Trefferquote 50%.
Wenn's nicht klappt, war es eben nicht des Unbegreiflichen Wille.