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Typhoeus/Typhon - der Teufel der Antike #2 (420 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 29.12.2022 um 00:05 Uhr (
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Der Homerische Hymnus 3 befaßt sich lediglich mit der Entstehung des Typhon, dies aber auch eine originelle Weise: sozusagen als Rache-Geburt der Hera.
2. Homerische Hymnen: An Apollon
[...]
Nah aber floß eine schöne Quelle; dort tötete die Drachin
Mit einem Schuß vom kraftvollen Bogen der Herrscher, des Zeus Sohn,
Jenes Untier, feist und wild und riesig, das vieles
Üble den Menschen auf Erden brachte, gar oft ihnen selber,
Oft ihren stelzenden Schafen – es war ein blutiges Unheil.
Einst empfing sie das Kind der Hera auf goldenem Throne,
Typho [Τυφών], zur Pflege, dies arge, schreckliche Unheil der Menschen.
Hera ließ ihn entstehen voll Groll gegen Zeus, den Vater,
Als der Kronide im eigenen Haupt die gerühmte Athena
Zeugte; da grollte sofort die waltende Hera. Und als dann
Alle Unsterblichen kamen zum Rat, da sprach sie zu ihnen:
Götter und Göttinnen alle, vernehmt mich: Der Wolkenversammler
Zeus ist der erste, der anfängt, mich zu mißehren. Er machte
Wohl mich zur Gattin – und ich versteh ja auch trefflich zu sorgen -,
Jetzt aber zeugt er Athena mit Augen der Eule, die alle
Weit übertrifft, die Unsterblichen, Seligen, ohne mein Wissen.
Mein Sohn freilich, Hephaistos, den selbst ich gebar, ist ein Schwächling
Hier im Kreis sämtlicher Götter, das hinkende Krummbein.
Einmal packt ich ihn grad an den Händen und warf ihn ins breite
Meer; doch Thetis, die silberfüßige Tochter des Nereus,
Fing ihn auf und versorgte ihn im Kreis ihrer Schwestern. Ich hätte
Gern es gesehn, daß den seligen Göttern es anders gefiele.
Ungestümer, voll krummer Gedanken, was sinnst du jetzt andres?
Wie ertrugst dus, Athena mit Augen der Eule zu zeugen,
Du ohne mich? hätt ichs nicht gekonnt? Ich hieß doch die Deine
Bei den unsterblichen Herrn im breiten Himmel, und war es.
Nimm dich in acht! ich ersinne künftiges Unheil: ich werde
Fertig bringen, daß jetzt ein Kind ich bekomme, das soll sich
Groß hervortun vor den unsterblichen Göttern; ich werde
Dein geheiligtes Lager nicht schänden und auch nicht das meine,
Werde zu dir mich nicht betten, ich werde abseits mich halten
Weit von dir, wenn ich weile im Kreis der unsterblichen Götter.
Hera mit Augen der Kuh, die Waltende, sprachs voll Ingrimms,
Ging von den Göttern weg und schrie sofort dann ihr Fluchwort,
Während die niedersausende Faust die Erde bewegte:
Erde und breiter Himmel darüber. Jetzt hört mich, und ihr auch,
Götter Titanen, dort in der Wohnstatt neben dem großen
Tartaros unter der Erde, ihr Ursprung der Götter und Menschen!
Hört jetzt alle mich an und gebt mir den Sohn, dessen Vater
Zeus nicht ist, der an Kraft ihm nicht weicht, der an Macht aber soweit
Über ihm steht, wie der weithinblickende Zeus über Kronos!
Sprachs und peitschte den Boden mit wuchtiger Hand, daß die Erde
Samt ihren Früchten ins Wanken geriet; sie freut sich beim Anblick
Tief im Gemüt und meinte, sie werde zum Ziele gelangen.
Wirklich ging sie von da an, bis ganz das Jahr sich vollendet,
Niemals mit Zeus, dem Berater, aufs Lager und niemals
Setzte sie sich neben ihn auf den Sitz voll reichlichen Zierats,
Wie sie es früher getan, noch spann sie handfeste Pläne.
Nein, in Tempeln voll Betender bleibt sie, genießt ihre Opfer,
Hera mit Augen der Kuh, die Waltende. Als aber wirklich
Tag um Tag und Monat um Monat verstrichen, das Jahr sich
Wieder wandte, die Jahreszeiten wieder erschienen,
Hob sie den Typhon ins Leben; er glich nicht Göttern, nicht Menschen,
Schrecklich war er und arg, ein Unheil war er den Menschen.
Hera mit Augen der Kuh, die Waltende, nahm ihn und gab ihn
Gleich der Drachin, das Übel dem Übel, und diese empfing ihn.
Er schuf Übles genug den ruhmvollen Völkern der Menschen.
[...]
[3 V. 300-355]
Wie Hera über ihren behinderten Sohn Hephaistos spricht! Das waren Zeiten.