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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der Charakter des Kaisers Titus #1 (429 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 25.12.2022 um 15:15 Uhr (Zitieren)
Sueton, Titus 6, 1 - 8, 1:
Er feierte mit dem Vater zusammen den Triumph und war mit ihm Zensor, auch im Volkstribunat und in sieben Konsulaten war er sein Kollege. In seine Hände wurde die Besorgung fast aller Amtsgeschäfte gelegt, so daß er im Namen des Vaters selbst Briefe diktierte, auch Edikte verfaßte und im Senat anstelle des Quaestors die Reden verlas; auch die Praetorianerpraefektur übernahm er, die bis zu diesem Zeitpunkt nur von einem römischen Ritter verwaltet worden war.

Er verfuhr in diesem Amt ziemlich tyrannisch und grausam [incivilius et violentius], indem er gerade die verdächtigsten Elemente ohne zu zögern verhaften ließ, nachdem er heimlich solche Leute ausgesandt hatte, die in Theatern und Kasernen sozusagen mit öffentlicher Zustimmung auf die Bestrafung eben dieser Leute dringen sollten. Unter ihnen war der Konsular Aulus Caecina. Den lud er zum Essen ein; kaum hatte er das Speisezimmer verlassen, da ließ er ihn erstechen [vixdum triclinio egressum confodi iussit]. Allerdings duldete die Entscheidung keinen Aufschub, da er bei ihm ein Dokument mit seiner Handschrift aufgefunden hatte: eine vorbereitete Rede, die vor den Soldaten gehalten werden sollte.

In dem Maße, wie er sich durch solche Maßnahmen genug um seine künftige Sicherheit sorgte, im gleichen Maße zog er sich für den Augenblick recht viel Haß zu [ita ad prasens plurimum contraxit invidiae], so daß kaum einer unter so lauten Buhrufen und mit größerem Widerwillen der Gesamtheit zum Kaiser avancierte [ut non temere quis tam adverso rumore magisque invitis omnibus transierit ad principatum].

Außer seiner Grausamkeit beargwöhnte man an ihm auch seinen Hang zur Verschwendung, weil er noch bis Mitternacht gerade mit den extravagantesten seiner Vertrauten die Trinkgelage ausdehnte. Nicht weniger wurde sein Hang zur Ausschweifung wegen ganzer Scharen von Lustknaben und Eunuchen [propter exoletorum et spadonum greges] und seiner beispiellosen Liebe zur Königin Berenike (1) beargwöhnt, der er sogar die Heirat versprochen haben soll.

Argwohn erregte auch seine Raffgier, weil er bekanntlich bei Gerichtsverhandlungen unter seinem Vater Handel (mit Freisprüchen) trieb und sich Belohnungen ausbedingte. Ferner glaubten die Leute, er sei ein zweiter Nero [alium Neronem], und das sagten sie auch frei heraus. Doch dieser schlechte Ruf wandte sich für ihn zum Guten und verkehrte sich in größte Lobesbezeugungen; man fand am ihm kein Fehl, nein im Gegenteil, die höchsten charakterlichen Vorzüge.

(C. Suetonius Tranquillus: Die Kaiserviten – De Vita Caesarum. Herausgegeben von Hans Martinet. Düsseldorf/Zürich 1997, S. 874-877)

(1) Schwester des jüdischen Königs Herodes Agrippa II. (28 – nach 79 u.Z.)
 
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