Γραικύλος schrieb am 23.12.2022 um 17:36 Uhr (Zitieren)
(Karl Kraus: Aphorismen. Frankfurt/Main 1986, S. 36)
Re: Danaidenfaß
Marcella schrieb am 23.12.2022 um 20:31 Uhr (Zitieren)
Was soll dieser Satz mit tendenziell frauenfendlicher Tendenz hier? Kraus war Spezialist für antisemitische und frauenfeindliche Bosheiten. Die Pointe war´s ihm immer wert.
Re: Danaidenfaß
Γραικύλος schrieb am 23.12.2022 um 23:40 Uhr (Zitieren)
Ich sehe Karl Kraus differenzierter und schlage vor, den (sehr langen) Artikel in Wikipedia über ihn zu lesen, wo auch auf sein Verhältnis zum Judentum ausführlich eingegangen wird.
Mir gefallen seine Bosheiten, selbst dann, wenn sie (nicht: weil sie) misogyn sind.
Ich habe auch schon Valerie Solanas und ihr "Manifest zur Gesellschaft der Männer" vorgestellt - da kenne ich keine Tabus.
Auf keinen Fall bin ich dafür, frauen- oder männerfeindliche Texte zu tabuisieren.
Misogyne Texte waren hier schon häufig Thema, was ja in der Antike auch schwer zu vermeiden ist; diesen habe ich ausgewählt wegen des ... siehe Titel.
Re: Danaidenfaß
Marcella schrieb am 25.12.2022 um 11:57 Uhr (Zitieren)
Dann zitiere ich mal mehr Frauenfeindliches von Karl Kraus. Berühmt ist dies: "Es lommt nicht bloß auf das Äußere einer Frau an. Auch die Dessous sind wichtig."
Weit entfernt davon, das lustig zu finden und mich über die geschliffene Spitze zu amüsieren, höre ich: Eine Frau ist nichts als ein Sexualobjekt.
Der Duden definiert "Sexualobjekt" treffend als "Person, die zur Befriedigung sexueller Wünsche dient" Ich bin nicht glücklich als Frau mit dieser männerbündischen Lehre, die einem oft genug, meist jedoch in dumpfgrober Version entgegen schlägt: Reduktion, Depersonalisierung, Verhöhnung der Frauen. Haha!
Und wie kommt Kraus als Jude dazu, wirklich fiese antisemitische Sprüche loszulassen? Wikipedia erklärt das nur zum Teil nachvollziehbar.
Re: Danaidenfaß
Marcella schrieb am 25.12.2022 um 11:59 Uhr (Zitieren)
Frohe Feiertage übrigend an alle und besonders herzlichen Dank an Γραικύλος, der uns immer mit so hochinteressanten Texten versorgt.
Re: Danaidenfaß
Γραικύλος schrieb am 25.12.2022 um 15:10 Uhr (Zitieren)
Die Misogynie des Karl Kraus ist unbestritten. Aber anscheinend bin ich bei Witzen über das andere Geschlecht nicht so empfindlich, auch nicht, wenn es heißt: "Welches Prädikat verdient ein Männerknast? - Artgerechte Haltung." Also wenn Frauen über Männer herziehen.
Weder die eine noch die andere Haltung muß ich mir zu eigen machen.
Was den Antisemitismus angeht, so handelt es sich dabei um ein gar nicht so seltenes Phänomen, das (der Jude) Theodor Lessing den "jüdischen Selbsthaß" genannt hat. Weitere Beispiele sind Otto Weinunger und Ludwig Wittgenstein. Ob es Zufall ist, daß alle drei aus Wien stammen? Das spräche für die Wikipedia-Erklärung mit dem dortigen Gegensatz von alteingesessenen, assimilierten und aus dem Osten zugezogenen Juden.
Ich selbst habe mir das hypothetisch so erklärt, daß manche Juden tragischerweise die Vorurteile der Antisemiten in einer quasi-masochistischen Weise übernommen haben. So hielt sich Ludwig Wittgenstein für talentiert, aber unfähig zu großen, kreativen Leistungen, weil er Jude war. Vgl. David Avraham Weiner: Genius and Talent.