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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Nessos #5 (413 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 21.12.2022 um 13:20 Uhr (Zitieren)
Fortsetzung der Darstellung in Ovids "Metamorphosen" (IX 98-272):
Da sie im Anzug schon, muß eilig, solang es noch möglich,
vor sie mein Ehegemach besetzt hat, etwas geschehen.
Klag‘ oder schweig‘ ich, kehr‘ ich zurück nach Calydon, bleib‘ ich?
Soll ich verlassen das Haus, nicht doch mich wenigstens wehren?
Wie, Meleagros, wenn ich gedenk, deine Schwester zu sein, mich
starker Tat unterfing, bewiese, wieviel ein gekränktes
Weib im Schmerze vermag, und des Kebsweibs Kehle durchstieße?“
Mancherlei Regung befällt ihren Sinn. Das Beste von allem
schien ihr, das mit dem Blut des Nessus getränkte Gewand dem
Gatten zu senden, die Kraft zu erneun der erkalteten Liebe.
Lichas, dem ahnungslosen, gab, was sie gebe, nicht wissend,
selbst, was ihr Trauer sollt schaffen, die Ärmste, und hieß ihn mit sanften
Worten es bringen dem Mann. Nichts ahnend empfängt es der Held und
legt um die Schultern das Gift der lernæischen Tochter Echidnas.
Weihrauch spendet er betend den frisch entzündeten Flammen,
gießt auf den Marmoraltar aus der Opferschale den Wein, da
dringt, weithin sich verteilend, es ein in des Hercules Glieder.
Tapfer wie stets unterdrückt er das Seufzen, solang er vermag, doch
als die Geduld von den Schmerzen besiegt, da stößt den Altar er
von sich und füllt mit dem Hall seiner Stimme die Wälder des Oeta,
sucht das tödliche Kleid sogleich sich vom Leibe zu reißen:
Doch, wo er reißt, reißt Haut es mit, und – gräßlich zu sagen –
haftet entweder fest trotz allem vergeblichen Zerren
oder zerfleischt seinen Leib, legt bloß die mächtigen Knochen.
Wie wenn, glühend weiß, das Eisen getaucht wird in kaltes
Wasser, so zischt und kocht im Brande des Giftes das Blut. Da
gibt es kein Maß: sein Geweide verzehren die gierigen Flammen;
dunkel fließt vom ganzen Leib ihm hernieder der Schweiß. Es
zischen die Muskeln versengt. Als das Mark in der Glut des verborgnen
Giftes ihm schmolz, erhob er die Hände auf zu den Sternen:
„Weide dich Tochter Saturns an meinem Unheil!“ so ruft er,
„weide dich Grausame, blick aus der Höhe auf dieses Verderben,
sättge dein wildes Herz! Oder weck‘ auch beim Feind ich Erbarmen,
bin ich ja doch dein Feind – so nimm die an gräßlichen Qualen
kranke, verhaßte, zu Mühsal geborene Seele von hinnen!
Tod wird Geschenk für mich sein, ein Geschenk, das der Stiefmutter ziemte!
Ich also hab den Busiris bezwungen, der mit der Fremden
Blute die Tempel befleckt, dem wilden Antæus der Mutter
Nährstrom geraubt? Mich hat nicht geschreckt des hiberischen Hirten
Dreigestalt, Cerberus mich auch deine Dreigestalt nicht? Ihr,
ihr, meine Hände bezwangt die Hörner des kräftigen Stieres?
Eueres Werkes genießt das stymphalische Wasser, des euren
Elis und Phœbes Hain? Der mit dem Gold vom Thermodon gezierte
Gürtel, er ward durch euere Kraft erlangt wie die Äpfel,
die vergeblich bewacht der nimmerschlafende Drache?
Mir konnten nicht widerstehn die Centauern, mir nicht der Eber,
jener Verwüster Arcadiens? Nicht hat der Hydra genutzt, durch
Schaden zu wachsen[,] und nicht, ihre Kräfte stets zu verdoppeln?
Habe nicht ich die Rosse gesehn, die thracischen, feist von
menschlichem Blut, und die Krippen, erfüllt mit verstümmelten Leibern,
hab‘ sie gesehn und gestürzt, ihren Herrn und die Rosse getötet?
Diesen Armen erlag, erstickt, das nemeïsche Untier,
trug ich mit diesem Nacken den Himmel? Müde zu heischen
wurde Juppiters Weib, doch ich nicht müd zu vollführen.
Doch eine neue Plage ist da, der mit Tapferkeit nicht und
nicht mit Waffen und Wehr zu begegnen: tief in den Lungen
rast die gefräßige Glut und letzt sich an all meinen Gliedern.
Aber Eurystheus gedeiht! Und da gibt es welche, die möchten
glauben, daß Götter sind [et sunt, qui credere possint esse deos]!“

 
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