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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der phantastische Plan des Architekten Deinokrates #1 (465 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 11.12.2022 um 14:03 Uhr (Zitieren)
Vitruv, De architectura II praef. 1-3:
Der Architekt Deinokrates (1), der viel auf die Fülle seiner erfinderischen Gedanken und auf seine Geschicklichkeit pochte, reiste, als Alexander sich der Weltherrschaft bemächtigte, von Macedonien zum Heer, voll Begierde nach der Gunst des Königs. Er überbrachte aus dem Vaterland von seinen Verwandten Briefe an die Männer des ersten Ranges und purpurbekleidete Würdenträger, um leichter Zutritt zu erlangen; und von diesen entgegenkommend aufgenommen, bat er sogleich, so-bald als möglich vor Alexander geführt zu werden. Nachdem sie es versprochen hatten, zögerten sie doch, eine geeignete Zeit abwartend. Deshalb suchte Deinokrates, der sich von diesen hintergangen glaubte, bei sich selbst Hilfe. Er war von überaus stattlichem Wuchs, angenehm von Gesicht, und von höchster Schönheit und Würde. Im Vertrauen auf diese Gaben der Natur legte er in der Herberge seine Kleider ab, salbte seinen Leib mit Öl, bekränzte sein Haupt mit Pappellaub, hüllte die linke Schulter in eine Löwenfell, und in der Rechten eine Keule führend (2) schritt er auf den erhöhten Sitz des Königs zu, der eben Recht sprach.

Als die Neuheit der Sache das Volk abzog, erblickte ihn Alexander; verwundert befahl er, ihm Platz zu machen, dass er näher trete, und frage ihn, wer er sei. Jener aber erwiderte: Ich bin Deinokrates, ein Architekt aus Macedonien, der dir Entwürfe und Pläne bringt, die deines Ruhmes würdig sind; denn ich habe den Berg Athos in Gestalt eines männlichen Standbildes gezeichnet, in dessen linker Hand ich die Mauern einer mächtigen Stadt und in dessen rechter ich eine Schale, welche das Wasser aller Flüsse, die nur auf dem Berge sind, aufnehmen soll, damit es sich von da in das Meer herabgieße, angebracht habe [namque Athon montem formavi in statuae virilis figuram, cuius manu laeva designavi civitatis amplissimae moenia, dextra pateram, quae exciperet omnium fluminum, quae sunt in eo monte, aquam, ut inde in mare profunderetur].

Alexander, über den Plan entzückt, fragte sogleich, ob Ackerland in der Umgebung sei, welches den Getreidebedarf der Bürgerschaft decken könne. Als er nun fand, dass diesem nur durch überseeische Zufuhr Rechnung getragen werden könne, so sprach er: Deinokrates! Ich empfinde die größte Teilnahme für deinen trefflich ersonnenen Plan und bin darüber entzückt; aber ich bemerke, dass wenn jemand dort eine Niederlassung gründen wollte, seine Einsicht getadelt werden würde. Wie nämlich ein neugebornes Kind ohne die Milch der Amme nicht aufgezogen und nicht zu der Stufe des selbständigen Wachsens und Gedeihens gebracht werden kann, so kann auch eine Stadt ohne Ackerland und ohne den Zufluss der Früchte desselben in ihren Mauern nicht gedeihen, noch ohne reichliche Speise zahlreiche Bevölkerung haben, und das Volk ohne Vorräte nicht erhalten. So sehr ich deshalb deinen Plan billigen zu müssen glaube, so bin ich doch der Ansicht, dass dieser Ort nicht zu billigen sei; dich aber will ich um mich haben, weil ich gesonnen bin, von deinen Diensten Gebrauch zu machen.

(Vitruv: Zehn Bücher über Architektur. Hrsg. v. Franz Reber. Wiesbaden ³2015, S. 68 f.)

(1) Der Name wird sehr unterschiedlich überliefert, z.B. bei Plutarch als Stasikrates.
(2) d.h. er verkleidete sich als Herakles
 
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