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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Das Erdbeben und die Hilfe (427 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 09.12.2022 um 13:34 Uhr (Zitieren)
Polybios V 88-90:

227/26 v.u.Z. war es auf Rhodos, einer wichtigen Handelsmetropole der Antike, zu einem schweren Erdbeben gekommen.
[...] Die Rhodier aber, die kurze Zeit vorher von einem schweren Erdbeben heimgesucht worden waren, bei dem der große Koloß (1) und der größte Teil der Mauern und Docks einstürzten, verhielten sich dieser Katastrophe gegenüber so klug und tatkräftig, daß sie ihnen nicht zum Nachteil ausschlug, sondern im Gegenteil zum Anlaß wurde, alles viel besser wiederaufzubauen.

Einen solchen Unterschied macht es, im privaten wie im öffentlichen Leben, ob man in Unverstand und Trägheit den Dingen ihren Lauf läßt oder sich zu vernünftigem, planvollem Handeln aufrafft, daß den einen auch das Glück noch Schaden bringt, den anderen ein schweres Unglück Veranlassung wird, etwas Besseres an die Stelle des Verlorenen zu setzen [ὥστε τοῖς μὲν καὶ τὰς ἐπιτυχίας βλάβην ἐπιφέρειν, τοῖς δὲ καὶ τὰς περιπτείας ἐπανορθώσεως γίνεσθαι παραιτίας].

So damals die Rhodier. Durch die Art, wie sie die Sache behandelten, indem sie nämlich das Unglück in den schwärzesten Farben schilderten, selbst aber auf den Gesandtschaftsreisen sowohl in den Audienzen wie im privaten Verkehr würdevoll und repräsentativ auftraten, brachten sie die Städte, vor allem aber die Könige dazu, sie nicht nur mit Geschenken zu überhäufen, sondern sogar noch zu meinen, sie schuldeten den Beschenkten Dank, daß sie sich beschenken ließen.

Hieron und Gelon (2) gaben nicht nur fünfundsiebzig Silbertalente <für den Wiederaufbau der Mauern und Docks und eine ausreichende Summe> für den Ölbedarf im Gymnasion, teils sofort, teils mit ganz kurzer Frist, sondern sie weihten auch silberne Becken und die Untersätze für sie, dazu einige silberne Wasserkrüge, ferner zehn Talente für die Opfer und weitere zehn für die Unterstützung (?) der Bürger, damit bei der Schenkung eine Gesamtsumme von hundert Talenten herauskäme. Sodann gewährten sie den rhodischen Kaufleuten Zollfreiheit in ihren Häfen, überwiesen der Stadt fünfzig drei Ellen große Katapulte, und schließlich, als wären sie ihnen noch Dank schuldig, stellten sie zu all diesen Geschenken noch zwei Standbilder auf dem Markt der Rhodier auf, das Volk der Rhodier von dem der Syrakusaner bekränzt.

Ptolemaios (3) versprach ihnen dreihundert Silbertalente, eine Million Scheffel Getreide, Schiffsbauholz für zehn Penteren und zehn Trieren, vierzigtausend Ellen, genau gemessen, viereckige Fichtenbalken, tausend Talente gemünztes Kupfer, dreitausend Talente Werg, dreitausend Segeltücher von feiner Leinwand, zur Wiederherstellung des Kolosses dreitausend Talente (4), hundert Werkmeister, dreihundertfünfzig Bauarbeiter und für deren Entlohnung jährlich vierzehn Talente, dazu für die Wettkämpfe und Opfer zwölftausend Scheffel Getreide, zwanzigtausend Scheffel für die Verpflegung der Besatzung von zehn Trieren, und zwar gab er hiervon das meiste und vor allem Silber den dritten Teil sofort.

In ähnlicher Weise gab Antigonos (5) zehntausend Dachbalken von acht bis sechzehn Ellen Länge, fünftausend sieben Ellen lange Querbalken, dreitausend Talente Eisen, tausend Talente Pech, tausend Maß rohen, flüssigen Pechs, dazu versprach er hundert Talente Silber. Seine Gemahlin Chryseïs gab hunderttausend Scheffel Getreide und dreitausend Talente Blei.

Seleukos, des Antiochos Vater (6), gewährte erstens den rhodischen Kaufleuten Zollfreiheit in den Häfen seines Reiches, zweitens schenkte er ihnen zehn voll ausgerüstete Fünfruderer und zweihunderttausend Scheffel Getreide, drittens zehntausend Ellen Holz und tausend Talente Haar und Harz.

Ähnliche Geschenke machten Prusias und Mithridates und die damaligen Dynasten in Asien (7), ich meine Lysanias, Olympichos und Limnaios. Die Städte aber, die die Rhodier gleichfalls nach Vermögen unterstützten, auch nur aufzuzählen, würde schwer sein.
[...]

(Polybios: Geschichte. 2 Bände. Herausgegeben von Hans Drexler. Zürich/Stuttgart 1963; Band I, S. 502 f.)

(1) eine Statue des Sonnengottes, eines der Weltwunder der Antike
(2) Herrscher auf Sizilien
(3) Ptolemaios III. Euergetes I. von Ägypten (246–221 v.u.Z.)
(4) Zu diesem Wiederaufbau ist es nicht gekommen.
(5) Antigonos III. Doson von Makedonien (229–221 v.u.Z.)
(6) Seleukos II. Kallinikos von Vorderasien (246-225 v.u.Z.)
(7) Kleinasien
 
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