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Eine Charakterisierung des Kaisers Elagabal #2 (479 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 08.12.2022 um 11:39 Uhr (
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Cassius Dio LXXX 13-16 (in der Epitome des Xiphilinos):
15. Der Gatte dieser „Frau“ war ein karischer Sklave Hierokles, einstmals ein Liebling des Gordius, von dem er das Fahren mit einem Rennwagen gelernt hatte. Im Zusammenhang mit dieser Kunst gewann er sich die Zuneigung des Herrschers auf eine höchst merkwürdige Weise: Bei einem Rennen stürzte nämlich Hierokles gerade gegenüber dem Sitz des Sardanapalus aus seinem Gefährt, verlor beim Fall den Helm und erweckte, da er noch keinen Bart trug und hellblondes Haar ihn schmückte, die Aufmerksamkeit des Kaisers,
der ihn sogleich aufheben und in den Palast bringen ließ. Dort aber fesselte er durch seine nächtlichen Leistungen Sardanapalus mehr denn je und stieg zu ungeheurer Macht auf, so daß er über einen noch größeren Einfluß als der Herrscher selbst verfügte. Man sah es in der Tat als eine geringfügige Sache an, daß seine Mutter, noch eine Sklavin, von Soldaten nach Rom gebracht und dort den Frauen gewesener Konsuln beigezählt wurde.
Auch bestimmte andere Personen wurden vielfach durch den Kaiser ausgezeichnet und gelangten zu Macht, die einen, weil sie sich an seiner Empörung beteiligt hatten, die anderen, weil sie mit ihm Ehebruch trieben. Denn er wollte den Ruf eines Ehebrechers genießen, damit er auch in dieser Hinsicht die liederlichsten Weibe nachahme; und gerne ließ er sich daher immer wieder auf frischer Tat ertappen, worauf er dann von seinem „Gatten“ hemmungslos ausgescholten und verprügelt wurde, so daß er darüber „blaue Augen“ [ὑπώπια] bekam.
Seinem „Gatten“ brachte er nicht eine bloß oberflächliche Neigung, sondern eine leidenschaftliche und unauslöschliche Liebe entgegen, so daß er eine derart harte Behandlung nicht nur ruhig hinnahm, im Gegenteil gerade deshalb seinen „Gatten“ um so heißer liebte und ihn tatsächlich zum Caesar machen wollte, ja er bedrohte sogar seine Großmutter, die ihm bei seinem Tun entgegenzutreten versuchte. Auch erweckte er nicht zuletzt dieses Menschen wegen Anstoß bei den Truppen, und das sollte mit zu seinem Sturze beitragen.
16. Aurelios Zotikos, ein Mann aus Smyrna, den man wegen des Gewerbes seines Vaters auch Koch nannte, erfuhr des Kaisers höchste Zuneigung und bittersten Haß, der ihm dann das Leben rettete.
Dieser Aurelios hatte einen durchaus schön gebildeten Körper, dem man den Athleten ansah, übertraf aber alle anderen weitaus durch die Größe seiner Genitalien. Dies berichteten Leute, die für dergleichen einen Blick hatten, dem Kaiser, und sofort wurde er von den Wettspielen weg nach Rom gebracht, mit einem riesigen Geleite, wie es weder Augaros unter Severus noch Tiridates unter Nero gehabt hatten.
Und ehe er auch nur dem Kaiser zu Gesicht gekommen war, ward er schon zum cubicularius [πρόκοιτος] ernannt, mit dem Namen des kaiserlichen Großvaters Avitus ausgezeichnet und mit Kränzen wie bei einem Fest geschmückt, worauf er ihm Lichte vieler Fackeln den Palast betrat.
Sowie ihn Sardanapalus erblickte, sprang er mit rhythmischen Bewegungen auf, und als ihn Aurelios in üblicher Weise mit „Mein kaiserlicher Herr, heil [κύριε αὐτκράτορ χαῖρε]!“ anredete, gab er seinem Nacken eine bestrickend weibliche Haltung, heftete seine Augen auf ihn mit einem schmelzenden Glanz und antwortete, ohne zu zögern: „Sage nicht Herr zu mir, bin ich doch eine Herrin [μή με λέγε κύριον. ἐγὼ γὰρ κυρία εἰμί]!“
Dann ging der Kaiser sogleich mit Aurelios zusammen ins Bad, und nachdem dieser sich entkleidet hatte, fand ihn Sardanapalus so, wie ihm berichtet worden war, entbrannte darob in widernatürlicher Leidenschaft und legte sich an seiner Brust nieder [πασχητιάσας ἔν τε τοῖς στέρνοις αὐτοῦ κατεκλίθη], um dann in seinem Schoß wie eine Geliebte das Mahl einzunehmen.
Hierokles aber bekam Angst, Zotikos könne den Kaiser noch mehr als er fesseln, so daß ihm selbst durch den Nebenbuhler, wie es ja bei Rivalen in der Liebe häufig geschieht, ein schlimmes Schicksal drohe. Er veranlaßte daher die Mundschenken, die ihm freundlich gesinnt waren, durch ein Mittel seine Manneskraft zu schwächen. Und so konnte Zotikos die ganze Nacht über keine Erektion zustande bringen, wurde deshalb sämtlicher Auszeichnungen, die er erhalten hatte, für verlustig erklärt und aus dem Palast und Rom und später auch noch aus dem übrigen Italien verbannt. Das aber war seine Rettung.
[Epitome des Zonaras:] Er trieb es mit seiner Unzucht so weit, daß er von den Ärzten verlangte, sie möchten ihm mit Hilfe eines Einschnitts eine Gebärmutter (4) einsetzen [γυναικείαν δι‘ ἀνατομῆς αὐτῷ μηχανήσασθαι]; dafür versprach er ihnen hohe Belohnungen.
(Cassius Dio: Römische Geschichte. Herausgegeben von Otto Veh. 5 Bde. Zürich/München 1987; Bd. 5, S. 468-472)
(4) eher: Vagina; die Einsetzung einer Gebärmutter erscheint mir zu phantastisch, und ich meine auch nicht, daß das Original dergleichen hergibt.
Wollte nicht auch Nero seinen Sporus anatomisch zu einer Frau machen?
Amüsant auch der Hinweis auf die Probleme des Zotikos (!) mit den Launen der männlichen Hydraulik. Daß ihm dies das Leben gerettet habe, verstehe ich so, daß er beim Sturz des Elagabal nicht mehr zu dessen Umfeld gehörte.