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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Eine Charakterisierung des Kaisers Elagabal #1 (311 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 07.12.2022 um 14:24 Uhr (Zitieren)
Cassius Dio LXXX 13-16 (in der Epitome des Xiphilinos):

Bassianus alias Elagabal regierte von 218 bis 222 u.Z.
13. Dieser Sardanapalus (1) [d.h. Elagabal] aber, der es für richtig hielt, selbst die Götter in der gesetzlichen Form einer Ehe zu vermählen, führte vom Anfang bis zum Ende ein höchst lasterhaftes Leben: Er heiratete nämlich eine Menge Frauen und hatte mit einer noch größeren Zahl ungesetzlichen Verkehr, nicht daß er sie etwa selbst benötigte, nein, er wollte nur ihr Verhalten nachahmen, wenn er mit seinen Liebhabern zusammenliegen sollte, und durch wahllosen Verkehr mit den Buhlerinnen Mitschuldige bei seiner Unzucht gewinnen.

Seinen Körper gebrauchte er, um damit viel unerhörte Dinge zu vollführen oder mit sich geschehen zu lassen, Dinge, die niemand weder zu sagen noch anzuhören vermöchte. Seine offenkundigsten Handlungen aber, die bestimmt nicht verschwiegen werden dürften, waren folgende: Zur nächtlichen Stunde pflegte er mit einer Perücke in die Schenken zu gehen und die Geschäfte von Hökerweibern zu betreiben. Er besuchte auch die berüchtigtsten Bordelle, vertrieb die Prostituierten und übernahm selbst deren Aufgaben.

Schließlich bestimmte er im Palast einen Raum, um hier seiner Unsittlichkeit zu frönen. Und nackt wie die Huren stand er dauernd an dessen Tür, bewegte den an goldenen Ringen befestigten Vorhang und lockte die Vorübergehenden mit sanfter und schmelzender Stimme an. Es gab natürlich Leute, die besonders unterwiesen waren, seinem Willen nachzukommen;

denn wie in den anderen Dingen hatte er auch für dieses Geschäft zahlreiche Helfer, durch die er sich jene besorgen ließ, welche in ihrer Unsittlichkeit sein besonderes Wohlgefallen gewinnen konnten. Von seinen Kunden pflegte er Geld einzusammeln und brüstete sich mit seinen Einnahmen; er stritt sich auch mit seinen schamlosen Kumpanen, indem er behauptete, mehr Liebhaber als sie zu haben und mehr Geld einzukassieren.

14. Ohne einen Unterschied zu machen, betrug er sich so zu allen, die mit ihm in Verbindung standen, doch hatte er auch einen „Lieblingsgatten [ἐξαίρετόν τινα ἄνδρα]“, den er gerade aus diesem Grunde zum Caesar bestellen wollte.

Er pflegte sich fernen in der Tracht der „Grünen“ (2) als Wagenlenker zu betätigen, privat und zu Hause (3), sofern man jenen Platz ein Zuhause nennen kann, wo als Kampfrichter wirkten die führenden Männer seines Gefolges, Ritter sowohl wie kaiserliche Freigelassene, auch selbst die Präfekten, seine Großmutter, seine Mutter und seine Frauen, außerdem verschiedene Senatoren mit Einschluß des Stadtpräfekten Leo – und wo sie zuschauten, wie er als Wagenlenker auftrat und gleich dem nächstbesten Rennfahrer Goldstücke erbettelte und die Schiedsrichter sowie die An gehörigen seiner Partei ehrfürchtig begrüßte.

Wenn er über irgend jemand zu Gerichte saß, machte er tatsächlich mehr oder weniger den Eindruck eines Mannes, doch zeigte er sich bei allen anderen Gelegenheiten in seinem Betragen und in seiner Sprechweise geziert. Er tanzte zum Beispiel gewöhnlich nicht nur in der Orchestra, sondern auch irgendwie beim Gehen, beim Opfern, bei Entgegenahme von Huldigungen oder bei einer Ansprache.

Und schließlich – womit ich nun wieder an den Anfang meines Berichtes zurückkommen will – er ließ sich vermählen, Weib, Herrin und Königin nennen [καὶ ἐγήματο, γυνή τε καὶ δέσποινα βασιλίς τε ὠνομάζετο], beschäftigte sich mit Wollarbeiten, trug zuweilen ein Haarnetz und malte sich die Augen, indem er sie mit Bleiweiß und Ochsenzunge schminkte. Ein einziges Mal ließ er sich das Kinn scheren und veranstaltete deshalb ein Fest; doch dann zupfte er sich die Haare aus, um so noch mehr einer Frau zu gleichen. Und wiederholt ruhte er auf einem Lager, während er den Gruß der Senatoren entgegennahm.

(Cassius Dio: Römische Geschichte. Herausgegeben von Otto Veh. 5 Bde. Zürich/München 1987; Bd. 5, S. 468-472)

(1) Dieser Sardanapal ist ein weitgehend mythischer assyrischer König, der für seine extravagante und effeminierte Lebensweise berühmt ist.
(2) Neben den „Blauen“ war dies die wichtigste Fangruppe bei den Wagenrennen.
(3) Der kaiserliche Palast auf dem Palatin befand sich in unmittelbarer Nähe zum Circus maximus.
Re: Eine Charakterisierung des Kaisers Elagabal #1
Marcella schrieb am 07.12.2022 um 14:52 Uhr (Zitieren)
Ein bisschen erinnert das an die queeren Sexgeschichten, die Sueton, diese Klatschbase, u.a. Nero nachsagte. Einen Teil davon kann man vermutlich vergessen.
Die story von Neros Ehe mit "puer" Sporus gewinnt an Glaubwürdigkeit, weil Sueton den Volksmund zitiert, schön wäre es gewesen, wenn bereits Neros Vater so geheiratet hätte.
Re: Eine Charakterisierung des Kaisers Elagabal #1
Γραικύλος schrieb am 07.12.2022 um 22:33 Uhr (Zitieren)
Elagabal ist anscheinend, wenn man den Quellen trauen darf, was queere Sexualität angeht, eine etwas extremere Version von Nero.
(Es folgt noch ein wirklich verblüffendes Detail.)
 
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