α β γ δ ε ζ η θ ι κ λ μ ν ξ ο π ρ ς σ τ υ φ χ ψ ω Α Β Γ Δ Ε Ζ Η Θ Ι Κ Λ Μ Ν Ξ Ο Π Ρ C Σ Τ Υ Φ Χ Ψ Ω Ἷ Schließen Bewegen ?
Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Giftmischerinnen in Rom (459 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 06.12.2022 um 12:38 Uhr (Zitieren)
Livius VIII 18:

Der geschilderte Vorgang soll sich im Jahre 331 v.u.Z. ereignet haben.
Gräßlich, sei es wegen der ungewöhnlichen Witterung oder wegen der menschlichen Tücke, war das folgende Jahr, in dem M. Claudius und L. Valerius das Konsulat innehatten. Als Beinamen des Konsuls finde ich in den Geschichtswerken voneinander abweichend Flaccus und Potitus; es macht aber nicht viel aus, was richtig ist.

Dagegen wünschte ich sehr – nicht alle berichten es ja -, daß die Überlieferung falsch wäre, die Menschen, deren Tod das Jahr wegen einer Seuche in Verruf gebracht hat, seien durch Gift beseitigt worden; doch die Sache muß dargelegt werden, wie sie überliefert ist, da ich nicht einer Quelle die Glaubwürdigkeit absprechen möchte.
Als die ersten Männer der Bürgerschaft [primores civitatis] an ähnlichen Krankheiten und allesamt ziemlich mit denselben Symptomen starben, erklärte eine Magd vor dem kurulischen Ädilen Q. Fabius Maximus, sie wolle die Ursache für das allgemeine Unheil nennen, wenn er ihr die Zusage gebe, daß ihre Aussage ihr keinen Schaden bringen werde. Fabius trug die Sache sogleich den Konsuln vor, die Konsuln brachten sie vor den Senat, und einhellig sicherte der Senat ihr für die Aussage Straffreiheit zu.

Da kam ans Licht, daß die Bürgerschaft von Weibertücke [muliebri fraude] bedrängt wurde und daß ehrbare Frauen diese Gifte brauten und, wenn man ihr unverzüglich folgen wolle, auf frischer Tat ertappt werden könnten. Man folgte der Informantin und fand einige, die Tränke brauten, und weitere Tränke, die versteckt waren. Diese wurden auf das Forum geschafft und an die 20 Frauen, bei denen man sie entdeckt hatte, durch den Amtsboten vorgeladen.

Als zwei von ihnen, Cornelia und Sergia, beide aus patrizischem Geschlecht, versicherten, diese Tränke seien heilsam, wurden sie von der Informantin, die das bestritt, aufgefordert, sie zu trinken, um nachzuweisen, daß sie eine falsche Aussage gemacht habe. Sie nahmen sich Zeit zu einer Besprechung, das Volk mußte Platz machen, und sie legten die Sachlage den anderen Frauen dar, und da auch diese sich nicht weigerten zu trinken, tranken sie vor den Augen aller den Gifttrank und gingen sämtlich durch ihre eigene Tücke zugrunde. Unverzüglich wurden die Begleiterinnen festgenommen, und sie zeigten eine große Zahl ehrbarer Frauen an; von diesen wurden an die 170 verurteilt.

Bis zu diesem Tag hatte es in Rom noch kein Verfahren wegen Giftmischerei [de veneficiis] gegeben. Die Sache wurde als ein Zeichen der Götter aufgefaßt und schien eher auf eine seelische Störung hinzudeuten als auf verbrecherische Gesinnung. Als man sich nun an die Überlieferung in den Jahreschroniken erinnerte [ex annalibus repetita], wonach bei den Auszügen der Plebs einst ein Nagel durch einen Diktator eingeschlagen worden war und wonach die Menschen, die in ihrer Zwietracht wie von Sinnen waren, infolge dieser Sühnungszeremonie wieder zu Verstand gekommen seien, beschloß man daher, einen Diktator zum Einschlagen eines Nagels [dicatorem clavi figendi causa] zu wählen. Cn. Quinctilius wurde gewählt und ernannte L. Valerius zum Magister equitum; nachdem sie den Nagel eingeschlagen hatten, legten sie ihr Amt nieder.

(Livius: Römische Geschichte. Buch VII-X. Lateinisch-deutsch ed. Hans Jürgen Hillen. Darmstadt 1994, S. 162-167)

dictator clavi figendi causa!
 
Antwort
Titel:
Name:
E-Mail:
Eintrag:
Spamschutz - klicken Sie auf folgendes Bild: Pyramiden von Gizeh

Aktivieren Sie JavaScript, falls Sie kein Bild auswählen können.