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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Belagerung von Abydos durch Philipp V. von Makedonien #3 (476 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 06.12.2022 um 12:33 Uhr (Zitieren)
Polybios XVI 29-34:
32. Man kann danach sagen, daß der Todesmut der Abydener noch höher steht als die berühmte Verzweiflungstat der Phoker und die Tapferkeit der Akarnanen. Die Phoker scheinen über ihre Angehörigen einen ähnlichen Entschluß gefaßt zu haben, aber sie hatten damals (2) die Hoffnung auf den Sieg noch nicht ganz aufgegeben, denn sie wollten ja gegen die Thessaler eine Schlacht auf freiem Feld wagen; einen ähnlichen Entschluß faßte auch der Bund der Akarnanen, als der Einfall der Aetoler in ihr Land drohte: ich habe davon eingehend an früherer Stelle erzählt.

Die Abydener aber, eingeschlossen und fast ohne jede Hoffnung auf Rettung, wollten lieber allesamt mit Weib und Kind den Tod erleiden, als noch lebend mit ansehen zu müssen, wie die Ihren in die Gewalt der Feinde fielen. Daher kann man wahrhaftig der Tyche wegen des Schicksals der Abydener grollen, daß sie mit den oben Genannten gleichsam Mitleid empfand [οἷον ἐλεήσασα] und die Gefahr von ihnen abwandte, indem sie den Verzweifelten Sieg verlieh und Rettung brachte (3), über die Abydener jedoch anders beschlossen hatte. Die Männer starben, die Stadt fiel, die Kinder mit ihren Müttern kamen in die Gewalt der Feinde.

33. Denn als die Zwischenmauer einstürzte, traten sie in die Bresche und kämpften, getreu ihrem Eid, bis zum letzten Mann so heldenmütig, daß Philipp, obwohl er seine Makedonen bis zur Nacht eine Abteilung nach der anderen in den Kampf warf, am Ende die Schlacht abbrechen mußte und sogar an dem Erfolg der ganzen Belagerung verzweifelte. Nicht nur traten die Kämpfer in der vordersten Linie auf die Leichen der gefallenen Feinde und kämpften von dort herab wie die Rasenden, noch auch nur mit Schwert und Lanze, sondern wenn ihre Waffen beschädigt und unbrauchbar waren oder ihnen gewaltsam aus den Händen geschlagen wurden, umklammerten sie die Makedonen, warfen sie in ihren Waffen zu Boden oder zerbrachen ihre Lanzen und versetzten mit den Bruchstücken dem Gegner wohlgezielte Stöße ins Gesicht und gegen die ungeschützten Stellen des Körpers und machten sie völlig kopflos.

Als die Nacht kam, die die Kämpfenden trennte, waren die meisten in der Bresche gefallen, die am Leben Gebliebenen durch Erschöpfung und Verwundung kampfunfähig geworden. Da machten Glaukides und Theognetos zusammen mit einigen Älteren, die sie zusammenriefen, den bewunderungswürdigen, heroischen Beschluß der Bürgerschaft zuschanden, um für sich selbst damit etwas zu gewinnen. Sie kamen überein, die Kinder und Frauen am Leben zu lassen und gleich bei Tagesanbruch die Priester und Priesterinnen als Bittflehende mit heiligen Binden und Zweigen zu Philipp hinauszuschicken, um ihn um Gnade zu bitten und die Stadt zu übergeben.

(Polybios: Geschichte. 2 Bände. Eingeleitet und übertragen von Hans Drexler. Zürich/Stuttgart 1961; Bd. 2, S. 926-932)

(2) im 3. Heiligen Krieg gegen Philipp II. von Makedonien und seine Verbündeten, in dessen Folge u.a. Phokis systematisch zerstört wurde
(3) Die am Ende des 3. Heiligen Krieges auferlegten Bedingungen wurden bald abgemildert und der Wiederaufbau gestattet.
 
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