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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Belagerung von Abydos durch Philipp V. von Makedonien #2 (460 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 05.12.2022 um 13:41 Uhr (Zitieren)
Polybios XVI 29-34:
30. Nachdem Philipp also Abydos teils durch Palisaden, teils mit Wall und Graben eingeschlossen hatte, begann er die Belagerung zu Lande und zu Wasser. Dieser Kampf war weder durch die Menge der eingesetzten Mittel noch durch den Erfindungsreichtum bei den Belagerungsarbeiten bemerkenswert, wobei die Belagerer wie die Belagerten ein großes technisches Geschick zu entfalten pflegen, um so mehr vor anderen denkwürdig durch die unerhörte Tapferkeit der Belagerten und ihre Todesverachtung, und er hat es deshalb verdient, der Nachwelt überliefert zu werden.

Anfangs hielten die Einwohner von Abydos im Vertrauen auf ihre eigene Kraft gegen alle Kampfmittel, die Philipp gegen sie einsetzte, mutig stand. Sie trafen die Belagerungswerkzeuge, die zur See gegen sie herangeführt wurden, mit ihren Steinwurfmaschinen und brachten sie zum Einsturz oder vernichteten sie durch Feuer, so daß die Feinde sogar ihre Schiffe nur mit genauer Not aus der Gefahrenzone zurückziehen konnten. Ebenso leisteten sie den Belagerungswerkzeugen zu Lande bis zu einem bestimmten Zeitpunkt tapfer Widerstand, nicht ohne sich Hoffnung zu machen, ihrer Feinde Herr werden zu können.

Als aber die äußere Mauer durch Unterminierung zum Einsturz gebracht worden war und sich die Makedonen in unterirdischen Gängen an die zweite heranarbeiteten, die hinter der Bresche errichtet worden war, schickten sie Iphiades und Pantaknotos als Gesandte zu Philipp und boten ihm die Übergabe der Stadt an, wenn er die Soldaten, die ihnen die Rhodier und Attalos (1) geschickt hatten, unter sicherem Geleit abziehen lasse und den Freien erlaube, mit den Kleidern, die sie auf dem Leibe trügen, sich zu retten, so gut jeder könne und wohin er wolle. Philipp aber erklärte, sie sollten sich ihm entweder auf Gnade und Ungnade ergeben [περὶ πάντων ἐπιτρέπειν] oder tapfer kämpfen. Mit diesem Bescheid mußten sie abziehen.

31. Als die Abydener diesen Bescheid vernahmen, beriefen sie eine Volksversammlung [ἐκκλησία] und gingen angesichts der damit geschaffenen Lage miteinander zu Rate. In ihrer Verzweiflung beschlossen sie, erstens die Sklaven freizulassen, um an ihnen einsatzbereite Mitkämpfer zu finden, sodann alle Frauen im Tempel der Artemis, die Kinder mit ihren Ammen im Gymnasion zu versammeln, ferner alles Gold und Silber auf dem Markt zusammenzutragen, ebenso die kostbarsten Gewänder auf die Tetrere der Rhodier und die Triere der Kyzikener zu schaffen.

Nachdem sie diesen Beschluß einmütig ausgeführt hatten, versammelten sie sich von neuem und wählten fünfzig ältere Männer, die besonderes Vertrauen genossen und körperlich noch leistungsfähig genug waren, um die Beschlüsse durchführen zu können, und verpflichteten sie vor der gesamten Bürgerschaft durch einen Eid, wenn sie die Zwischenmauer von den Feinden genommen sähen, die Kinder und Frauen zu töten [κατασφάξειν μὲν τὰ τέκνα καὶ τὰς γυναῖκας], jene Schiffe anzuzünden und das Gold und Silber ins Meer zu werfen, dem sie es unter Flüchen gegen jeden, der es wieder heraufholte, geweiht hatten (?).

Dann ließen sie die Priester vor die Versammlung hintreten und schworen alle vor ihnen, entweder über die Feinde zu siegen oder im Kampf für die Vaterstadt zu sterben [ἢ τελευτήσειν μαχόμενοι περὶ τῆς πατρίδος]. Darauf brachten sie ein Opfer dar und zwangen die Priester und Priesterinnen, über der brennenden Flamme einen Fluch gegen die Eidbrüchigen auszusprechen. So waren sie also entschlossen, zwar darauf zu verzichten, gegen die feindlichen Minen Gegenminen vorzutreiben, wenn jedoch die Zwischenmauer fiele, dann in die Bresche gegen die Stürmenden bis zum bitteren Ende, bis zum letzten Mann zu kämpfen.

(Polybios, Geschichte. 2 Bände. Eingeleitet und übertragen von Hans Drexler. Zürich/Stuttgart 1961; Bd. 2, S. 926-932)

(1) Attalos I. Soter von Pergamon
 
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