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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Ein Skandal im Isis-Tempel zur Zeit des Tiberius #2 (504 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 04.12.2022 um 13:35 Uhr (Zitieren)
Flavius Josephus, Antiquitates Iudaicae XVIII 3, 4:
Die Priester, durch das Geld verlockt, sagten zu, und der älteste von ihnen begab sich zu Paulina und bat, nachdem er Einlass erhalten, mit ihr ohne Zeugen sprechen zu dürfen. Paulina war hierzu bereit, und nun erklärte ihr der Priester, er sei vom Gott Anubis geschickt, der sie liebe und ihr befehle, zu ihm zu kommen. Sie vernahm diese Worte mit Freude und rühmte sich bei ihren Hausgenossen der Ehre, die Anubis ihr zugedacht habe. Ihrem Gatten aber zeigte sie an, dass sie zum Gastmahl und der Umarmung des Gottes beschieden sei. Dieser gab seine Einwilligung, da er seines Weibes Schamhaftigkeit hinreichend kannte.

Paulina ging sodann zum Tempel, und als ein Priester nach dem Mahle zur Zeit der Nachtruhe die Thore geschlossen und im Inneren des Heiligtums die Lampen ausgelöscht hatte, kam Mundus, der vorher sich dort versteckt hatte, zu ihr und genoss die ganze Nacht ihren Umgang, da sie der Meinung war, er sei der Gott Anubis.
Bevor jedoch diejenigen Priester, die um den Plan nicht wussten, erwacht waren, schlich sich Mundus fort, und Paulina begab sich in der Morgenfrühe zu ihrem Gatten zurück, erzählte ihm die Erscheinung des Gottes und prahlte auch bei ihren Hausgenossen mit der ihr widerfahrenen Ehre. Diese aber nahmen zum Teil die Sache sehr ungläubig auf, zum Teil drückten sie ihre Verwunderung darüber aus, dass die edle und tugendsame Frau sich zu so etwas hergegeben habe.

Am dritten Tage nach dem Vorfall nun begegnete ihr Mundus und sprach zu ihr: „Nun hast du, Paulina, mir zweihunderttausend Drachmen erspart, die du dein eigen hättest nennen können, und bist mir nichtsdestoweniger zu Willen gewesen. Es liegt mir jetzt nichts daran, dass du mich mit Schmähungen überhäuft hast, vielmehr hat es mir grosse Freude gemacht, der Stellvertreter des Gottes Anubis gewesen zu sein [ἀλλὰ τῆς ἐκ τοῦ πράγματος ἡδονῆς, Ἀνούβιον ὄνομα ἐθέμην ἐμαυτῷ].“ Drauf entfernte er sich.

Paulina aber zerriss auf die Kunde von der Schandthat ihr Gewand und zeigte ihrem Gatten die ihr widerfahrene Schmach an, beschwor ihn auch, dieselbe nicht ungerächt zu lassen. Saturninus meldete darauf den ganzen Vorfall dem Caesar [sc. Tiberius], der eine genaue Untersuchung anstellen und sowohl die Priester als auch die Ide, welche den schmachvollen Plan ersonnen hatte, ans Kreuz schlagen liess. Alsdann liess er den Tempel zerstören und die Bildsäule der Isis in den Tiber versenken.

Den Mundus aber verbannte er und hielt diese Strafe für hinreichend, weil die Liebe ihn zu dem Frevel verleitet habe. So verhielt es sich mit dem Greuel, durch den die Isispriester ihren Tempel schändeten. [...](2)

(Flavius Josephus: Jüdische Altertümer. Hrsg. v. Heinrich Clementz. Nachdruck Wiesbaden o.J., Bd. II, S. 516-518)

(2) Flavius Josephus fährt fort mit der Schilderung eines Finanzskandals in Rom, der zur Vertreibung der Juden aus der Stadt führte.

Die Naivität von Frauen gegenüber Priestern ist ja geradezu ein Topos.
 
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