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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Eine Frage an die Götter (359 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 01.12.2022 um 13:09 Uhr (Zitieren)
Kerkidas von Megalopolis (3. Jhdt. v.u.Z.), Pap. Oxy. VIII 1082 Fr. 1 II f.:

Kerkidas war ein Anhänger des Achäischen Bundes in dessen Auseinandersetzung mit Sparta, Freund und Anhänger des Aratos, zudem sehr reich.
[...] Warum hat die Tyche dem hemmungslosen Xenon nicht sein Vermögen genommen und uns das Geld zugebracht, was so unnütz vergeudet wird? Was hinderte sie, falls man sie das fragen darf? Leicht ist es ja für eine Gottheit, alles durchzusetzen, was ihr in den Sinn kommt, einem schmutzigen Falschgeldwucherer und Geldeinsarger oder auch diesem ruinösen Vermögensverschütter den Misthaufen seines Reichtums vollends abzuräumen und die verschwendeten Sümmchen dem Manne zu geben, der von den Früchten des Jahres lebt und mit dem Nachbarn den Becher leert. Ist denn das Auge der Gerechtigkeit blind wie das eines Maulwurfs? Und schielt denn der Sonnengott mit seinem einen Augapfel, und Themis, die herrliche, ist sie geblendet? Sind das noch Götter, die da weder hören noch sehen?

[...] An welche Mächtigen der Erde, an welche Himmlischen kann sich einer noch wenden, um den gerechten Lohn zu empfangen, wenn der Sohn des Kronos, der alle geschaffen und gezeugt hat, so offenkundig den einen ein Stiefvater, den anderen ein Vater ist? Doch lassen wir das Rätsel die Astrologen lösen, ihnen macht es hoffentlich keine Schwierigkeiten. Wir aber wollen auf Paian, den Heilenden, sehen, auf die Geberin des Anteils, denn auch sie ist eine Gottheit, und auf Nemesis, die Vergelterin, die noch auf Erden weilt. Ehrt diese Gottheit, ihr Männer, bis sie günstigen Wind schickt. [...]

(Erich Bayer: Griechische Geschichte. Stuttgart 1968, S. 661)

Die Frage, ob die Götter nicht so genau hinschauen, ist ja berechtigt. Daß der Autor sich dann ersatzweise an andere Götter wendet, ist wohl nur im Polytheismus möglich.
Re: Eine Frage an die Götter
Andreas schrieb am 01.12.2022 um 15:12 Uhr (Zitieren)
Die Frage, ob die Götter nicht so genau hinschauen, ist ja berechtigt

Berechtigt gewiss, aber sinnlos.
Da es ja Götter nicht gibt und nie gegeben hat
und man sie u.a. auch als Racheinstanzen erfunden hat,
ist die Frage hinfällig.

Auch im NT heißt es, dass Gott die Sonne über Guten und Bösen aufgehen lasse.
Die Endabrechnung erfolge dann am Jüngsten Tag,
falls es einen Gott oder einen solchen Tag gibt,
nach dem das menschl.Gerechtigkeitsempfinden sich sehnt.

Die Welt ist nun mal ungerecht, und war es schon immer.
Keine gerechten Kriege, Löhne, keine gerechte Vermögensverteilung
u.v. andere Ungerechtigkeiten mehr.
Die Theory of Justice (Rawls) wird wohl immer
eine Theorie bleiben, eine Annäherung ans
Ideale scheint immer schwerer zu werden trotz
modernster Technologie und gigantischem
Geldaufwand.
Suum cuique tribuere eine schöne Wunschvorstellung,
die an der harten Realität scheitert wie soviele andere Utopien auch.
Solange Gier, Macht-und Vorteilsstreben die
Welt regieren kann und wird sich das nicht ändern.
Für die Gerechtigkeit ist der Mensch selbst
verantwortlich, keine Götter oder kein
monos theos bzw. Deus trinus, dessen Wesen
Liebe sein soll.
Mit der ließe sich einiges bewegen,
im Kleinen zumindest.
Nicht die Götter schauen weg, sondern wie
zuwenig hin.
Re: Eine Frage an die Götter
Γραικύλος schrieb am 01.12.2022 um 22:48 Uhr (Zitieren)
Wer wird schon daran heute noch daran glauben, daß ein Gott oder Götter auf Erden für Gerechtigkeit sorgen? Christen und Moslems haben diesen Akt ja klugerweise in ein unüberprüfbares Jenseits verlegt. Aber interessant erscheint es mir doch zu lesen, wie dieser Glaube bereits in der Antike infrage gestellt wurde - natürlich nicht nur von Kerkidas (den ich übrigens gar nicht kannte).
Re: Eine Frage an die Götter
Aurora schrieb am 02.12.2022 um 06:24 Uhr (Zitieren)
Wer wird schon daran heute noch daran glauben, daß ein Gott oder Götter auf Erden für Gerechtigkeit sorgen?


In der Stadt Münster, in der Kirche Sankt Ludgeri ist ein besonderes Kruzifix zu sehen. Das Kruzifix ist aus Holz und wurde von einem Künstler 1929 angefertigt. Beim Bombenangriff im Jahre 1944 wurde die Kirche getroffen und der Holzfigur wurden beide Arme abgerissen. Beim Wiederaufbau der Kirche nach dem Krieg entschied man sich diese Jesusfigur nicht zu renovieren sondern anstelle der ausgebreiteten Armen am Kreuz den Satz einzugravieren „Ich habe keine anderen Hände als eure“.
 
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