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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Sekte der Essener #4 (448 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 01.12.2022 um 13:04 Uhr (Zitieren)
Flavius Josephus, De bello Iudaico II 8, 2-13 (119-160):
11. Denn kräftig lebt bei ihnen die Überzeugung: vergänglich seien zwar die Leiber und ihr Stoff sei nichts Bleibendes, die Seelen aber seien unsterblich und würden immer bestehen; sie seien zwar, nachdem sie, aus feinstem Äther bestehend, in einem Schwebezustand waren, mit den Leibern wie mit Gefängnissen verbunden, durch einen sinnlichen Liebeszauber herabgezogen; wenn sie aber aus den fleischlichen Fesseln befreit seien, wie aus langer Knechtschaft erlöst, dann würden sie Freude haben und sich in die Höhe schwingen. In Übereinstimmung mit den Söhnen der Griechen tun sie dar, daß den guten Seelen ein Leben jenseits des Ozeans beschieden sei und ein Ort, der von Regen und Schnee und Hitze nicht belästigt wird, dem vielmehr vom Ozean her ein ständig sanft wehender Zephir Frische spendet. Den schlechten dagegen sprechen sie eine dunkle und winterliche Schlucht zu, voll von unablässigen Strafen.

Es scheint mir die gleiche Vorstellung zu sein, der entsprechend die Griechen ihren Tapferen, die sie Heroen und Halbgötter nennen, die Inseln der Seligen zuweisen, den Seelen der Schlechten aber im Hades den Ort der Frevler, wo nach ihrem Mythos gewisse Personen gezüchtigt werden, Männer wie Sisyphus und Tantalus, Ixion und Tityus.

So setzen sie erstlich die Lehre von der ewigen Dauer der Seelen voraus, und spornen dann damit die Menschen zur Tugend und zur Abwehr des Schlechten an. Sie meinen nämlich, die Guten würden zu Lebzeiten noch besser werden durch die Hoffnung auf Ehre nach dem Tod, die Triebkräfte der Schlechten würden durch Furcht gehemmt, da sie erwarten, daß sie, selbst wenn sie zu Lebzeiten unentdeckt blieben, ewigen Strafen verfallen würden.

Dies ist also die heilige Lehre der Essener über die Seele; in die Herzen derer, die einmal von ihrer Weisheit gekostet haben, senken sie damit eine Idee wie einen Köder ein, von dem sich fürder niemand mehr freimachen kann.

12. Unter ihnen finden sich aber auch solche, die sich anheischig machen, das Zukünftige vorauszuwissen; geschult haben sie sich an heiligen Büchern, verschiedenen Reinigungszeremonien und Prophetensprüchen, und es geschieht selten, daß sie in ihren Vorhersagen fehlgehen.

13. Es besteht aber auch ein anderer Verband der Essener, der in Lebensführung, Sitten und Gesetzen mit den übrigen übereinstimmt und sich nur in der Ansicht über die Ehe von ihnen scheidet. Sie glauben nämlich, daß diejenigen, die nicht heiraten, ein wichtiges Stück des Lebens außer acht lassen, die Nachkommenschaft, vor allem aber, daß das Menschengeschlecht baldigst erlöschen würde, wenn alle ebenso dächten. Sie erproben jedoch drei Jahre lang die zukünftigen Gattinnen; wenn sie sich einer dreimaligen Reinigung unterzogen haben zum Erweis dafür, daß sie imstande sind, zu gebären, so führen sie sie heim. Während der Schwangerschaft ihrer Frau aber enthalten sie sich des ehelichen Verkehrs, ein Beweis dafür, daß sie nicht um der Lust, sondern um der Kinder willen heiraten. Bei den Reinigungsbädern umhüllen sich die Frauen mit einem Gewand wie die Männer mit einem Schurz. Das ist das Brauchtum der Essener.

(Flavius Josephus: De bello Judaico – Der jüdische Krieg. 4. Bde. Hrsg. v. Otto Michel & Otto Bauernfeind. Darmstadt ³1982; Bd. 1, S. 204-213)
 
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