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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Sekte der Essener #1 (452 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 28.11.2022 um 11:53 Uhr (Zitieren)
Flavius Josephus, De bello Judaico II 8, 2-13 (119-160):
2. Es treiben nämlich bei den Juden drei Gruppen Philosophie, die Anhänger der ersten heißen Pharisäer, die der zweiten Sadduzäer; die dritte Gruppe aber, die sich in der Tat nach allgemeinem Urteil eines besonders heiligen Wandels befleißigt, heißen „Essener [Ἐσσηνοί]“; sie sind gebürtige Juden, untereinander aber noch enger in Liebe verbunden als die anderen. Diese verwerfen die sinnlichen Freuden als Frevel, erachten aber die Enthaltsamkeit und das Sich nicht von der Leidenschaft Beherrschen lassen als Tugend. Und über die Ehe herrscht bei ihnen ein geringschätziges Urteil, die fremden Kinder aber, die sie in einem für die Bildung aufnahmefähigen Alter aufnehmen, schätzen sie als Angehörige und prägen sie nach ihren Sitten; die Heirat und die eheliche Nachkommenschaft lehnen sie zwar nicht grundsätzlich ab, sie scheuen aber die Begehrlichkeit der Weiber und sind überzeugt, daß keines von ihnen einem Mann allein die Treue halte.

3. Sie sind Verächter des Reichtums, und bewundernswert ist bei ihnen der Gemeinschaftssinn; es ist auch unter ihnen niemand zu finden, der an Besitz hervorrage; denn es ist ein Gesetz, daß die in die Sekte Eintretenden ihr Vermögen dem Orden übereignen, sodaß bei ihnen insgesamt weder die Niedrigkeit der Armut noch ein Vorrang des Reichtums in Erscheinung tritt, sondern nach Zusammenlegung des Besitzes der Einzelnen nur ein Vermögen für alle als Brüder vorhanden ist. Für Schmutz halten sie das Öl, und wenn jemand wider seinen Willen gesalbt worden ist, dann wischt er seinen Körper ab, denn sie halten es für wohlanständig, eine rauhe Haut zu haben und allezeit weiße Kleidung zu tragen. Gewählt sind die Verwalter des gemeinsamen Vermögens, und unterschiedslos ist jeder einzelne für alle zur Dienstleistung verpflichtet.

4. Es ist aber nicht eine einzelne Stadt die ihrige, sondern in jeder wohnen viele. Den von auswärts kommenden Angehörigen der Sekte steht deren ganzer Besitz zur Verfügung gleich wie eigener, und bei Menschen, sie sie nie vorher sahen, treten sie ein wie bei längst Vertrauten. Deshalb nehmen sie auch bei ihren Reisen gar nichts mit, außer Waffen zum Schutz gegen Räuber. Ein Fürsorger aber wird in jeder Stadt eigens für die Gäste des Ordens eingesetzt, der Kleider und das sonst Notwendige bewirtschaftet. Kleidung und Körperhaltung sind wie bei den Knaben, die von einem Pädagogen in Furcht gehalten werden. Weder Kleidung noch Schuhe wechseln sie, ehe das bisherige Stück ganz und gar zerrissen oder mit der Zeit verbraucht ist. Nichts aber kaufen oder verkaufen sie untereinander, sondern dem, der Bedarf hat, gibt jeder seinen Besitz und empfängt umgekehrt von jenem das, was er brauchen kann; ja auch ohne Gegenleistung ist die Entnahme von Gütern, bei wem man will, unverwehrt.

(Flavius Josephus: De bello Judaico – Der jüdische Krieg. 4. Bde. Hrsg. v. Otto Michel & Otto Bauernfeind. Darmstadt ³1982; Bd. 1, S. 204-213)
 
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