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Locusta (Lucusta) #1 (436 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 27.11.2022 um 17:29 Uhr (
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Der Neue Pauly: Lucusta. Giftmischerin, wahrscheinlich aus Gallien stammend, die nach der Überl. im J. 54 n. Chr. Agrippina das Gift für die Ermordung des Claudius lieferte, im folgenden J. dem Nero zur Beseitigung des Britannicus. Obwohl L. vorher wegen Giftmords verurteilt worden war, erhielt sie jetzt die Freiheit. Auch Nero verwendete 68 bei seinem Selbstmord Gift, das sie zubereitet hatte. Galba ließ sie hinrichten.
1. Tacitus: Annalen
[...] Nero verstand die Anfeindung und steigerte sich weiter in seinen Haß [sc. gegen Britannicus] hinein; und angesichts der drängenden Drohungen Agrippinas mußte er, weil kein Verbrechen vorlag und er den Befehl zur Ermordung des Bruders nicht offen zu geben wagte, heimlich zu Werke gehen und ließ ein Gift herstellen unter Mithilfe von Pollio Iulius, dem Tribunen einer Prätorianerkohorte.
Von ihm wurde eine wegen Giftmischerei verurteilte Frau namens Locusta in Gewahrsam gehalten, die wegen ihrer Verbrechen vielfach berüchtigt war. Denn daß gerade die nächste Umgebung des Britannicus weder auf Recht noch auf Treue Gewicht legte, dafür hatte man längst gesorgt. Das erste Gift wurde ihm von seinen eigenen Erziehern verabreicht, er ließ es aber mit einem Durchfall abgehen, weil es zu wenig stark oder weil ein milderndes Mittel darin enthalten war, um eine sofortige Wirkung zu verhindern.
Aber Nero besaß für ein langsam durchgeführtes Verbrechen keine Geduld [sed Nero lenti sceleris inpatiens]: er drohte dem Tribunen und befahl die Hinrichtung der Giftmischerin, weil sie beide auf das Gerede des Volkes Rücksicht nähmen und ihre Rechtfertigung vorbereiteten, darüber aber seine Sicherheit verabsäumten. Als sie dann versprachen, so jählings werde der Mord vor sich gehen, wie wenn er mit dem Schwert erfolge, wurde neben dem Schlafgemach des Kaisers ein Gifttrank aus vorher erprobten Giften gekocht, der augenblicklich wirken mußte.
Es bestand die Sitte, daß die Fürstenkinder mit den übrigen gleichaltrigen Adligen sitzend aßen im Angesicht ihrer Verwandten an einem eigenen, sparsamer gedeckten Tisch. Da dort auch Britannicus speiste und ein ausgewählter von den Dienern seine Speisen und Getränke vorzukosten pflegte, ersann man, um nicht von dem Brauch abgehen zu müssen oder durch beider Tod das Verbrechen zu verraten, folgende List: Ein noch ungiftiger und sehr warmer, vorgekosteter Trank wurde Britannicus gereicht; dann, weil er ihn als zu heiß zurückwies, goß man in kaltem Wasser das Gift zu, das derart alle seine Glieder durchdrang, daß es ihm zugleich Stimme und Atem benahm.
Panische Angst ergriff die ringsum Sitzenden, sie liefen in ihrer Ahnungslosigkeit auseinander: doch diejenigen, denen tiefere Einsicht gegeben war, blieben wie angewurzelt sitzen, die Augen auf Nero gerichtet. Dieser behielt seine bequeme Lage bei und erklärte, als ob er von nichts wisse, etwas ganz Gewöhnliches sei dies, ein Anfall von Epilepsie, von der Britannicus seit frühster Jugend heimgesucht werde, und es würden allmählich Blick und Empfindung wiederkehren. [...]
[XIII 15, 3 – 16, 3]