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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der Beginn der Christenverfolgung Diocletians #2 (300 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 11.11.2022 um 12:55 Uhr (Zitieren)
Eusebius von Caesarea, Kirchengeschichte VIII 1, 7; 2, 4 f.:

Die Verfolgung durch die Tetrarchen begann im Jahre 303 u.Z. Sie ist nur von christlichen Quellen überliefert.

[...]
Da aber infolge zu großer Freiheit unser Sinn zu Stolz und Lässigkeit sich kehrte, indem der eine den andern beneidete und beschimpfte und wir uns, wenn es sich so traf, im Wortstreit beinahe wie mit Schwert und Speer bekämpften, Vorsteher mit Vorstehern zusammenstießen [ἀρχόντων τε ἄρχεσι προσρηγνύντων] und Laien gegen Laien sich erhoben, unaus-sprechliche Heuchelei und Verstellung den höchsten Grad ihrer Bosheit erreichten, da begann das göttliche Strafgericht in der ihm eigenen schonenden Weise – die Versammlungen durften noch zusammentreten – ruhig und gelinde seines Aufsichtsamtes zu walten. Die Verfolgung begann mit den Brüdern, die im Heere standen.
[...]

Es war das neunzehnte Jahr der Regierung des Diokletian, der Monat Dystros, bei den Römern Martius genannt, als beim Herannahen des Festes des erlösenden Leidens allenthalben ein kaiserlicher Erlaß veröffentlicht wurde, welcher befahl, die Kirchen bis auf den Grund niederzureißen und die Schriften zu verbrennen, und verfügte, daß Inhaber von Ehrenstellen ihre Würden, und Bedienstete, sofern sie im Bekenntnis des Christentums verharrten, die Freiheit verlieren sollten. So lautete das erste Edikt gegen uns. Bald darauf erschienen weitere Edikte, wonach alle Vorsteher allerorts zuerst in Fesseln gelegt und dann auf jede Weise zum Opfern gezwungen werden sollten.
[...]

(Eusebius von Caesarea: Kirchengeschichte. Herausgegeben von Heinrich Kraft. München 1967, S. 361-363)

Während Lactanz die Verfolgung auf den intriganten, bösen Galerius zurückführt, deutet Eusebius sie als Strafe Gottes für die Sünden der christlichen Gemeinde ... und erwähnt Galerius nicht einmal. Es folgen dann bei ihm spektakuläre Berichte über Martyrien.

Alexander Demandt gibt in seiner neuen Diokletian-Biographie als Forschungsstand wieder, daß die Zahl der Getöteten dieser Verfolgung im dreistelligen Bereich liege. Und er fügt hinzu: Diokletian habe von ca. zwanzig existierenden Religionen zwei verbieten lassen (die der Manichäer und die der Christen); der christliche Kaiser Theodosius habe dann von ca. zwanzig Religionen alle bis auf zwei verboten: die christliche und die jüdische.
Re: Der Beginn der Christenverfolgung Diocletians #2
Marcella schrieb am 15.11.2022 um 13:02 Uhr (Zitieren)
Hier wurde in aller Entschiedenheit die Machtfrage gestellt, intern und von außen.
Wie mag wohl der Blick Diokletians auf die Christen gewesen sein, dass er zu so einschneidenden Maßnahmen griff? Das Christentum muss er als sehr bedrohlichen Gegner empfunden haben. Konstantin hingegen wusste: Wenn du den Feind nicht vernichten kannst - umarme ihn.
Re: Der Beginn der Christenverfolgung Diocletians #2
Γραικύλος schrieb am 15.11.2022 um 23:18 Uhr (Zitieren)
Diocletian sah wohl in der christlichen Religion (interessanterweise nicht in der jüdischen) eine Gefährdung der Machtgrundlage des römischen Reiches: der Verpflichtung seiner Bürger auf den Dienst am Staat. Da durfte es für ihn keine höhere Instanz (Gott), keine Orientierung an einer Transzendenz (Leben im Jenseits) geben. Deswegen war auch, und zwar nicht erst seit Diocletian, das "Christianus sum" ein hinreichendes Schuldbekenntnis.

Übrigens betont Demandt in seiner Diocletian-Biographie, dieser habe eine Durchsetzung der Opfer-Pflicht "sine sanguine" befohlen. Wo es dennoch zu blutiger Verfolgung kam, sei das nicht in seiner Absicht gewesen. Und (das habe ich schon erwähnt) die Opferzahl habe im dreistelligen Bereich gelegen.
 
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