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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der Beginn der Christenverfolgung Diocletians #1 (269 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 11.11.2022 um 12:43 Uhr (Zitieren)
Lactanz, De mortibus persecutorum:

Die Verfolgung durch die Tetrarchen begann im Jahre 303 u.Z. Sie ist nur von christlichen Quellen überliefert.
[quote]Zur Ausführung der Angelegenheit suchte man nach einem passenden und glückverheißenden Tag und wählte gerade das Fest des Grenzgottes (Terminalia), das auf den 23. Februar fällt, damit so dieser Religion gleichsam die Grenze (Terminus) gesetzt würde.

ille dies primus leti primusque malorum
causa fuit.

Jener Tag war des Todes Beginn und war des Verderbens
erster Beginn (1),

das über die beiden Kaiser (2) und über den Erdkreis kam. Als dieser Tag angebrochen war (die beiden Greise bekleideten eben – Diokletian das achte und Maximian das siebente - Konsulat), da kam noch in der Dämmerung des Morgens der Befehlshaber mit Obersten und Hauptleuten und Schatzmeistern zur Kirche (3). Die Türen wurden aufgerissen und nach dem Bildnisse Gottes gesucht (4). Die aufgefundenen Schriften wurden verbrannt; es wird allgemeine Plünderung gestattet, alles raubt, läuft und stürzt durcheinander.

Die beiden Kaiser standen auf der Warte – die hochgelegene Kirche war nämlich vom Palaste aus zu sehen – und stritten lange miteinander, ob man nicht lieber Feuer anlegen sollte. Doch drang die Ansicht Diokletians durch, der befürchtete, es möchte ein großer Brand entstehen und ein Teil der Stadt in Flammen aufgehen; denn viele und große Gebäude umgaben ringsum den Platz. Es rückten also die Prätorianer in Reih und Glied mit Beilen und Brechwerkzeugen an, und von allen Seiten anstürmend machten sie das hochragende Heiligtum in wenigen Stunden dem Erdboden gleich.

Am darauffolgenden Tage wurde in Nikomedien ein Edikt angeschlagen, das die Bekenner der christlichen Religion aller Ehren und Würden für verlustig erklärte. Die Christen sollten der Folter unterworfen sein, welchem Range und Stande sie auch angehörten. (5) Wider sie sollte jede Klage angenommen werden; sie selbst sollten nicht wegen Unbill, nicht wegen Ehebruch, nicht wegen Beraubung Klage stellen können; sie sollten mit einem Worte der Freiheit und der Stimme beraubt sein.

Dieses Edikt riß einer, zwar nicht ordnungsgemäß, aber mit großem Mute herab und zerriß es, indem er spöttisch bemerkte, Siege über Goten und Sarmaten seien angeschlagen. Er wurde sogleich vorgeführt und bis zum Äußersten gefoltert. Dann ward er regelrecht geröstet, alles unter wunderbarer Geduld, und zuletzt zu Asche verbrannt.

Galerius (6) war mit den Bestimmungen des Ediktes nicht zufrieden; darum suchte er sich auf andere Weise an Diokletian heranzumachen. Um ihn nämlich zum Entschlusse der grausamsten Verfolgung zu bewegen, ließ er durch geheime Hand Feuer an den Palast legen. Ein Teil brannte nieder. Die Schuld legte man den Christen bei als Feinden der öffentlichen Wohlfahrt, und im wilden Aufflammen des Hasses brannte mit dem Palaste zugleich der Name der Christen. Diese hätten geheime Abmachungen mit den Kämmerern getroffen und an die Wegräumung der beiden Herrscher gedacht. Die beiden Kaiser wären in ihrem eigenen Palaste beinahe lebendig verbrannt worden.

Diokletian, der sonst immer für schlau und einsichtsvoll gelten wollte, konnte hier keinen Argwohn schöpfen. In der ersten Aufwallung des Zornes befahl er sofort, seine ganze Dienerschaft zu foltern. Er selbst saß zu Gericht und ließ die Unschuldigen mit Feuer martern. Ebenso quälten die sämtlichen Richter, kurz alle im Palaste, da auch die Verwaltungsbeamten eigene Ermächtigung erhalten hatten. Man wetteiferte, wer zuerst etwas herausbringen würde.

Nirgends konnte man etwas finden; denn das Hausgesinde des Galerius unterwarf niemand der Folterung. Dieser war selbst zur Stelle und drängte und ließ den Zorn des unbedachtsamen Greises nicht verlodern. Nach Verlauf von fünfzehn Tagen ließ Galerius abermals Feuer legen. Der Brand wurde rascher bemerkt, aber wieder trat kein Anstifter zutage. Jetzt rüstete er sich mitten im Winter zur Abreise und stürzte noch am nämlichen Tage aus dem Hause mit der Beteuerung, er fliehe, weil er nicht lebendig verbrannt werden wolle.

Die Wut Diokletians beschränkte sich nun nicht mehr auf das Hausgesinde, sondern richtete sich wider alle. Und zuerst von allen zwang er seine Tochter Valeria und seine Gemahlin Priska, sich mit dem heidnischen Opfer zu beflecken. [...]
(Des Luc. Cael. Firm. Lactantius Schriften. München 1919, S. 16-19)

(1) Vergil, Aeneis IV 169 f.
(2) Diocletian und Maximian als die beiden Augusti
(3) In Nikomedia, der Residenz des Diocletian, gab es eine christliche Kirche in der Nähe des Palastes.
(4) Dies gab es in heidnischen Tempeln, während in christlichen Kirchen damals noch kein Altarbild existierte.
(5) Römer höheren Standes waren an sich von der Folter ausgenommen.
(6) Unterkaiser (Caesar) des Diocletian
Re: Der Beginn der Christenverfolgung Diocletians #1
Γραικύλος schrieb am 11.11.2022 um 12:45 Uhr (Zitieren)
Zur Ausführung der Angelegenheit suchte man nach einem passenden und glückverheißenden Tag und wählte gerade das Fest des Grenzgottes (Terminalia), das auf den 23. Februar fällt, damit so dieser Religion gleichsam die Grenze (Terminus) gesetzt würde.

ille dies primus leti primusque malorum
causa fuit.

Jener Tag war des Todes Beginn und war des Verderbens
erster Beginn (1),

das über die beiden Kaiser (2) und über den Erdkreis kam. Als dieser Tag angebrochen war (die beiden Greise bekleideten eben – Diokletian das achte und Maximian das siebente - Konsulat), da kam noch in der Dämmerung des Morgens der Befehlshaber mit Obersten und Hauptleuten und Schatzmeistern zur Kirche (3). Die Türen wurden aufgerissen und nach dem Bildnisse Gottes gesucht (4). Die aufgefundenen Schriften wurden verbrannt; es wird allgemeine Plünderung gestattet, alles raubt, läuft und stürzt durcheinander.

Die beiden Kaiser standen auf der Warte – die hochgelegene Kirche war nämlich vom Palaste aus zu sehen – und stritten lange miteinander, ob man nicht lieber Feuer anlegen sollte. Doch drang die Ansicht Diokletians durch, der befürchtete, es möchte ein großer Brand entstehen und ein Teil der Stadt in Flammen aufgehen; denn viele und große Gebäude umgaben ringsum den Platz. Es rückten also die Prätorianer in Reih und Glied mit Beilen und Brechwerkzeugen an, und von allen Seiten anstürmend machten sie das hochragende Heiligtum in wenigen Stunden dem Erdboden gleich.

Am darauffolgenden Tage wurde in Nikomedien ein Edikt angeschlagen, das die Bekenner der christlichen Religion aller Ehren und Würden für verlustig erklärte. Die Christen sollten der Folter unterworfen sein, welchem Range und Stande sie auch angehörten. (5) Wider sie sollte jede Klage angenommen werden; sie selbst sollten nicht wegen Unbill, nicht wegen Ehebruch, nicht wegen Beraubung Klage stellen können; sie sollten mit einem Worte der Freiheit und der Stimme beraubt sein.

Dieses Edikt riß einer, zwar nicht ordnungsgemäß, aber mit großem Mute herab und zerriß es, indem er spöttisch bemerkte, Siege über Goten und Sarmaten seien angeschlagen. Er wurde sogleich vorgeführt und bis zum Äußersten gefoltert. Dann ward er regelrecht geröstet, alles unter wunderbarer Geduld, und zuletzt zu Asche verbrannt.

Galerius (6) war mit den Bestimmungen des Ediktes nicht zufrieden; darum suchte er sich auf andere Weise an Diokletian heranzumachen. Um ihn nämlich zum Entschlusse der grausamsten Verfolgung zu bewegen, ließ er durch geheime Hand Feuer an den Palast legen. Ein Teil brannte nieder. Die Schuld legte man den Christen bei als Feinden der öffentlichen Wohlfahrt, und im wilden Aufflammen des Hasses brannte mit dem Palaste zugleich der Name der Christen. Diese hätten geheime Abmachungen mit den Kämmerern getroffen und an die Wegräumung der beiden Herrscher gedacht. Die beiden Kaiser wären in ihrem eigenen Palaste beinahe lebendig verbrannt worden.

Diokletian, der sonst immer für schlau und einsichtsvoll gelten wollte, konnte hier keinen Argwohn schöpfen. In der ersten Aufwallung des Zornes befahl er sofort, seine ganze Dienerschaft zu foltern. Er selbst saß zu Gericht und ließ die Unschuldigen mit Feuer martern. Ebenso quälten die sämtlichen Richter, kurz alle im Palaste, da auch die Verwaltungsbeamten eigene Ermächtigung erhalten hatten. Man wetteiferte, wer zuerst etwas herausbringen würde.

Nirgends konnte man etwas finden; denn das Hausgesinde des Galerius unterwarf niemand der Folterung. Dieser war selbst zur Stelle und drängte und ließ den Zorn des unbedachtsamen Greises nicht verlodern. Nach Verlauf von fünfzehn Tagen ließ Galerius abermals Feuer legen. Der Brand wurde rascher bemerkt, aber wieder trat kein Anstifter zutage. Jetzt rüstete er sich mitten im Winter zur Abreise und stürzte noch am nämlichen Tage aus dem Hause mit der Beteuerung, er fliehe, weil er nicht lebendig verbrannt werden wolle.

Die Wut Diokletians beschränkte sich nun nicht mehr auf das Hausgesinde, sondern richtete sich wider alle. Und zuerst von allen zwang er seine Tochter Valeria und seine Gemahlin Priska, sich mit dem heidnischen Opfer zu beflecken. [...]

(Des Luc. Cael. Firm. Lactantius Schriften. München 1919, S. 16-19)
 
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