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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Tibull über das Goldene Zeitalter (377 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 09.11.2022 um 13:11 Uhr (Zitieren)
Tibull, Carmina I 35-50:
[...]
Ach, da Saturn noch herrschte, wie lebten sie glücklich, bevor die
Erde erschlossen ward, überall Straßen gebahnt!
Noch nicht hatte die Fichte der blauen Woge gespottet,
Hatte im Winde noch nicht schwellende Segel gebläht,
Noch kein schweifender Seemann, in fernen Landen Gewinne
Raffend, sein Schiff mit der Fracht fremdester Breiten gefüllt.
Damals beugte noch nicht der gewaltige Stier sich dem Joche,
Nicht mit gebändigtem Maul biß in den Zaum noch das Pferd.
Türen hatte kein Haus; noch nicht, befestigt im Acker,
Stand, um die Grenzen der Flur sicher zu wahren, der Stein.
Eichen spendeten selbst den Honig, und freiwillig brachten
Schafe die Euter voll Milch sorglosen Sterblichen dar.
Heere gab es noch nicht, nicht Streit noch Kriege, und Schwerter
Schuf kein grausamer Schmied noch mit gehässiger Kunst.
[non acies, non ira fuit, non bella, nec ensem
inmiti saevus duxerat arte faber.]
Jetzt, da Juppiter herrscht, gibt’s immer Gemetzel und Wunden,
Jetzt die Seefahrt, jetzt tausendfach drohenden Tod.
[nunc Iove sub domino caedes et vulnera semper,
nunc mare, nunc leti mille repente viae.]
[...]

(Tibull und sein Kreis. Hrsg. v. Wilhelm Willige. München 1966, S. 26-29)

Ich danke Marcella für ihren Hinweis. Sie hat auch darauf aufmerksam gemacht, daß für Tibull der Seehandel eine entscheidende Rolle für den Wechsel spielt.

Mein Staunen gilt dem Umstand, daß man dieses Goldene Zeitalter mit dem gar nicht so goldenen Kronos/Saturn verbunden hat.
Re: Tibull über das Goldene Zeitalter
Marcella schrieb am 10.11.2022 um 16:28 Uhr (Zitieren)
Eine ausführliche Variante des Mythos vom Goldenen Zeitalter, unseren völlig verkommenen Zeiten bis zum notwendigen nahen (Welt-)Untergang bietet Pseudo-Seneca in seiner "Octavia", V. 393 ff. Nunc adest mundo dies/ supremus ille" usw.

Die seit Hesiod u.a. aus Vergils 4. Ekloge bekannte Astraea/Dike kann angesichts der verwilderten Sitten und der blutbesudelten Hände nur noch fliehen :
"Neglecta terras fugit et mores feros/
hominum et cruenta caeda pullutas manus/
Astraea virgo."
Offenbar geißelt der Nero-Zeigenosse seine eigene Zeit mit so düsteren Worten.

https://de.wikipedia.org › wiki › Astraea_(Mythologie)
Re: Tibull über das Goldene Zeitalter
Γραικύλος schrieb am 11.11.2022 um 12:33 Uhr (Zitieren)
Das ist mal wieder ein schöner, bereichernder Hinweis, der auf die "Octavia" (wo ja die Astraea ebenfalls vorkommt).
Danke.
 
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