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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Ein Einfall des Malers Zeuxis (421 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 03.11.2022 um 23:12 Uhr (Zitieren)
Cicero, De inventione II 1, 1-3:
Die Bewohner von Kroton (1) wollten einst, als sie sich der Fülle jeglichen Wohlstandes erfreuten und in Italien zu den Glücklichsten gerechnet wurden, den Tempel der Juno, den sie in größter Gottesfurcht ehrten, mit hervorragenden Gemälden reich ausstatten. Deshalb verpflichteten sie Zeuxis aus Heraklea (2), der damals, wie man glaubte, die übrigen Maler bei weitem übertraf, um einen hohen Preis und holten ihn herbei.

Dieser malte mehrere andere Bilder, von denen wegen der religiösen Bedeutung des Heiligtums einige bis in unsere Zeit erhalten sind; und damit ein an sich stummes Bild die außerordentliche Schönheit der weiblichen Gestalt enthalte, sagte er, er wolle ein Abbild der Helena malen; dies hörten die Einwohner von Kroton gern, da sie oft gehört hatten, daß er im Malen des weiblichen Körpers die anderen weit übertreffe. Sie glaubten nämlich, wenn er in dem Genre, in dem er besonders viel konnte, mit großer Mühe gearbeitet habe, werde er ihnen in jenem Heiligtum ein hervorragendes Werk hinterlassen. Und in dieser Meinung täuschten sie sich auch nicht.

Denn Zeuxis fragte sie auf der Stelle, was für schöne Mädchen sie denn hätten. Jene aber führten den Mann sogleich in die Palaestra und zeigten ihm sehr viele stattliche Knaben. Zu einer bestimmten Zeit nämlich übertrafen die Einwohner von Kroton alle erheblich an Körperkraft und stattlichem Wuchs, und aus gymnastischen Wettkämpfen brachten sie mit größtem Ruhm die ehrenvollsten Siege nach Hause.

Als nun Zeuxis Gestalt und Körper der Knaben sehr bewunderte, sagte jene: „Deren Schwestern sind die Mädchen bei uns. Wie stattlich jene sind, kannst du demnach von diesen her vermuten.“ – „Gebt mir also bitte“, erwiderte er, „von diesen Mädchen die schönsten, solange ich an diesem Bild male, das ich euch versprochen habe, damit auf das stumme Abbild von dem lebenden Vorbild die Wahrheit übertragen wird [ut mutum in simulacrum ex animali exemplo veritas transferatur].“

Darauf führten die Einwohner von Kroton auf öffentlichen Beschluß hin die Mädchen an einem Ort zusammen und erteilten dem Maler die Vollmacht, die auszuwählen, welche er wolle. Jener aber wählte fünf; deren Namen überlieferten viele Dichter der Nachwelt, weil sie durch das Urteil des Mannes Beifall gefunden hätten, der das wahrste Urteil über die Schönheit haben mußte [qui pulchritudinis habere verissimum debuisset]. Er glaubte nämlich nicht, alles, was er an Liebreiz suche, an einem einzigen Körper finden zu können, des-wegen weil die Natur nicht etwas in allen Teilen Vollkommenes an einer einzelnen Person [simplici in genere] ausgebildet hat. Als ob sie für die übrigen nichts mehr hätte, was sie schenken könnte, wenn sie einer Person alles verliehen habe, schenkt sie der einen diesen, der anderen jenen Vorzug, wobei sie irgendeinen Nachteil hinzufügt.

(Cicero: Über die Auffindung des Stoffes. Hrsg. v. Theodor Nüßlein. Darmstadt 1998, S. 164-167)

(1) griechische Stadt in Süditalien
(2) Er wirkte etwa zwischen 435/25 und 390 v.u.Z.

1. Ich war überrascht, daß ihm die Schönheit der Mädchen anhand ihrer Brüder vorgeführt wird. Kann man das damit erklären, daß Griechen weibliche Wesen ungern vorführten?
2. Die Idee des Zeuxis entsteht ja aus dem ästhetischen Ideal der gegenständlichen Darstellung des Schönen. Ist das für die heutige Kunst noch relevant?
 
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