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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der Fall des Cremutius Cordus #2 (420 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 03.11.2022 um 12:28 Uhr (Zitieren)
2. Seneca der Jüngere: Trostschrift an Marcia

[...] Nicht ist unbekannt, wie du dich gegenüber deinem Vater verhalten, den du nicht weniger als deine Kinder geliebt hast, ausgenommen den Wunsch, er möge [dich] nicht überleben; vielleicht hast du es auch gewünscht: es gestattet sich nämlich manches gegen die gute Sitte die innige Kindesliebe. Den Tod des Aulus Cremutius Cordus, deines Vaters, hast du, soweit du konntest, zu hindern gesucht.

Nachdem dir deutlich geworden war, daß inmitten der Kreaturen des Seianus einzig jener Fluchtweg vor der Knechtschaft offenstehe, hast du zwar sein Absicht nicht gutgeheißen, aber deine Hände sinken lassen, besiegt, und du hast Tränen vergossen; in der Öffentlichkeit hast du auch deine Seufzer hinuntergeschluckt wenigstens, nicht dennoch mit heiterer Miene verdeckt; und das in einer Zeit, wo es große Kindesliebe war, nicht gegen diese Liebe zu verstoßen.

Nachdem aber eine Gelegenheit der Wandel der Zeiten gegeben hatte, hast du die Begabung deines Vaters - an ihr war vollzogen worden die Hinrichtung – wieder in den Verkehr mit den Menschen zurückgeführt und von dem wahren Tod ihn befreit [a uera illum uindicasti morte], und du hast wieder eingesetzt in ihren Rang als Geschichtswerk unserer Nationalliteratur [in publica monumenta] die Bücher, die jener überaus tapfere Mann mit seinem Blut geschrieben hatte. Hervorragend hast du dich um die römische Literatur verdient gemacht: ein großer Teil der Bücher war in Flammen aufgegangen; hervorragend um die Nachfahren, zu denen kommen wird unverfälscht verläßliche Kunde über die geschichtlichen Ereignisse, Kunde, die man ihrem Verfasser zum Verdienst an-rechnet; hervorragend um ihn selbst, dessen Andenken lebt und leben wird, solange man Wert darauf legt, römische Geschichte kennenzulernen, solange es jemanden gibt, der sich zurückwenden will zu den Taten der Vorfahren, solange es einen gibt, der wissen will, was ist ein römischer Mann, was, nachdem bereits die Nacken aller gebeugt und unter das Joch des Seianus gezwungen waren, ein Unbezwungener, was ein Mensch, in Denken, Wollen, Handeln frei.

[I 2 f.]

Marcia hatte Exemplare der Werke ihres Vaters versteckt aufbewahrt, nachdem diese unter Seian/Tiberius verboten worden waren.
Seltsamerweise war es Caligula, der den Bann über diese Schriften im Geiste des Republikanismus aufgehoben hat. Caligulas Motiv ist mir nicht bekannt.
 
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