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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Plagiate fallen auf (302 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 27.10.2022 um 22:39 Uhr (Zitieren)
Vitruvius, De architectura VII, Vorwort 4-7:
Als die Könige aus dem Attalidengeschlecht, durch die großen Reize der Gelehrsamkeit bewogen, zu Pergamon eine hervorragende Bibliothek zum allgemeinen Genuss angelegt hatten, so fasste auch Ptolemäos, von unbegrenztem Eifer und gleicher Begierde getrieben, den Entschluss, eine solche auch zu Alexandria mit nicht geringerem Aufwand in derselben Art zu errichten. Als er sie aber aufs Beste vollendet, hielt er dies nicht für genug, wenn er nicht auch zur Fortsetzung und Vermehrung den Samen zu legen sich bestrebte.
Er stiftete daher den Musen und dem Apollo feierliche Spiele und setzte nach Art der Athletenspiele Preise und Ehrenauszeichnungen für die Sieger unter den Konkurrenzschriftstellern [communium scriptorum] ein.

Als diese festgestellt waren und die Zeit der Spiele heranrückte, sollten literarische Schiedsrichter [iudices literati] erwählt werden, welche diese zuzuerkennen hätten. Da nun der König aus der Bürgerschaft zwar bereits sechs Männer ausgewählt hatte, aber nicht so schnell einen siebenten passenden finden konnte, so wendete er sich an die Vorstände der Bibliothek und fragte sie, ob sie jemanden dazu Geeigneten kennten, worauf sie ihm erwiderten, es sei ein gewisser Aristophanes da, welcher mit ebenso großem Eifer als ausdauerndem Fleiß Tag für Tag damit beschäftigt sei, alle Bücher der Reihe nach durchzulesen. Als daher bei der Wettkampfversammlung den Schiedsrichtern abgesonderte Plätze zugeteilt worden waren, wurde mit den übrigen auch Aristophanes berufen und nahm auf dem ihm angewiesenen Sitz Platz.

Der Wettkampf der Dichter eröffnete den Reigen, und als sie ihre Gedichte vorlasen, machte das ganze Volk die Schiedsrichter durch Zeichen auf diejenigen aufmerksam, welchen sie die Preise zuerkennen sollten. Und so stimmten auch bei Abgabe des Gutachtens durch die Einzelnen sechs Richter darin überein, dass sie demjenigen, bei dessen Gedicht sie die meisten Wohlgefallensäußerungen des Volkes bemerkt hatten, den ersten, dem in dieser Beziehung Zunächststehenden den zweiten Preis zuerkannten. Aristophanes aber, zum Schiedsrichterspruch aufgefordert, gab sein Gutachten dahin ab, dass derjenige als der Erste ausgerufen werden sollte, welcher dem Volke am wenigsten gefallen habe.

Als aber der König, wie die ganze Versammlung, sich darüber höchst ungehalten zeigte, erhob er sich und bat ums Wort. Nachdem daher Stillschweigen geboten und entstanden war, zeigte er, dass der von ihm Bezeichnete unter den Bewerbern allein ein Dichter sei, während die übrigen fremde Werke vorgetragen hätten, dass es aber sich darum handle, nicht Plagiate [furta], sondern Originalwerke mit dem Preis zu krönen. Das Volk staunte über diese Behauptung, der König aber bezweifelte sie; da ließ Aristophanes aus gewissen Bücherschränken massenhafte, aus dem Gedächtnis bezeichnete Bücher hervorholen und zwang die Bewerber, indem er den Inhalt dieser Bücher mit den vorgelesenen Gedichten verglich, sich des Plagiats schuldig zu bekennen. Der König befahl daher, ihnen als Dieben den Prozess zu machen und entließ die Überführten mit Schimpf und Schande [Itaque rex iussit cum his agi furti, condemnatosque cum ignominia dimisit]; den Aristophanes aber überhäufte er mit den höchsten Gnaden und ernannte ihn zum Vorstand der Bibliothek.

(Vitruv: Zehn Bücher über Architektur. Hrsg. v. Franz Reber. Wiesbaden ³2015, S. 320-323)
Re: Plagiate fallen auf
Γραικύλος schrieb am 27.10.2022 um 23:11 Uhr (Zitieren)
Dieser Aristophanes von Byzanz hat selbstverständlich nichts mit dem Komödiendichter gemein ... außer den Namen.
 
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