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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Erschaffung von Männern und Frauen (335 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 27.10.2022 um 22:25 Uhr (Zitieren)
Platon, Timaios 90e - 91d:
[...] Und für jetzt scheint nun die zu Anfang uns gestellte Aufgabe, das All bis zur Entstehung des Menschen zu behandeln, beinahe gelöst zu sein; denn wie die übrigen Tiere entstanden, das haben wir nur ganz kurz anzugeben, soweit nicht irgend etwas eine breitere Behandlung notwendig macht. Denn auf diese Weise besser das rechte Maß in seinen Ausführungen über sie zu halten, möchte man wohl meinen.

Folgendermaßen also sei diese Frage behandelt: Unter den als Männern Geborenen verwandelten sich alle, die Feiglinge waren und ihr Leben ungerecht zubrachten, der Wahrscheinlichkeit nach bei ihrer zweiten Geburt in Frauen [Τῶν γενομένων ἀνδρῶν ὅσοι δειλοὶ καὶ τὸν βίον ἀδίκως διῆλθον, κατὰ λόγον τὸν εἰκότα γυναῖκες μετεφύοντο ἐν τῇ δευτέρᾳ γενέσει]. Und um jene Zeit nun entwickelten die Götter deshalb den Trieb zur Vereinigung, indem sie ein beseeltes Lebewesen in uns, das andere in den Frauen gestalteten.

Auf folgende Weise erschufen sie ein jedes von beiden: Sie öffneten den Durchgang der Getränke, über den der Trank durch die Lunge unter den Nieren hin in die Blase kommt, die ihn in sich aufnimmt und ihn, wenn er von der Luft unter Druck gesetzt worden ist, mit dieser wieder entsendet, legten eine Verbindungsleitung zu dem fest zusammenhängenden Mark, welches aus dem Kopfe entlang dem Nacken und durch das Rückgrat läuft, welches wir in den vorigen Ausführungen Samen nannten. Dieses Mark aber verlieh, weil es beseelt war und als einen Auslaß das fand, wo es ausströmte, diesem die lebensspendende Begierde des Ausströmens und schuf so den Zeugungstrieb.

Darum ist auch bei den Männern die Natur der Geschlechtsteile ungehorsam und selbstherrlich geworden wie ein der Vernunft nicht gehorchendes Tier und versucht, durch ihre wütenden Begierden alles zu beherrschen. Aus eben denselben Gründen aber wird andererseits bei den Frauen das, was man Gebärmutter und Uterus nennt und was ein auf Kindererzeugung begieriges Lebewesen in ihnen ist, wenn es entgegen seiner Reife lange Zeit ohne Frucht bleibt, unwillig und nimmt es übel, irrt allenthalben im Körper umher, versperrt die Durchgänge der Atemluft, läßt das Atmen nicht zu, bringt die Frauen in äußerste Ratlosigkeit und führt zu mannigfachen Krankheiten, solange bis die Begierde und der Trieb der beiden Geschlechter sie zusammenbringen, gleichsam von den Bäumen die Frucht pflücken, in die Gebärmutter wie in Ackerland auf Grund ihrer Winzigkeit unsichtbare und ungestaltete Lebewesen aussäen und sie wieder gliedern, im Innern großziehen und hiernach ans Licht bringen und so die Erzeugung der Lebewesen vollenden.

So sind also die Frauen und alles Weibliche entstanden.

Manchmal faßt man sich auch bei der Platon-Lektüre an den Kopf.
Re: Die Erschaffung von Männern und Frauen
Marcella schrieb am 28.10.2022 um 19:34 Uhr (Zitieren)
Das unerfüllte Uterus-Monstrum "irrt allenhalben im Körper umher..." Ah ja!
Ungezügelte, kranke Ängste und Phantasien über Frauen und deren Uterus brachte ja schon Deine Serie über den antiken Aberglauben über Frauen , vgl 26.7.22.
Re: Die Erschaffung von Männern und Frauen
Γραικύλος schrieb am 30.10.2022 um 20:03 Uhr (Zitieren)
Es ist mit das Peinlichste, was ich von einem Philosophen über dieses Thema kenne. Und Philosophen haben viel Quatsch darüber geschrieben.
 
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