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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Sardanapal, der letzte König der Assyrer (308 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 26.10.2022 um 23:09 Uhr (Zitieren)
Diodorus Siculus II 23:

Sardanapal gilt als der letzte Herrscher Assyriens, dessen Reich von den Persern erobert wurde; historisch handelt es sich wohl um den Assyrer Šamaš-šuma-ukin, der als König von Babylonien gegen seine assyrischen Verwandten kämpfte und 648 v.u.Z. von diesen besiegt wurde. Auch der Assyrerkönig Assurbanipal kommt in Betracht.
Sardanapal aber, der dreißigste nach Ninos, dem Gründer der Herrschaft, und letzte der assyrischen Könige, übertraf an Genußsucht und Schwelgerei alle seine Vorgänger. Denn abgesehen davon, daß auch er von niemand sich sehen ließ, der nicht zum Palast gehörte, lebte er selbst wie ein Weib und brachte sein Leben unter Kebsweibern zu. Er trug Frauenkleider, und sein Gesicht wie der ganze Körper war mit Schminke und den anderen Mitteln, wie sie Freudenmädchen verwenden, so zugerichtet, daß er an Weichlichkeit noch die wollüstigsten Weiber übertraf.

Auch eine Frauenstimme hatte er sich angewöhnt. Bei Mahlzeiten aber genoß er von Speisen und Getränken stets nur die, die besondere Reize auf den Gaumen ausübten, und seine Geilheit in erotischen Dingen war auf Weiber wie Männer in gleicher Weise gerichtet. Ohne Scheu hatte er mit beiden Geschlechtern Umgang, wobei er sich freilich der Schändlichkeit seines Treibens keineswegs bewußt war.

Ja, in seiner Schwelgerei, schändlicher Haltlosigkeit und Wollust ging er so weit, daß er sogar selbst ein Gedicht verfaßte und an seine Nachfolger den Auftrag hinterließ, man möge es nach seinem Tode auf dem Grabstein einmeißeln. Dieses Gedicht war in Barbarensprache von ihm niedergeschrieben und lautet, von einem Griechen später übersetzt, folgendermaßen:

εὖ εἰδὼς ὅτι θνητὸς ἔφυς, σὸν θυμὸν ἄεξε
τερπόμενος θαλίῃσι. θανόντι σοι οὔτις ὄνησις.
καὶ γὰρ ἐγὼ σποδός εἰμι, Νίνου μεγάλης βασιλεύσας.
ταῦτ‘ ἔχω ὅσσ‘ ἔφαγον καὶ ἐφύβρισα καὶ μετ‘ ἔρωτος
τέρπν‘ ἔπαθον, τὰ δὲ πολλὰ καὶ ὄλβια κεῖνα λέλειπται.

Sterblich bist Du, das weißt Du, drum suche Dich
Stets zu erheitern,
Freue Dich am Gelag‘, den Toten fehlt jedes Vergnügen.
Sieh, auch ich bin jetzt Asche, einst
König im herrlichen Ninos,
Und nur das, was ich aß, meine Späße
Und was mir die Liebe
Viel an Vergnügen bot, das bleibt allein
als ein Segen.

(Diodoros: Griechische Weltgeschichte. Buch I-X, 1. Teil. Hrsg. v. Gerhard Wirth und Thomas Nothe. Stuttgart 1992, S. 159 f.)

Re: Sardanapal, der letzte König der Assyrer
Marcella schrieb am 27.10.2022 um 12:59 Uhr (Zitieren)
Das ist alles ziemlich aufregend, aber eher Gossip. Diese Figur des Sardanapal hat wenig mit den Königen Assurbanipals bzw. Schamasch-schuma-ukin zu tun. Vielmehr fließen wohl in sehr vager Erinnerung an die genannten königlichen Brüder die beliebten griechischen Vorstellungen über den orientalischen Despoten und seine Manieren in dieser Kunstgestalt des Sardanapal zusammen. Sehr anders Xenophon in seiner Kyrupädie.
Re: Sardanapal, der letzte König der Assyrer
Γραικύλος schrieb am 27.10.2022 um 15:58 Uhr (Zitieren)
Die einleitenden Bemerkungen habe ich dem Neuen Pauly entnommen; ansonsten stimme ich Dir natürlich zu, daß es sich hier um eine phantastische Geschichte handelt, die mancherlei Klischees bedient.
 
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