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Alexander gründet Alexandria (382 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 24.10.2022 um 14:13 Uhr (
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Plutarch, Alexander 26:
[...] Wenn aber auch das, was die Alexandriner unter Berufung auf Herakleides (1) erzählen, wahr ist, so ist ihm Homer offenbar kein unnützer Teilnehmer an dem Feldzug, der nichts beisteuerte, gewesen. (2) Denn, so berichten sie, er wollte nach der Eroberung von Ägypten eine große und volkreiche griechische Stadt gründen und nach seinem Namen benennen, und er hatte schon nach dem Plan der Baumeister einen gewissen Platz beinahe abgemessen und einhegen lassen. (3)
Da hatte er nachts im Schlaf eine wunderbare Erscheinung. Er träumte, ein grauhaariger Mann von sehr würdigem Aussehen trete zu ihm und spreche die folgenden Verse:
νῆσος ἔπειτά τις ἔστι πολυκλύστῳ ἐνὶ πόντῳ
Αἰγύπτου προπάροιθε, Φάρον δέ ἑ κικλήσκουσι ...
Dann liegt eine Insel im wogenstürmenden Meere
Vor des Aigyptos Strome, die Menschen nennen sie Pharos ... (4)
Sowie er nun aufgestanden war, begab er sich nach Pharos, das damals eine der Kanobischen Nilmündung nahe vorgelagerte Insel war, jetzt aber durch einen Damm mit dem Festland in Verbindung gesetzt ist. Als er da ein außerordentlich günstiges Gelände sah – es ist ein bandförmiger Landstrich, der als ein Isthmus von entsprechender Breite einen weiten See und das in einem großen Hafen endigende Meer voneinander trennt -, sagte er, Homer sei außer seinen anderen bewundernswerten Vorzügen auch der beste Baumeister, und befahl, den Grundriß der Stadt in Anpassung an den Raum zu entwerfen.
Weiße Kreide war nicht zur Hand; sie nahmen daher Mehl und zogen auf der schwarzerdigen Ebene einen Kreisbogen, dessen innere Fläche gerade Linien, wie bei einem Kriegsmantel gleichsam von den Säumen ausgehend, in gleich große Quartiere abteilten.
Der König freute sich über die Anlage. Da stießen plötzlich vom Fluß und von dem See her Vögel, unermeßlich an Zahl und ganz verschieden nach Art und Größe, Wolken gleichend auf das Land nieder und ließen von dem Mehl auch nicht das mindeste übrig, so daß Alexander angesichts dieses Vorzeichens höchst bestürzt war. Aber da die Seher ihm sagten, er solle vielmehr guten Mutes sein, denn da werde eine Stadt von ihm gegründet, die sehr vielen Raum geben und Ernährerin von vielerlei Menschen sein werde, so befahl er den Aufsehern, die Arbeit weiter zu betreiben, und machte sich selbst auf den Weg zum Orakel des Ammon [...].
(Plutarch, Große Griechen und Römer. Herausgegeben von Konrat Ziegler. München 1980; Band 5, S. 39 f.)
(1) Herakleides Pontikos, Grammatiker des 1. Jhdt. u.Z.
(2) Alexander führte auf seinem Feldzug die „Ilias“ mit sich.
(3) Gründung Alexandrias im Winter 332/331
v.u.Z.
(4) Odyssee IV 354 f.