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Kleopatra verspeist 10 Millionen Sesterzen (409 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 21.10.2022 um 15:52 Uhr (
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Plinius d. Ä., nat. hist. IX 58:
[...] Es gab zwei Perlen, die größten, die man je gefunden; beide besaß die letzte Königin Aegypten’s, Kleopatra, aus den Händen von Königen des Morgenlandes.
Da nun Antonius sich dort tagtäglich mit auserlesenen Speisen mästete, spöttelte sie einst in stolzem und frechem Uebermuthe als königliche Buhlerin über seinen ganzen Aufwand und Hofhalt. Als er in Folge dessen fragte, wodurch sich diese Pracht denn noch erhöhen lasse, antwortete die Königin, sie wolle in einer Mahlzeit 10 Millionen Sesterzen verzehren [una se cena centiens HS absumpturam]. Das wünschte Antonius zu sehen, glaubte aber nicht, daß es möglich sei. Nachdem man demnach eine Wette eingegangen hatte, sollte am folgenden Tage die Entscheidung erfolgen.
Da setzte Kleopatra, um den Tag nicht verloren gehen zu lassen, eine sehr reiche, aber für Antonius gewöhnliche Mahlzeit auf, wobei er spöttisch nach der Rechnung fragte. Darauf entgegnete sie, dies sei nur eine Zugabe; die Mahlzeit werde ihren vollen Preis erreichen, denn sie allein werde für zehn Millionen verspeisen[,] und ließ den Nachtisch hereinbringen.
Ihrem Befehle gemäß setzten die Diener nur ein Gefäß Essig vor sie hin, dessen Schärfe und Kraft die Perlen erweicht und auflöst. Nun trug sie in ihrem Ohrgehänge eben jenes ausgezeichnete und in seiner Art einzige Naturerzeugniß; und während Antonius wartete, was sie thun werde, nahm sie die eine heraus, warf sie hinein und verschluckte sie, sobald sie aufgelöst war. Als sie sich aber anschickte, die zweite eben so zu speisen, legte Lucius Plancus, der Entscheider der Wette, die Hand darauf und erklärte Antonius für besiegt, eine Vorbedeutung, die eintraf [victumque Antonium pronuntiavit omine rato].
Ueber die andere, ihr gleiche, geht die Sage, sie sei nach der Gefangennehmung der in diesem so wichtigen Streite siegreichen Königin zerschnitten worden, um beide Ohren der Venus im Pantheon zu Rom mit der Hälfte der Mahlzeit auszuschmücken.
(Cajus Plinius Secundus: Naturgeschichte. Übersetzt von Christian Friedrich Lebrecht Strack, überarbeitet und herausgegeben von Max Ernst Dietrich Lebrecht Strack. 3 Bände, Bremen 1853; Nachdruck Darmstadt 1968; Band I, S. 416)