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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Eine römische Hexe #7 (442 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 25.08.2022 um 11:40 Uhr (Zitieren)
Lucan, Bellum civile VI 507-830:
Trauervoll und unter Tränenströmen sprach der Leichnam: „Welches Leid die Parzen spinnen, sah ich selber nicht, da man mich von der Böschung des Totenstroms zurückrief. Wie ich jedoch von allen Schatten erfahren konnte, hält wahnwitzige Zwietracht die toten Römer wach und hat der brudermörderische Waffengang den Frieden der Unterwelt gesprengt: Latiums Führer haben die elysischen Gefilde und den düsteren Tartarus in zwei einander feindlichen Kolonnen verlassen – was das Verhängnis bereithält, machten diese Männer deutlich. Traurig waren die Gesichter seliger Geister: ich sah die Decier weinen, Sohn und Vater, die ihr Leben zur Heeressühne opferten, sah Camillus und einen Curius weinen, Sulla über Fortuna Klage führen; Scipio jammert, daß sein unglück-seliger Nachfahr in libyschen Landen untergehen soll;
Cato, ein noch grimmigerer Feind Karthagos, betrauert das Ende seines Enkelsohns (4), der sich nicht knechten lassen will; einzig Brutus, den ersten Konsul nach Vertreibung der Tyrannen, sah ich unter frommen Geistern froh.

Jedoch mit losgerissenen und gesprengten Ketten frohlockt der bedrohliche Catilina, dazu ein ungeschlachter Marius und bloßen Arms Cethegus; ich sah, wie sich die Lieblinge des Pöbels freuten, beide Drusus und die Gracchen, jene maßlos im Einbringen von Gesetzen, diese vermessen in ungeheuren Plänen; Hände, denen der Höllenfürst in seinem Kerker für ewig Eisenketten angelegt hat, klatschten Beifall, und Verbrecherhorden erheben auf die Gefilde frommer Seelen Anspruch.

Der Herr des stillen Reichs erweitert die Behausungen der bleichen Scharen und läßt jähe Felsen ebenso wie harten Kettenstahl aufrauhen, um dem Sieger seine Strafe zu bereiten. Nimm dies als Trost mit, junger Mann: die Toten erwarten deinen Vater und sein Haus in friedlicher Geborgenheit, halten an heiterer Stelle ihres Landes für Pompejus‘ Sippe Platz bereit. Der Glanz einer kurzen Lebensspanne darf dich nicht erregen: kommen wird die Stunde, die alle Führer gleichmacht – eilt zum Sterben, steigt in hochgemutem Stolz von wenngleich kargen Scheiterhaufen zur Unterwelt hinab und setzt den Fuß auf tote Römergötter [et Romanorum manes calcate deorum]!

Welches Grab der Nil, welches der Tiber an seinen Ufern sieht, nur das ist noch die Frage, und die Rivalen kämpfen einzig um ihre Begräbnisstätte [et ducibus tantum de funere pugna est]. Nach deinem eigenen Schicksal forsche nicht [tu fatum ne quaere tuum]: ich schweige, doch werden es die Parzen zu erkennen geben – als kundigerer Prophet wird dir dein Vater Pompejus selbst in Siziliens Gefilden (5) alles künden, auch er im ungewissen, zu welchem Ziel er dich ermuntern, vor welchem warnen, welche Zonen unter welchen Himmelssternen zu meiden er dir raten soll. Unselige, nehmt euch vor Europa, Libyen und Asien (6) in acht: Fortuna verteilt eure Gräber auf die Stätten der euch zugehörigen Triumphe – beklagenswertes Haus, auf dem ganzen Erdkreis wirst du keine Stelle finden, die sicherer wäre als Pharsalus!“

Nachdem er so die Schicksalsschlüsse geschildert hatte, stand er mit stummer Gebärde traurig da und verlangte, wiederum zu sterben. Aber Zauberformeln und Kräuter sind nötig, damit ein Leichnam falle, kann doch der Tod sich keine Seele nochmals holen, wenn er sein Recht einmal verbraucht hat.

Da baute die Hexe aus vielen Scheiten einen Holzstoß auf, und der Tote kam zur Verbrennung heran. Als er auf dem Haufen gebettet und dieser angezündet war, verließ Erichtho den Soldaten und litt es endlich, daß er starb; danach ging sie an Sextus‘ Seite zum Lager seines Vaters, und als er Himmel sich schon mit Morgenrot beziehen wollte, hielt die Nacht auf ihr Geheiß solange, bis die Männer unbehelligt den Fuß in den Bereich ihrer Zelte setzten, den Tag zurück und schenkte dichte Finsternis.

(Lucan: Der Bürgerkrieg. Hrsg. v. Wilhelm Ehlers. München ²1978, S. 272-291)

(4) Cato Uticensis
(5) Sizilien bildete das Machtzentrum des S. Pompeius im Bürgerkrieg.
(6) die Aufteilung der Machtgebiete in zweiten Triumvirat
 
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