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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Rhampsinitos und die Diebe #1 (426 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 14.08.2022 um 13:06 Uhr (Zitieren)
Ein Märchen wie aus 1001 Nacht erzählt Herodot II 121:
Nach Proteus wurde Rhampsinitos (1) König, wie man berichtet. Er hinterließ die westliche Vorhalle vor dem Hephaistostempel zu seinem Andenken. Gegenüber dieser Halle errichtete er zwei Standbilder, 25 Ellen hoch. Das nach Norden weisende nennen die Ägypter den Sommer, das nach Süden gerichtete den Winter. Den Sommer verehren sie und erweisen ihm Gutes, mit dem Winter tun sie das Gegenteil.

Dieser König war sehr reich an Geld, und keiner der folgenden besaß mehr als er oder kam ihm darin auch nur nahe. In der Absicht, seine Schätze an einem sicheren Ort zu verwahren, baute er eine steinerne Kammer, deren eine Wand an die Außenseite des Königspalastes stieß.
Aber der Baumeister täuschte ihn arglistig durch folgende Maßnahme: Er fügte die Steine so, daß ein oder zwei Männer einen bestimmten Stein leicht aus der Wand herausnehmen konnten.

Als der Raum dann fertig war, häufte der König seine Schätze darin auf. Nach einiger Zeit aber rief der Baumeister am Ende seines Lebens seine Söhne zu sich; er hatte deren zwei. Er erzählte ihnen, wie er für sie gesorgt habe, daß sie ein sorgloses Leben hätten, indem er beim Bau des königlichen Schatzhauses eine List anwandte. Er erklärte ihnen genau, wie man den Stein herausnehmen könne; dann gab er ihnen dessen Abstände an; wenn sie dies wohl behielten, würden sie die Schatzmeister des Königs sein.
Darauf starb er. Die Söhne machten sich ohne Zögern ans Werk; eines Nachts brachen sie zum Königspalast auf, fanden den Stein in der Kammer, hoben ihn mit Leichtigkeit aus und nahmen eine Menge Schätze.

Als nun der König einmal die Kammer öffnete, wunderte er sich, daß in den Gefäßen Gold fehlte. Er konnte aber niemanden beschuldigen, da die Siegel unversehrt [waren] und das Gebäude verschlossen war. Als er die Kammer aber zwei- und dreimal öffnete und die Schätze offenbar immer weniger wurden – die Diebe hatten mit ihren Einbrüchen nicht aufgehört -, tat er folgendes: Er ließ Fallen anfertigen und sie um die Gefäße herum anbringen, in denen die Schätze lagen.

Als nun die Diebe wie in der Zeit vorher kamen und einer von ihnen in die Kammer hinabstieg, fing er sich sofort in einer Schlinge, als er sich dem Behälter näherte. Er erkannte seine böse Lage, rief sofort seinen Bruder, schilderte ihm seinen Fall und forderte ihn auf, schnellstens hereinzuschlüpfen und ihm den Kopf abzuschneiden, damit man ihn nicht erkenne und er dann auch den anderen ums Leben bringe.
Diese Worte schienen dem Bruder wohlüberlegt, und er ließ sich überreden, die Tat auszuführen. Nachdem er den Stein wieder an seinen Ort gerückt hatte, ging er mit dem Kopf des Bruders heim.

(1) Der sagenhafte ägyptische König Rhampsinitos soll der Nachfolger des Proteus und Vorläufer des Cheops gewesen sein.
 
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