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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der König, die Götter und die Verehrung #10 (439 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 06.08.2022 um 12:56 Uhr (Zitieren)
Q. Curtius Rufus, HISTORIAE ALEXANDRI MAGNI MACEDONIS (Geschichte Alexanders des Großen) VIII 5, 9 – 8, 18:
Darum üben sie mit euch zusammen den Kriegsdienst aus und vergießen ihr Blut für eure Herrschaft – sie, die bei hochmütiger Behandlung Widerstand geleistet hätten. Ein Besitz, den man mit dem Schwert gewonnen hat, ist nicht von Dauer, der Dank für Wohltaten aber hat Bestand [Non est diuturna possessio, in quam gladio inducimur; beneficiorum gratia sempiterna est].

Wollen wir Asien besitzen, nicht bloß durchziehen, so müssen wir seinen Völkern Anteil an unserer Milde gewähren; dann wird ihre Treue unsere Herrschaft dauerhaft und ewig machen. Und in der Tat besitzen wir schon mehr, als wir zu fassen vermögen; aber es ist ein Zeichen von unersättlicher Habsucht, das noch mehr anfüllen zu wollen, was schon überfließt.

Aber freilich, ich übertrage deren Sitten auf die Makedonen! Denn ich sehe bei so vielen Völkern Dinge, die wir ohne Erröten nachahmen dürfen. Nur so lässt sich ein so ungeheures Reich angemessen regieren, wenn wir ihnen manches übergeben, manches wieder von ihnen lernen [nec aliter tantum imperium apte regi potest, quam ut quaedam et tradamus illis et ab isdem discamus].

Das aber ist nahezu lächerlich, dass Hermolaos von mir verlangte, ich solle mich von Zeus abwenden, dessen Orakel mich als seinen Wohn anerkannt hat.

Oder steht es etwa in meiner Macht, was die Götter antworten? Er hat mir den Sohnesnamen angetragen; ihn anzunehmen war für diese Unternehmungen, die wir durchführen, nicht unpassend. Wenn mich doch auch die Inder für einen Gott hielten! Denn die Kriege hängen vom Rufe der Kämpfer ab, und oft hat sich sogar das, was man fälschlicherweise glaubte, an die Stelle der Wahrheit gesetzt.

Oder glaubt ihr etwa, ich hätte eure Waffen mit Gold und Silber verziert, weil ich der Prunksucht erliege? Nein, denen, die gewohnt sind, nichts für billiger zu halten als solche Dinge, wollte ich zeigen, dass die Makedonen, die in allem Übrigen unbesiegbar sind, auch nicht durch Gold besiegt werden.

Die Blicke derjenigen werde ich zuerst fesseln, die erwarten, alles sei bei uns ärmlich und dürftig, und sie belehren, dass wir nicht aus Begierde nach Gold und Silber kommen, sondern um den Erdkreis zu unterwerfen. Und diesen Ruhm, du Hochverräter, wolltest du mir stehlen und die Makedonen, nachdem du sie ihres Königs beraubt hast, den schon völlig besiegten Völkern ausliefern!

Jetzt aber mahnst du mich, eure Eltern zu schonen! Zwar hättet ihr nicht wissen müssen, was ich über sie beschlossen habe, damit ihr umso betrübter sterbt, wenn ihr euch noch in irgendeiner Hinsicht Gedanken und Sorgen über eure Eltern macht. Doch schon längst habe ich jene Sitte, mit den Verbrechern auch die unschuldigen Verwandten und Eltern zu töten, aufgehoben und versichere, dass sie alle dieselbe Ehrenstelle behalten sollen, die sie besessen haben.
Warum du freilich den Kallisthenes, dem allein du als Mann erscheinst, weil du ein Mordgeselle bist, vorgeführt haben willst, weiß ich wohl – damit in Gegenwart dieser Versammlung die Schimpfreden, die du bei ihm bald gegen mich ausgestoßen, bald gehört hast, auch aus seinem Mund wiederholt werden. Wäre er nun ein Makedone, so hätte ich ihn, den Lehrer, der einen solchen Schüler wie dich überaus verdient hat, mit dir hereinführen lassen; nun aber hat er als Olynthier nicht denselben Rechtsanspruch.“

Hierauf entließ er die Versammlung und befahl, die Verurteilten an die Leute auszuliefern, die aus derselben Kohorte waren. Um dem König ihre Treue durch Grausamkeit zu bezeugen, töteten sie diese nach vielen Martern.

Auch Kallisthenes starb, nachdem er gefoltert worden war, zwar ohne Schuld an der Verschwörung gegen das Leben des Königs, doch weil er wegen seiner Wesensart für den Hof und die Schmeichler keineswegs geeignet war.

Darum hat keine andere Hinrichtung größeren Hass bei den Griechen gegen Alexander hervorgerufen, da er einen Mann, der sich durch seinen Charakter und seine Fähigkeiten so auszeichnete und ihn noch dazu wieder ins Leben zurückgerufen hatte, als er nach der Ermordung des Kleitos darauf beharrte zu sterben, ohne Verhör nicht nur hatte töten, sondern auch hatte foltern lassen.

Doch folgte dieser Grausamkeit allzu späte Reue.

[Curtius Rufus: Geschichte Alexanders des Großen. Hrsg. v. Christoph Fröhlich et al. 2 Bde. Darmstadt 2007; Bd. 2, S. 120-141]
 
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