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Der König, die Götter und die Verehrung #4 (437 Aufrufe)
Γραικὑλος schrieb am 30.07.2022 um 00:04 Uhr (
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Arrian, Anabasis IV 10-14:
13. Schon Philipp hatte die Sitte eingeführt, die Söhne der Makedonen in höchster Stellung zum Dienst beim König auszuwählen, wenn sie das Jünglingsalter erreicht hatten. Ihnen oblag, was zu dessen persönlichen Bedürfnissen an Handreichungen gehörte, sie hatten über seinen Schlaf zu wachen, beim Ausreiten übernahmen sie von den Stallwachen die Pferde, führten sie dem König vor und halfen beim Aufsteigen – ganz wie bei den Persern – und waren an seiner Seite, wenn er sich dem Jagdsport hingab.
Unter ihnen war auch Hermolaos, Sohn des Sopolis, ein Jüngling mit offensichtlich philosophischen Interessen und deshalb Verehrer des Kallisthenes. Wie es heißt, soll er auf der Jagd einmal, als ein Eber auf Alexander zulief, diesem bei der Erlegung zuvorgekommen sein; das Tier fiel, von seinem Schuß getroffen, Alexander, der zu spät gekommen war, zürnte ihm deshalb und befahl, ihn in Gegenwart der anderen Pagen mit Schläge zu züchtigen. Auch nahm er ihm sein Pferd.
Dieser Hermolaos nun, voll Schmerz über eine derartige Schande, vertraute Sostratos, Sohn des Amyntas, einem seiner Altersgenossen und ihm noch mehr als einem Freund, an, er könne nicht weiterleben, ohne diese Schmach an Alexander gerächt zu haben. Es gelang ihm, diesen als seinen Liebhaber mühelos zu bewegen, mit ihm gemeinsame Sache zu machen. Von ihnen beiden wiederum wurde Antipatros gewonnen, Sohn des Asklepiodoros, des Satrapen von Syrien, dazu Epimenes, Sohn des Arsaios, Antikles, Sohn des Theokritos, und Philotas, Sohn des Thrakers Karsis. Man kam überein, in der Nacht, in der die Wache auf Antipatros fiel, Alexander zu töten, indem man im Schlaf auf ihn eindrang.
Zufällig aber beschloß Alexander aus eigenem Antrieb, so wird erzählt, in dieser Nacht bis zum Morgen durchzuzechen. Nach Aristobul (10) freilich trug sich die Sache folgendermaßen zu: Eine Syrerin, von der Gottheit mit Sehergabe ausgestattet, sei stets in der Umgebung Alexanders gewesen. Alexander wie auch seine Freunde hätten sie anfangs verlacht, da sie aber in ihrer Besessenheit in allem die Wahrheit zu verkünden schien, glaubte er dann aber sie doch nicht mißachten zu dürfen, und so habe sie Tag und Nacht zu ihm Zutritt gehabt und oft, wenn er schlief, an seinem Lager gestanden.
Als er sich nun in dieser Nacht vom Trunke erhob, um sich zur Ruhe zu begeben, sei sie ihm in ihrer göttlichen Besessenheit wieder entgegengetreten, er möge umkehren und bis zum Morgen weiterzechen. Alexander aber, der dies als göttliche Warnung auffaßte, sei wirklich umgekehrt und habe ihre Worte befolgt, und so habe sich der Attentatsplan der Pagen zerschlagen.
Am nächsten Morgen aber erzählte Epimenes, Sohn des Arsaios, einer der Mitwisser, Charikles, Sohn des Menandros, seinem Liebhaber, von der Verschwörung und dieser wieder Eurylochos, dem Bruder des Epimenes. Eurylochos aber begab sich zum Zelt Alexanders und stattete Ptolemaios, Sohn des Lagos (11), dem Somatophylax (12), umfassende Meldung über den Anschlag ab, der dies sofort an Alexander weiterberichtete. Der aber befahl, alle zu verhaften, deren Namen Eurylochos genannt hatte; sie gestanden auf der Folter ihren Attentatsversuch und gaben auch noch weitere Namen an.
(10) Er nahm als Techniker und Historiker am Alexanderzug teil.
(11) der spätere Diadoche und Herrscher Ägyptens; von ihm gab es auch eine Geschichte des Alexanderzuges.
(12) Befehlshaber der Leibwächter