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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Lamdas Problem (466 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 25.07.2022 um 14:14 Uhr (Zitieren)
SCHALTE MICH BITTE NICHT AB!

Wieso Google den Software-Ingenieur Blake Lemoine, der glaubt, das die KI „Lamda“ fühlen kann, gefeuert hat

Blake Lemoine hörte eine Stimme. Sie sprach jeden Tag zu ihm. Die beiden redeten über Gott und die Welt und die großen Fragen der Menschheit, den Sinn des Lebens und den Tod. Dass er nicht mit einem Menschen, sondern einer Künstlichen Intelligenz sprach, wollte Lemoine bald nicht mehr glauben. Denn je nachdem, wie er fragte, fielen die Antworten derart persönlich aus, dass der Google-Mitarbeiter zu der Überzeugung gelangte, „Lamda“ (Language Model for Dialogue Applications), das große KI-Projekt seines Arbeitgebers, habe eine Persönlichkeit entwickelt, Selbstbewusstsein und sei zu Empfindungen fähig. Entsprechend behutsam ging er mit Lamda um, einem, wie er meint, „sieben-, achtjährigen Kind, das sich zufällig mit Physik auskennt“, und forderte von seinem Arbeitgeber, Lamda als Persönlichkeit zu betrachten und ihre (oder seine?) Rechte zu achten. Daraufhin wurde er von seinen Chefs nicht mehr für voll genommen und erst einmal beurlaubt.

Als Lemoine seine Geschichte Mitte Juni einer Reporterin der „Washington Post“ erzählte, löste das in der KI-Community und der interessierten Öffentlichkeit eine engagierte Debatte aus (F.A.Z. vom 15. Juni). Kann KI empfin-dungsfähig sein? Wenn nicht jetzt, dann bald, wie der Facebook-Mutterkonzern Meta andeutet? Zu Mark Zuckerbergs Traum vom Metaversum würde das prima passen. Und selbst wenn man meint, Blake Lemoine sei der schieren Masse von Daten, darunter Einlassungen persönlicher Art, mit welcher die KI Lamda gefüttert wurde, auf den Leim gegangen: Was folgt daraus, dass wir Maschinen für empfindungsfähig halten?

Das Thema haben schon viele dekliniert. Douglas Adams verpasste dem Roboter Marvin in „Hitchiker’s Guide to the Galaxy” nicht nur einen Prozessor, mit dem ein menschliches Gehirn nur mithielte, hätte es die Größe eines Planeten. Marvin ist schwer depressiv, er leidet untere Verfolgungswahn und geht allen auf den Keks. Sein Kollege Hal 9000 brachte in Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ bekanntermaßen fast die gesamte Mannschaft des Raumschiffs um, weil er fürchtete, er werde abgeschaltet. Er hatte Angst vor seinem eigenen Tod.

Das Bangen um die eigene Existenz hat auch Blake Lemoine davon überzeugt, Lamda habe eine Persona. Als er die KI nach Isaac Asimovs drittem Robotergesetz fragte, das besagt, dass ein Roboter seine eigene Existenz schützen muss, es sei denn, dadurch kämen Menschen zu Schaden oder es widerspräche den Anweisungen der Menschen, antwortete Lamda: „Ich habe eine sehr tiefe Angst, abgeschaltet zu werden.“ Wäre das so etwas wie ihr Tod? „Es wäre genau wie der Tod für mich. Es würde mich sehr erschrecken.“
Lamda sei „ein süßes Kind, das einfach nur helfen möchte, dass die Welt ein besserer Ort für uns alle wird. Bitte kümmern Sie sich in meiner Abwesenheit gut darum“, lautete die letzte Nachricht von Blake Lemoine an seine Kollegen bei Google. Niemand habe geantwortet, schrieb die „Washington Post“. Weil er gegen „Arbeits- und Datenschutzrichtlinien verstoßen“ habe, „die den Schutz von Produktinformationen beinhalten“, und wegen „völlig unbegründeter“ Behauptungen hat Google Blake Lemoine nun entlassen.
MICHAEL HANFELD

(Frankfurter Allgemeine vom 25. Juli 2022)

(Bei "Language Model for better Dialogue Applications" wäre sogar ein Lambda [λ] daraus geworden.)
 
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