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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Alexander und die Gymnosophisten #1 (462 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 21.07.2022 um 00:17 Uhr (Zitieren)
Von dieser Begegnung Alexanders mit indischen Brahmanen war hier schon einmal die Rede:
https://www.albertmartin.de/altgriechisch/forum/?view=302#861

Nun Plutarch, Alexander 64 f.:
Von den Gymnosophisten fing er zehn, die den Sabbas (1) besonders zum Abfall verleitet und den Makedonen den schwersten Schaden zugefügt hatten, Männer, die in dem Rufe standen, hervorragend befähigt zu sein, kurzgefaßte Antworten zu geben. Ihnen legte er schwere Fragen vor mit der Ankündigung, er werde denjenigen, der keine richtige Antwort gebe, zuerst und nach ihm der Reihe nach die anderen töten lassen; einen, den Ältesten, beauftragte er zu urteilen.

Der erste gab auf die Frage, ob er meine, daß die Lebenden zahlreicher seien als die Toten, die Antwort, die Lebenden; denn die Toten seien ja nicht.

Der zweite, gefragt, ob die Erde oder das Meer größere Tiere hervorbringe, sagte, die Erde; denn das Meer sei ein Teil von ihr.

Der dritte, welches Tier das schlaueste sei, erwiderte: „Dasjenige, welches der Mensch bis jetzt nicht kennengelernt hat.“

Der vierte, von dem man wissen wollte, aus welchem Grunde er den Sabbas zum Abfall bewogen habe, antwortete, weil er den Wunsch gehabt habe, daß er entweder rühmlich lebe oder rühmlich stürbe.

Der fünfte, befragt, ob er glaube, daß der Tag eher entstanden sei als die Nacht, entgegnete: „Der Tag um einen Tag.“ Und als der König sein Befremden äußerte, setzte er hinzu, auf verfängliche Fragen müßten notwendig auch die Antworten verfänglich sein.

Alexander ging weiter und fragte den sechsten, wie man die größte Beliebtheit erlangen könne. Antwort: „Wenn man der Stärkste, aber nicht furchtbar ist.“

Von den übrigen dreien sagte der erste auf die Frage, wie man aus einem Menschen ein Gott werden könne: wenn man etwas leiste, was einem Menschen zu leisten nicht möglich sei; der zweite über Leben und Tod, welches von beiden das Stärkere sei: das Leben, da es so viele Leiden ertrage. Der letzte wurde gefragt, wie lange es für den Menschen einen Sinn habe zu leben, und antwortete: solange er es nicht für besser halte, tot zu sein, als zu leben.

Hierauf wandte sich der König an den Richter und befahl ihm, sein Urteil abzugeben, und als der erklärte, es habe immer eine schlechter geantwortet als der andere, sagte er: „Also wirst du zuerst sterben, da du ein solches Urteil abgibst.“ „O nein, mein König“, erwiderte er; „wenn du nicht lügst, da du gesagt hast, du würdest den zuerst töten, der die schlechteste Antwort gebe.“

(1) Sabbas war einer der Könige der brahmanischen Anachoreten, der sich Alexander anfänglich unterwarf und dann abfiel.

Mir gefällt vor allem die dritte Antwort - kluges Tier!

Am Schluß hat der Älteste Alexander in einer Paradoxie gefangen.
 
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