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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Eine ungewöhnliche Bestrafung von Ehebruch (381 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 02.07.2022 um 15:20 Uhr (Zitieren)
Apuleius, Der goldene Esel IX 27, 3-28:
[...] Aber der Müller nimmt sich den Ehrverlust nicht sonderlich zu Herzen, sondern wie der Knabe leichenblaß zittert, streichelt er ihn mit heiterer Stirn und freundlichem Gesicht und fängt an: „Du brauchst von mir nicht Schlimmes für dich zu fürchten, Kleiner [Nihil triste de me tibi, fili, metuas]. Ich bin kein Barbar, bin von ländlich-rauhen Sitten frei, will dich auch nicht wie der grimmige Walker mit giftigem Schwefeldampf ermorden. Ich will dich nicht einmal nach strengem Recht auf Grund des Paragraphen über Ehebruch vor Gericht zitieren, so ein netter und adrettes Kerlchen, sondern will einfach mit meiner Frau bei dir halbpart machen.

Statt im Sinne einer Gütertrennung will ich mich nach dem Verfahren gemeinsamer Nutzung auseinandersetzen [nec herciscundae familiae, sed communi dividundo formula dimicabo], und wir wollen es uns also ohne allen Zank und Streit zu dritt in einem Bett bequem machen. Ich habe nämlich ohnehin stets mit meiner Frau so harmonisch gelebt, daß wir, wie es die Gelehrten vorschreiben, beide denselben Geschmack hatten. Aber es ist auch nicht einmal recht und billig, daß die Frau mehr zu bestimmen hat als der Mann [sed nec aequitas ipsa patitur habere plus auctoritatis uxorem quam maritum].“

Mit solchen Artigkeiten verhöhnte er den Buben und führte ihn dann zum Bett; der wollte nicht, ging aber doch hinterdrein. Jetzt sperrte er das Muster einer keuschen Frau anderswohin aus, legte sich selbst allein zu dem Knaben und genoß die schönste Entschädigung für seine verdorbene Ehe.

Sobald aber die leuchtende Sonnenscheibe den jungen Tag gebracht hatte, rief er die zwei kräftigsten von seinen Leuten herbei, ließ den Burschen möglichst hoch aufheben und verprügelte ihm den Hintern mit einer Rute, indem er rief: „Was? Du, so ein Süßer und Hübscher und richtiger Fant [Tu autem, inquit, tam mollis ac tener et adomdum puer], prellst deine Liebhaber um deine knusprigsten Jahre, machst dich an die Weiber heran, dazu noch an freie, störst gesetzmäßig geschlossene Ehen und möchtest so früh schon den Ehebrecher spielen?“

Mit diesen Worten und einigen mehr schimpft er ihn und verprügelt ihn obendrein zur Genüge mit tüchtigen Hieben, um ihn dann zur Tür hinauszuwerfen. So kam der Herzenbrecher unverhofft davon, hatte man ihm auch in der Nacht und bei Tage den blanken Hintern gesprengt; kleinlaut machte er sich aus dem Staube. Gleichzeitig schickte der Müller seiner Frau den Scheidebrief und jagte sie holterdiepolter aus seinem Haus [nec setius pistor ille nuntium remisit uxori eamque protinus de sua proturbavit domo].

(Apuleius: Der goldene Esel. Herausgegeben von Edward Brandt und Wilhelm Ehlers. München ³1980, S. 374-377)
 
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