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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Gefahren einer lockeren Zunge (386 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 29.06.2022 um 17:46 Uhr (Zitieren)
Plutarch, Über Kindererziehung (Moralia 10F-11C):
[...] Ich weiß von unendlich vielen Menschen vom Hörensagen, daß sie wegen ihrer vorschnellen unbeherrschten Zunge in das größte Unglück geraten sind. Des Beispiels halber will ich, auf alles Übrige verzichtend, nur einen oder zwei Fälle herausgreifen. Als Philadelphos (1) seine Schwester Arsinoë heiratete, äußerte Sotades (2) zu ihm:

εἰς οὐχ ὁσίην τρυμαλίην τὸ κέντρον ὠθεῖς.

Unheilig das Loch, in das du alsbald den Stachel stößest.

Dafür faulte er lange Jahre im Gefängnis dahin und büßte für sein sehr zur Unzeit gesprochenes boshaftes Wort, und dies mit vollem Recht. Weil er den übrigen Gelegenheit zu einer Lache geben wollte, mußte er selber lange Zeit hindurch weinen. (3)

Hiermit ist verwandt und hält dem durchaus die Waage eine Äußerung des Sophisten Theokrit (4); er büßte sie ebenso, ja noch viel schrecklicher. Als nämlich Alexander an die Griechen die Weisung hatte ergehen lassen, Purpurkleider anzufertigen, damit er bei seiner Heimkehr das Siegesfest nach dem Perserkriege unter Opfern feierlich begehen könnte, und als die Völker dafür eine Kopfsteuer erlegten, erklärte Theokrit:

Πρότερον μέν, ἔφησεν, ἠμφισβήτουν, νῦν δ‘ ᾔ σθημαι σαφῶς, ὅτι ὁ προσφύρεος Ὁμήρου θάνατος οὗτος ἐστιν.

Früher war ich im Zweifel, weiß es jetzt aber ganz genau, daß dieses der purpurne Tod ist, von dem Homer spricht. (5)

Durch diese Worte machte er sich bei Alexander gründlich verhaßt.

Antigonos, der König der Makedonen (6), hatte nur ein Auge. Theokrit trieb mit diesem Körperfehler seinen Spott und zog sich dafür den grimmigen Zorn des Königs zu. Antigonos nämlich sandte seinen Küchenmeister, den mächtigen Eutropion, an Theokrit und ließ diesem die Weisung überbringen, er solle vor ihm erscheinen, um Rechenschaft abzulegen und zu empfangen. Jener suchte den Sophisten wiederholt mit diesem Auftrag auf. Da entgegnete ihm Theokrit:

Εὖ οἶδ‘, ἔφησεν, ὄτι ὠμόν με θέλεις τῷ Κύκλωπι παραθεῖναι.

Ich weiß es sehr wohl, daß du mich dem Kyklopen roh vorsetzen willst.

- damit auf die Blindheit des Königs im Spott ebenso sehr anspielend wie darauf, daß der andere ein Koch war. Der gab ihm zur Antwort: „Bei Gott, du wirst deinen Kopf nicht behalten, sondern für deine zügellose Schwatzhaftigkeit und dein wahnwitziges Benehmen büßen“, und er meldete dem König, was der Sophist gesagt. Der König forderte ihn vor und ließ ihn umbringen.

(Plutarch: Kinderzucht. Hrsg. v. Fritz Zahn. München ²1947, S. 52-55)

(1) Ptolemaios II. Philadelphos (284-246 v.u.Z.)
(2) Sotades von Maroneika auf Kreta
(3) Vgl. Athenaios 621A
(4) Theokrit von Chios, genannt der Sophist (4./3. Jhdt. v.u.Z.)
(5) Ilias V 82 f.
(6) Antigonos I. Monophthalmos (306–301 v.u.Z.)
 
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