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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Homo est et qui est futurus (479 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 29.06.2022 um 16:23 Uhr (Zitieren)
Tertullian, Apologeticum IX 6-8:
Aber da es beim Kindermord keinen Unterschied macht, ob man ihn aus religiöser Verpflichtung oder aus eigenem Entschluß vollzieht – wenn auch zwischen dem Mord an einem verwandten und dem an einem fremden Kind ein Unterschied besteht -, kann ich mich an die Allgemeinheit wenden.

Wie viele, wollt ihr, soll ich von den hier um uns Versammelten und nach dem Blut der Christen Lechzenden, ja von euch selbst, den so gerechten und gegen uns so gestrengen Statthaltern, vor ihrem Gewissen anklagen, weil sie Kinder, die ihnen geboren worden sind, umbringen? Wenn die Art und Weise des Mordes eine andere ist, so ist es gewiß grausamer, daß ihr die Kinder im Wasser ihr Leben aushauchen laßt oder sie aussetzt und der Kälte, dem Hunger, den Hunden preisgebt; denn durch das Messer zu sterben, würden sogar ältere Leute vorziehen.

Wir hingegen dürfen, nachdem uns ein für allemal das Töten eines Menschen verboten ist, selbst den Embryo im Mutterleibe, solange noch das Blut sich für den neuen Menschen absondert [dum adhuc sanguis in hominem deliberatur], nicht zerstören. Ein vorweggenommener Mord [homicidii festinatio] ist es, wenn man eine Geburt verhindert; es fällt nicht ins Gewicht, ob man einem Menschen nach der Geburt das Leben raubt oder es bereits während der Geburt vernichtet [nec refert, natam quis eripiat animam an nascentem disturbet]. Ein Mensch ist auch schon, was erst ein Mensch werden soll – wie auch jede Frucht schon in ihrem Samen enthalten ist [homo est et qui est futurus; etiam fructus omnis iam in semine est].

(Tertullian: Apologeticum – Verteidigung des Christentums. Hrsg. v. Carl Becker. München 1952, S. 88-91)
Re: Homo est et qui est futurus
Marcella schrieb am 29.06.2022 um 17:54 Uhr (Zitieren)
Nicht leicht für mich zu verstehen. Was ist das Framing einer solchen Rede, die sich offenbar nicht nur gegen Abtreibung richtet. Was hat der Durst auf Christen(kinder?)blut mit dem Abtreibungsverbot zu tun? Das mit den Statthaltern habe ich auch noch nicht begriffen. Vielleicht fehlt der Kontext. - Wenn aber Tertullian das Umbringen von Menschen überhaupt konsequent ablehnt, müsste er auch den Militärdienst verweigern. Tut er das?

Übrigens noch einmal großen Dank für die tägliche Präsentation hochinteressanter Texte durch Γραικύλος. Was für eine großartige, umfassende Bibliothek von Texten für uns.
Re: Homo est et qui est futurus
Γραικύλος schrieb am 29.06.2022 um 22:57 Uhr (Zitieren)
An Marcella:

Der Kontext:
Tertullian verteidigt das Christentum gegen die Vorwürfe, die ihm gemacht werden und die zu seiner Verfolgung führen. Das meint er mit dem Durst nach Christenblut.
Tertullian dreht nun den Spieß um und wirft den Verfolgern (den Statthaltern) vor, daß sie sich an ihrem eigenen Blut, ihren Kindern, versündigen, indem sie sie, wenn unerwünscht, aussetzen usw. kurz: töten.
Dem hält er die sehr viel strengere Moral der Christen entgegen: Nicht nur töten sie ihre geborenen Kinder nicht, sie lehnen sogar die Abtreibung ab.

Wird es so verständlich?
Re: Homo est et qui est futurus
Marcella schrieb am 30.06.2022 um 09:08 Uhr (Zitieren)
So ist es mir klar! Danke
 
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