α β γ δ ε ζ η θ ι κ λ μ ν ξ ο π ρ ς σ τ υ φ χ ψ ω Α Β Γ Δ Ε Ζ Η Θ Ι Κ Λ Μ Ν Ξ Ο Π Ρ C Σ Τ Υ Φ Χ Ψ Ω Ἷ Schließen Bewegen ?
Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Gegen die Ehe #1 (411 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 25.06.2022 um 00:06 Uhr (Zitieren)
Theophrast, Gegen die Ehe (überliefert bei Hieronymus: Adversus Iovinianum I 47):
Es gibt ein goldenes Büchlein des Theophrast über die Ehe, in dem er untersucht, ob der Weise eine Frau nehmen soll. Dabei stellt er zwar zunächst fest: Wenn die Frau schön, gut geartet und von ehrbaren Eltern und er selbst gesund und reich wäre, so könnte zuweilen der Weise eine Ehe eingehen. Dann aber bemerkt er gleich: Dies alles fügt sich selten in einer Ehe vollständig zusammen – folglich soll der Weise nicht heiraten.


Mit einer Frau ist kein Auskommen

Vor allem nämlich würden die philosophischen Studien behindert; niemand könne den Büchern und der Frau gleichermaßen dienen. Es sei ja vieles für die Bedürfnisse der Ehefrauen erforderlich: kostbare Kleider, Goldschmuck, Edelsteine, täglicher Aufwand, Mägde, allerlei Geräte, Sänften, goldglänzende Wagen. Dazu hat man ganze Nächte lang die geschwätzigen Klagen: „Die kann sich besser gekleidet in der Öffentlichkeit zeigen!“ – „Die wird von allen hoch angesehen; ich werde im Kreis der Frauen als ärmlich verachtet!“ – „Warum hast du die Nachbarin angeschaut?“ – „Was hast du mit der jungen Magd gesprochen?“ – „Was hast du mir vom Markt mitgebracht?“

Keinen Freund können wir haben, keinen Gefährten: Sie argwöhnt, du könntest deine Liebe anderem zuwenden und ihr den Rücken kehren. Wenn der gescheiteste Lehrer in irgendeiner Stadt weilt, so können wir weder die Frau verlassen noch auch mit dieser Bürde hingehen.

Eine arme Frau zu ernähren ist schwierig, eine reiche zu ertragen eine Qual. Ferner gibt es bei der Frau kein Auswählen, sondern so, wie man sie bekommt, muß man sie behalten. Wenn sie jähzornig ist, einfältig, mißgestaltet, hochmütig, übelriechend, oder welchen Fehler sie sonst hat – erst nach der Hochzeit merken wir es. Ein Pferd, ein Esel, ein Rind, ein Hund und der geringste Sklave, auch Kleider und Gefäße, ein hölzerner Schemel, ein Becher, ein kleiner Tonkrug – das alles wird zuvor begutachtet und dann gekauft; nur die Frau wird nicht vorgezeigt, damit sie nicht schon mißfällt, bevor man sie geheiratet hat.

Immer muß man ihr Gesicht beachten und ihre Schönheit rühmen, damit sie, wenn man eine andere anschaut, nicht meint, daß sie einem nicht gefalle. Man muß sie ‚Herrin‘ nennen, ihren Geburtstag feiern, beim Eid auf ihr Wohl schwören und wünschen, daß sie einen überlebe. Gebührend beachten muß man ihre Amme und das Kindermädchen, den aus dem Vaterhaus mitgebrachten Sklaven, den Pflegesohn, den schönen Begleiter, den Verwalter mit den gebrannten Locken und den zu langem und sicherem Genuß kastrierten Eunuchen – lauter Namen, unter denen sich Ehebrecher verbergen. Wen immer sie gern hat, den muß man wider Willen freundlich behandeln.

Überläßt man ihr das ganze Haus zur Leitung, muß man selber dienen; behält man sich etwas vor zur eigenen Entscheidung, glaubt sie gleich, man habe kein Vertrauen zu ihr, und geht zu Haß und Zank über; und wenn du dich nicht schnell besinnst, dann bereitet sie dir auch noch Gift.

Alte Weiber, Goldschmiede, Wahrsager, Händler mit Edelsteinen und Seidenkleidern – wenn du diese Leute hereinläßt, ist es eine Gefahr für die Sittsamkeit, wenn du sie fernhältst, gilt es als ungerechter Argwohn. Doch was nützt überhaupt eine noch so sorgfältige Aufsicht, da eine schamlose Frau nicht bewacht werden kann, eine schamhafte nicht bewacht werden muß? Ein unzuverlässiger Wächter der Keuschheit ist nämlich der Zwang; und wirklich sittsam ist erst die Frau zu nennen, die sich vergehen könnte, wenn sie nur wollte.

Eine schöne Frau findet rasch Liebhaber, eine häßliche neigt leicht zur Begehrlichkeit. Schwierig ist zu bewachen, was viele lieben; beschwerlich ist zu besitzen, was niemand zu haben für wert hält. Doch macht es immer noch weniger Kummer, eine mißgestaltete Frau bei sich zu haben, als eine schöne hüten zu müssen. Nichts ist sicher, worauf sich die Wünsche und Seufzer aller Leute richten. Der eine reizt sie durch seine Schönheit, der andere durch seinen Geist, der dritte durch seinen Witz und noch einer durch seine Großzügigkeit; auf irgendeine Weise wird am Ende erobert, was von allen Seiten bestürmt wird.

(Lust an der Geschichte: Leben im antiken Griechenland. Ein Lesebuch. Hrsg. v. Rolf Rilinger. München 1990, S. 193-196)
 
Antwort
Titel:
Name:
E-Mail:
Eintrag:
Spamschutz - klicken Sie auf folgendes Bild: Colosseum (Rom)

Aktivieren Sie JavaScript, falls Sie kein Bild auswählen können.