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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Über die Ehe (386 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 24.06.2022 um 15:43 Uhr (Zitieren)
Antiphon, Über den Gemeinsinn (Περὶ ὁμονοίας):

Mutmaßlich ist der Sophist Antiphon, der Verfasser dieser Schrift, mit dem Rhetor Antiphon identisch.
[...] Wohlan denn, das Leben rücke weiter vor und begehre nach Ehe und Weib! Dieser Tag, diese Nacht ist Anfang eines neuen Gotteswillens [αὔτη ἡ νὺξ καινοῦ δαίμονος ἄρχει], eines neuen Geschicks. Denn ein gewagtes Spiel ist die Ehe für den Menschen [μέγας γὰρ ἀγὼν γάμος ἀνθρώπωι]. Denn wenn es sich fügt, daß die Frau sich als nicht geeignet erweist, was soll man dann in dieser unglücklichen Lage anfangen?

Schwierig die Scheidung: die Verwandten sich zu Feinden machen, gleich gesinnte, gleich gestimmte Menschen, die man der Verwandtschaft für würdig gehalten hatte und von denen man für würdig gehalten war; schwierig aber auch der Besitz eines solchen Gutes, von dem man Freuden zu erwerben glaubte und nun Schmerzen ‚heimführt‘.

Wohlan denn, wir wollen nicht vom Widerwärtigen sprechen; besprochen werde das Allergünstigste. Was gibt es denn Angenehmeres für den Menschen als ein Weib nach seinem Her-zen [τί γὰρ ἥδιον ἀνθρώπωι γυναικὸς καταθυμίας]? Was Süßeres zumal für einen jungen Mann? Aber gerade darin, wo das Angenehme wohnt, ist irgendwo in der Nähe auch das Schmerzliche [ἐν τῶι αὐτῶι δέ γε τούτωι, ἔνθα τὸ ἡδύ, ἔνεστι πλησίον που καὶ τὸ λυπηρόν]; denn die Annehmlichkeiten kommen nicht für sich allein, sondern es folgen ihnen Schmerzen und Mühen.

Auch die Siege in Olympia und Delphi und andere derartige Wettkämpfe, auch Kenntnisse jeder Art und Annehmlichkeiten jeder Art pflegen ja aus großen schmerzvollen Dingen zu entstehen. Ehren, Kampfpreise, Genüsse, die die Gottheit den Menschen gibt, führen ja zum notwendigen Aufwand großer Mühen und vielen Schweißes.

Ich jedenfalls würde, wenn mir noch ein anderer Leib zuteil würde gerade so <sorgebedürftig> wie ich mir selbst bin, gar nicht zu leben vermögen: wo ich mir selbst schon so viele mühevolle Arbeit mache um die Gesundheit des Leibes, um den Erwerb des täglichen Lebensunterhaltes, um Ruf, Ehrbarkeit, den guten Namen und daß man Gutes von mir spricht. Wie nun, wenn mir noch ein anderer Leib zuteil würde, der mir so sorgebedürftig wäre?

Ist es denn nicht klar, daß eine Frau dem Manne, wenn sie nach seinem Herzen ist, nicht geringere Freuden und Schmerzen gewährt als er sich selbst – nun um die Gesundheit zweier Leiber, um den Erwerb ihres Lebensunterhalts, um ihre Ehrbarkeit und ihren guten Namen? –

Doch weiter noch, Kinder sollen geboren werden: voller Sorgen ist nun alles, es verschwindet die jugendliche Sprungkraft aus dem Geist und das Antlitz ist nicht mehr dasselbe.

(Fragment B 49 Diels-Kranz)
 
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