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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Nichtchristliche Wunderberichte der Antike #14 (418 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 08.05.2022 um 14:54 Uhr (Zitieren)
31.
Aristeas

Die Suda siedelt Aristeas von der Insel Prokonnesos in der Zeit des Kroisos an, also im 6. Jhdt. v.u.Z. Die auch dort erwähnte Fähig-keit, seinen Körper zu verlassen, deutet auf Einflüsse des Schamanismus hin.

Nun berichtet aber Aristeas aus Prokonnesos, der Sohn des Kaystrobios, in seinem Epos (1), er sei, von göttlicher Begeisterung [φοιβόλαμπτος] getrieben, zu den Issedonen gekommen. Jenseits der Issedonen wohnten die Arimasper, Menschen mit nur einem Auge, noch weiter nördlich die Gold hütenden Greifen, jenseits von ihnen die Hyperboreer, die bis zum Nordmeer reichen.
Diese alle nun, mit Ausnahme der Hyperboreer, griffen ständig ihre Nachbarn an. Die Arimasper hätten damit angefangen. Sie hätten die Issedonen aus ihrem Land verdrängt, die Issedonen wiederum die Skythen. Von den Skythen gedrängt, hätten die Kimmerier am südlichen Meer ihr Land verlassen müssen. So stimmt der Bericht des Aristeas über jenes Land nicht mit den Sagen der Skythen überein.
Woher der Dichter Aristeas stammte, habe ich bereits gesagt. Was ich über ihn in Prokonnesos und Kyzikos hörte, will ich erzählen. Aristeas, so berichtete man, war seiner Herkunft nach nicht geringer als einer seiner Mitbürger. Er kam nach Prokonnesos in eine Walkerei und starb in der Werkstatt. Der Walker schloß den Arbeitsplatz und ging weg, um die Angehörigen des Toten zu benachrichtigen.
Als sich das Gerücht vom Tode des Aristeas schon in der ganzen Stadt verbreitet hatte, geriet ein Mann aus Kyzikos, der aus Artake kam, mit denen in Streit, die diese Nachricht verbreiteten. Er berichtete, er selbst sei ihm auf dem Wege nach Kyzikos begegnet und mit ihm ins Gespräch gekommen. Er widersprach mit aller Kraft.
Darauf fanden sich die Angehörigen in der Walkerei ein mit allen Geräten, die sie zur Bestattung brauchten, um ihn zu holen. Als man den Raum öffnete, fand man Aristeas weder tot noch lebend darin [οὔτε τεθνεῶτα οὔτε ζῶντα φαίνεσθαι Ἀριστέην]. Nach sieben Jahren erschien Aristeas wieder in Prokonnesos und dichtete jenes Epos, das in Griechenland Arimaspea heißt. Danach verschwand er zum zweitenmal.
Soviel erzählt man an diesen Orten. Weiter aber, weiß ich, hat sich in Metapontion in Italien folgendes ereignet: 240 Jahre nach dem zweiten Verschwinden des Aristeas – wie ich durch den Vergleich der Vorgänge in Prokonnesos und Me-tapontion fand – ist er in Metapontion erschienen, wie man dort erzählt, und forderte die Bewohner auf, dem Apollon einen Altar zu errichten und daneben eine Statue, die den Namen des Aristeas aus Prokonnesos tragen sollte, aufzustellen.
Apollon hat, so soll er gesagt haben, in Italien nur allein die Stadt Metapontion besucht und in Apollons Begleitung auch er, der jetzt Aristeas sei. Als er damals dem Gott folgte, sei er ein Rabe gewesen. Nach diesen Worten verschwand er.
Die Metapontier erzählten weiter, sie hätten nach Delphi geschickt und den Gott befragt, was die Erscheinung dieses Menschen bedeute. Die Pythia forderte sie auf, der Erscheinung zu gehorchen [τὴν δὲ Πυθίην σφέας κελεύειν πείθεσθαι τῷ φάσματι]. Wenn sie auf sie hörten, werde es ihnen gut gehen. Gehorsam taten sie, was ihnen befohlen wurde.
Und noch heute steht eine Statue mit der Aufschrift „Aristeas“ neben der Kultstätte des Apollon, umgeben von Lorbeerbäumen. Diese Kultstätte ist auf dem Markt errichtet. Soviel über Aristeas.

[Herodot IV 13-15; Herodot, Historien. 2 Bde. Hrsg. v. Josef Feix. München ²1977; Bd. I, S. 512-515]


(1) Ἀριμάσπεια über seine Reisen zu den Skythen und den weiter nördlich lebenden Issedonen
 
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