Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Rom und der Welthandel (529 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 04.05.2022 um 16:09 Uhr (
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Aelius Aristides, Die Romrede 11-13:
Ringsherum erstrecken sich „gewaltig in gewaltiger Ausdehnung“ [μεγάλαι μεγαλωστί] (1) die Festländer, welche euch stets reichlich mit dem versorgen, was es in ihnen gibt. Herbeigeschafft wird aus jedem Land und jedem Meer, was immer die Jahreszeiten wachsen lassen und alle Länder, Flüsse und Seen sowie die Künste der Griechen und Barbaren hervorbringen. Wenn jemand das alles sehen will, so muß er entweder den gesamten Erdkreis bereisen, um es auf solche Weise anzuschauen, oder in diese Stadt kommen. Was nämlich bei den einzelnen Völkern wächst und hergestellt wird, ist notwendigerweise hier stets vorhanden, und zwar im Überfluß. So zahllos sind die Lastschiffe, die hier eintreffen und alle Waren aus allen Ländern von jedem Frühjahr bis zu jeder Wende im Spätherbst (2) befördern, daß die Stadt wie ein gemeinsamer Handelsplatz der ganzen Welt erscheint [ὥστ‘ ἐοικέναι τὴν πόλιν κοινῷ τινι τῆς γῆς ἐργαστηρίῳ].
Schiffsladungen aus Indien (3), ja – wenn man will – sogar aus dem „glücklichen Arabien“ [τῶν εὐδαιμόνων Ἀράβων] (4), kann man in solchen Mengen sehen, daß man vermuten könnte, für die Menschen dort seien fortan nur kahle Bäume übriggeblieben, und sie müßten hierher kommen, um ihre eigenen Erzeugnisse zurückzufordern, wenn sie etwas davon bräuchten. Man kann wiederum beobachten, wie babylonische Gewänder und Schmuckstücke aus dem noch weiter entfernten Barbarenland in viel größerer Zahl und leichter hierher gelangen, als wenn es nötig wäre, von Naxos oder Kythnos nach Athen zu fahren und Waren dorthin zu bringen. Eure Getreideländer aber sind Ägypten, Sizilien und der kultivierte Teil von Afrika.
Das Ein- und Auslaufen der Schiffe hört niemals auf, so daß man sich nicht nur über den Hafen (5), sondern sogar über das Meer wundern muß, daß es, wenn überhaupt, für die Lastschiffe noch ausreicht. Und was Hesiod von den Grenzen des Ozeans sagte, daß es einen Ort gebe, wo alle Wasser zu einem Anfang und zu einem Ende ineinanderströmen (6), geradeso kommt auch hier alles zusammen, Handel, Schifffahrt, Ackerbau, Metallveredelung, Künste, wie viele es auch gibt und je gegeben hat, und alles, was erzeugt wird und auf der Erde wächst. Was man hier nicht sieht, zählt nicht zu dem, was existiert hat oder existiert [ὅ τι δ‘ ἂν μὴ ἐνταῦθα ἴδῃ τις, οὐκ ἔστι τῶν γενομένων ἢ γιγνομένων]. Deshalb ist es nicht leicht zu entscheiden, was größer ist, die Überlegenheit der Stadt gegenüber den Städten, die es jetzt gibt, oder die Überlegenheit des Reiches gegenüber jenen Reichen, die es jemals gegeben hat.
(Die Romrede des Aelius Aristides. Hrsg. v. Richard Klein. Darmstadt 1983, S. 12-15)
(1) Homer, Ilias XVI 776
(2) Beginn und Ende der Schifffahrtszeit (5. März – 11. November)
(3) In Vorderindien gab es zur damaligen Zeit einige römischen Handelskolonien, die hauptsächlich von einer graeco-ägyptischen Mischbevölkerung bewohnt wurden.
(4) „Arabia felix“ wurde im Altertum der südwestliche Teil der arabischen Halb-insel genannt; der nördliche Teil hieß „Arabia deserta“.
(5) Ostia
(6) freie Paraphrase von Theogonie 738-741
Re: Rom und der Welthandel
arbiter schrieb am 04.05.2022 um 23:39 Uhr (
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Man fragt sich, wie die Schiffe aus Indien und Arabien nach Rom/Ostia gelangt sind.
Re: Rom und der Welthandel
Γραικύλος schrieb am 04.05.2022 um 23:58 Uhr (
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Re: Rom und der Welthandel
Γραικύλος schrieb am 05.05.2022 um 15:13 Uhr (
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Man beachte den Abschnitt über den Trajanischen Kanal.