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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Nichtchristliche Wunderberichte der Antike #10 (494 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 04.05.2022 um 13:39 Uhr (Zitieren)
23.
Marius

Es wurden damals (1) viele Wunderzeichen beobachtet, doch waren die meisten allgemeiner Natur. Aus den italischen Städten Ameria und Tuder hingegen wurde gemeldet, man habe am Himmel feurige Lanzen und Schilde gesehen. Zuerst seien sie hin- und hergefahren, dann aufeinander losgestürzt in Formationen und Bewegungen, als ob zwei Heere miteinander kämpften; schließlich seien die einen zurückgewichen, die andern hätten sie verfolgt und alles sei im Westen verschwunden.
Zur selben Zeit kam auch Batakes, der Priester der Großen Mutter von Pessinus, nach Rom mit der Botschaft, die Stimme der Göttin habe ihm aus dem Allerheiligsten Sieg und Triumph der Römer verkündet. Der Senat schenkte ihm Glauben und beschloß, der Göttin zum Dank für den Sieg einen Tempel zu errichten.
Als aber Batakes vor das Volk trat, um auch ihm die Worte der Göttin kundzutun, hinderte ihn der Volkstribun Aulus Pompeius am Sprechen, nannte ihn einen Lügenpropheten und stieß ihn in frevlem Übermut von der Rednertribüne. Doch sollte gerade dies den Glauben an des Priesters Weissagung am meisten stärken. Denn kaum war er nach Auflösung der Volksversammlung zu Hause angelangt, als ihn ein hitziges Fieber mit solcher Gewalt niederwarf, daß die ganze Stadt aufmerksam wurde und von seiner Krankheit sprach. Nach sieben Tagen war Aulus Pompeius tot.

[Plutarch: Marius 17]


24.
Das Wunder von Delphi

Beim Einmarsch der Perser in Griechenland unter Xerxes 480 v.u.Z. ist es laut Herodot (VIII 37-39) zu folgendem Ereignis gekommen:

Als nun die Perser [οἱ βάρβαροι] auf ihrem Anmarsch schon nahe standen und aus der Ferne bereits den heiligen Bezirk sehen konnten, bemerkte der Orakelverkünder [ὁ προφήτης] – er hieß Akeratos –, daß die heiligen Waffen, die kein Mensch anrühren durfte, von innen aus dem Tempelsaal herausgeschafft waren und vor dem Tempelgebäude lagen. Da ging er hin und meldete den noch anwesenden Delphern das Wunderzeichen [σημανέων τὸ τέρας]. Als aber die Feinde [οἱ βάρβαροι] eilends näherkamen und bereits am Tempel der Athene Pronaia standen, da erlebten sie noch größere Wunder [τέρεα] als das erste. Denn es bedeutet doch schon ein gro-ßes Wunder, wenn die Kriegswaffen ohne fremdes Zutun vor dem Tempel zu sehen waren. Danach aber trug sich nochmals etwas zu, was man von allen Erscheinungen am meisten bewundern muß. Als nämlich die Barbaren den Tempel der Athene Pronaia erreichten, zuckten in diesem Augenblick Blitze von Himmel auf sie nieder, und zwei Bergspitzen des Parnaß rissen sich los, stürzten mit mächtigem Getöse auf sie und erschlugen viele von ihnen. Aus dem Tempel der Athene aber erschollen Stimmen und Kriegsgeschrei.
Alle diese Erscheinungen trafen nun zusammen; daher ergriff Schrecken die Feinde. Als die Delpher sie auf den Flucht sahen, stiegen sie von den Bergen gegen sie herab und töteten eine große Anzahl von ihnen. Die mit dem Leben durchkamen, flohen geradewegs nach Boiotien. Bei ihrer Rückkehr aber berichteten diese Barbaren, wie man mir erzählt hat, daß sie außer diesen Zeichen noch anderes Übernatürliches erlebt hätten [καὶ ἄλλα ὥρων θεῖα]: Zwei übermenschlich große bewaffnete Männer hätten sie verfolgt und dabei Leute aus ihren Reihen erschlagen.
Das, sagen die Delpher, seien zwei Heroen ihres Landes gewesen, Phylakos und Autonoos, deren heilige Stätten in der Gegend des Heiligtums stehen. [...]

[Herodot: Historien. Hrsg. v. Josef Feix. 2 Bde. München ²1977; Bd. II, S. 1074-1077]

(1) vor der Schlacht gegen die Kimbern und Teutonen
 
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