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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Nichtchristliche Wunderberichte der Antike #7 (388 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 28.04.2022 um 14:14 Uhr (Zitieren)
16.
Apollonios von Tyana

Ein Vorfall, der zum Ruhm eines verehrungswürdigen Mannes beiträgt, darf nicht verschwiegen werden.
Es wird nämlich behauptet, Aurelian (1) habe in vollem Ernst von der Zerstörung der Stadt Tyana gesprochen, in vollem Ernst diese Absicht gehegt; doch Apollonius von Tyana, der hochgefeierte, angesehene Weise, ein Philosoph aus alter Zeit, ein wahrer Freund der Götter und selbst als göttliches Wesen zu verehren [ipsum etiam pro numine frequentandum], sei plötzlich neben Aurelian, als er sich in sein Zelt zurückzog, aufgetaucht in der Gestalt, in der man ihn auf Bildern sieht, und habe auf lateinisch, damit der Mann aus Pannonien ihn verstehe, folgende Worte gesprochen:
„Aurelian, wenn du siegen willst, dann führt es zu nichts, an die Hinschlachtung meiner Mitbürger zu denken. Aurelian, wenn du herrschen willst, dann halte dich rein vom Blute Unschuldiger. Aurelian, übe Milde, wenn du leben willst [Aureliane, clementer te age, si uis uiuere].“
Aurelian kannte die Gesichtszüge des verehrungswürdigen Philosophen und hatte dessen Porträt in vielen Tempeln gesehen.
Wie vom Donner gerührt, versprach er ihm alsbald die Aufstellung seines Bildes und seiner Statuen sowie einen Tempel und besann sich eines Besseren.

[Scriptores Historiae Augustae, Flavius Vopiscus: Aurelian 24, 2-6]


17.
Apollonios von Tyana

[...] Als nun aber die Pest [ἡ νόσος] Ephesos befiel und nichts stark genug gegen die Seuche war, schickten die Leute eine Gesandtschaft zu Apollonios und wollten ihn zum Arzt ihrer Leiden machen. Apollonios hielt es nun nicht für nötig, den Gang aufzuschieben, sondern sprach: „Laßt uns gehen!“ und war sogleich in Ephesos, wo er dasselbe tat wie einst Pythagoras in Thurioi und Metapont zugleich [τοῦ Πυθαγόρου, οἶμαι, ἐκεῖνο πράττων τὸ ἐν Θουρίοις καὶ Μεταποντίοις εἶναι]. (2)
Als er nun die Ephesier zusammengerufen hatte, sprach er: „Seid zuversichtlich! Noch heute werde ich der Seuche ein Ende machen.“ Auf diese Worte hin führte er die ganze Jugend vor das Theater, wo das Standbild des Apotropaios errichtet war. Hier sahen sie einen alten Mann, der zu betteln schien und kunstfertig mit den Augen zu blinzeln verstand. Er trug einen Ränzel mit einem Stück Brot darin, war in Lumpen gehüllt und hatte ein schmutziges Antlitz.
Apollonios ließ diesen Mann von den Ephesern umringen und rief: „Hebt Steine in großer Menge auf und bewerft damit den Feind der Götter [τὸν θεοῖς ἐχθρόν]!“ Die Epheser wunderten sich über diesen Befehl und hielten es für grausam [δεινὸν ἡγουμένων], einen so armseligen Fremdling zu steinigen, der jammerte und um Erbarmen flehte. Apollonios aber ließ nicht locker und feuerte sie an, auf den Mann einzudringen und ihn nicht fliehen zu lassen.
Daraufhin begannen ihn einige aus der Ferne zu beschießen, und als nun der Fremdling, der zuerst nur zu blinzeln schien, auf einmal aufblickte und Augen voll Feuer zeigte, erkannten die Epheser in ihm den bösen Geist [ξυνῆκαν οἱ Ἐφέσιοι τοῦ δαίμονος] und steinigten ihn jetzt so, daß ihn bald ein Hügel von Steinen begrub.
Nach einer kleinen Weile ließ Apollonios die Steine wegräumen, um das Wesen, das sie getötet hatten, zu betrachten. Als nun die Steine zur Seite geschafft waren, schien der Mann, den sie zu steinigen geglaubt hatten, verschwunden zu sein. An seiner Stelle fand sich ein Hund vor, der in der Form und im Aussehen dem Molosser glich und an Größe einem Löwen gleichkam. Er war von den Steinen ganz zerschmettert und schäumte wie die tollwütigen Tiere. Die Statue des Apotropaios – es war ein Herakles - steht an der Stelle, wo das Gespenst [τὸ φάσμα] gesteinigt worden ist.

[Philostratos, Das Leben des Apollonios von Tyana. Hrsg. v. Vroni Mumprecht. München/Zürich 1983, S. 362-367]

(1) römischer Kaiser 270-275 u.Z.
(2) Diese Fabel wird über Pythagoras berichtet von Porphyrios vita Pyth. 27 und Iamblichos vita Pyth. 134.
Re: Nichtchristliche Wunderberichte der Antike #7
Γραικύλος schrieb am 29.04.2022 um 00:03 Uhr (Zitieren)
Apotropaios: Herakles
 
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