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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Nichtchristliche Wunderberichte der Antike #6 (436 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 28.04.2022 um 00:15 Uhr (Zitieren)
14.
Heilung eines Gelähmten

Lahm war ich einst von den Hüften bis tief zu den Füßen hernieder,
und meine frühere Kraft spürte ich lange nicht mehr.
Zwischen Leben und Tod, so stand ich, ein Nachbar des Hades,
Atem nur war mir vergönnt, sämtliches andre war tot.
Doch die Kunst des Philippos, den du hier im Bilde gewahrest (1),
heilte mein grausiges Weh, gab mich dem Leben zurück.
Wiederum schreit ich wie einst, ich Antoninos, auf Erden,
geh mit den Füßen und hab all mein Empfinden wie sonst.

[Kometas Scholastikos; Anthologia Graeca IX 597]


15.
Wunder als Vorzeichen

97 Nun zurück zu dem, was uns Römer angeht: Wie oft beauftragte der Senat das Zehnmänner-Kollegium [decemviri], die Sibyllinischen Bücher zu befragen! In welch bedeutenden Angelegenheiten und wie häufig gehorchte er dem Bescheid der Beschauer [haruspices]: So als zwei Sonnen, als drei Monde, als Fackeln (am Himmel) erschienen [nam et cum duo visi soles essent, et cum tres lunae, et cum faces]; als man die Sonne nachts sah; als man ein Dröhnen vom Himmel vernahm; als der Himmel den Eindruck erweckte, er trete auseinander, und man in seinem Innern Kugeln bemerkte [et cum caelum discesisse visum esset atque in eo animadversi globi].
Vor den Senat brachte man auch den Einsturz im Gebiet von Privernum, als die Erde in unendliche Tiefe absank und Apulien von riesigen Beben erschüttert wurde: mit diesen Zeichen kündigten sich dem römischen Volk große Kriege und verderbliche Unruhen an, und in allen diesen Fällen stimmte der Bescheid der Beschauer mit den Versen der Sibylle überein.
98 Ferner: als in Cumae Apollo schwitzte [quid? cum Cumis Apollo sudavit], in Capua die Victoria? Ferner: die Geburt eines Zwitters, wies sie nicht auf verhängnisvolle Ereignisse voraus? Ferner: als der Fluß Atratus Blut führte [cum fluvius Atratus sanguine fluxit]? Ferner: als häufig ein Regen von Steinen, manchmal von Blut, zuweilen von Erde, zu gewissen Zeiten von Milch sich ergoß [cum saepe lapidum, sanguinis non numquam, terrae interdum, quondam etiam lactis imber defluxit]? Ferner: als auf dem Capitol der Kentaur von einem Blitzschlag getroffen wurde, auf dem Aventin Tore und Menschen, in Tusculum der Tempel von Kastor und Pollux und in Rom derjenige der Pietas: enthielt da der Bescheid der Beschauer nicht eben das, was tatsächlich eintrat, und fanden sich in den Büchern der Sibylle nicht die gleichen Voraussagen?
99 Infolge eines Traums der Caecilia, der Tochter des Quintus, ließ der Senat kürzlich – im Marserkrieg (2) – den Tempel der Iuno Sospita erneuern. Dieser Traum stimmte zwar nach der Darlegung des Sisenna (3) auffallend wörtlich mit der Wirklichkeit überein; trotzdem behauptet der Historiker in der Folge – wohl von irgendeinem Epikureer verleitet –, man dürfe Träumen keinen Glauben schenken. Dann wieder hat der gleiche Mann gegen Zeichen nichts einzuwenden und berichtet, am Beginn des Marserkrieges hätten Götterbilder geschwitzt und Flüsse Blut geführt [initio belli Marsici et deorum simulacra sudavisse, et sanguinem fluxisse], der Himmel sei auseinandergetreten, man habe, ohne etwas zu sehen, Stimmen vernommen, die Kriegsgefahren anzeigten [ex occulto auditas esse voces, quae pericula belli nuntiarent]; schließlich seien in Lanuvium Schilde von Mäusen angenagt worden – und darin hätten die Deuter das bedrohlichste Zeichen gesehen [et Lanuvi clipeos, quod haruspicibus tristissimum visum es-set, a muribus esse derosos].

[Cicero: Über die Wahrsagung (I 97-99). Hrsg. v. Christoph Schäublin. Berlin ³2013, S. 96-99]

(1) Das Bild stand zu Anazarbos in Kilikien.
(2) der Bundesgenossenkrieg (bellum sociale) 91 – 88 v.u.Z.
(3) Lucius Cornelius Sisenna, römischer Politiker und Historiker des 2./1. Jhdts. v.u.Z.; sein Werk ist nur in wenigen Fragmenten erhalten.
 
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