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Christenverfolgungen unter Marc Aurel #6 (469 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 26.04.2022 um 00:17 Uhr (
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Es ist auffallend, daß unter der Herrschaft gerade dieses Philosophenkaisers die Verfolgung der Christen stark zugenommen hat.
Zwei Gesetze kommen als Ursache dieser Christenverfolgungen in Betracht:
1. Angesichts einer Krisensituation (Partherkrieg, Pest) erließ Marc Aurel ein Edikt (zwischen 161 und 168 u.Z.), das alle Bewohner des Reiches zu einem Sühneopfer für die Götter verpflichtete. Es bezog sich nicht unmittelbar auf die Christen, betraf sie aber, da sie das nicht mit ihrem Glauben vereinbaren konnten. Neu im Vergleich zur Zeit Trajans war hieran, daß die staatlichen Organe von sich aus tätig werden sollten, wodurch auch die Christen, für welche bis dahin Trajans Prinzip „conquirendi non sunt“ galt, ins Visier gerieten.
2. Da der Kaiser für seine Kriege gegen die Germanen bzw. Markomannen dringend Soldaten benötigte und dafür auch Sklaven (Gladiatoren) einzog, kam es zu einer drastischen Verteuerung der Gladiatoren-Preise. Um den negativen Effekt für Unterhaltung des Volkes zu reduzieren, initiierte Marc Aurel (ca. 177) ein „senatus consultum de pretiis gladiatorum minuendis“, das den Einsatz von zum Tode verurteilten Verbrechern bei Gladiatorenspielen erlaubte. Da auf das Bekenntnis zur christlichen Religion („Christianus sum“) schon seit längerem die Todesstrafe stand und die Christen bei vielen Menschen verhaßt waren, häuften sich auf diese Weise die Anklagen und Verurteilungen. Die konkreten Aktionen gingen dann von christenfeindlichen Teilen des Volkes aus.
Für die Beurteilung der Ereignisse in Lugdunum sind zwei weiterhin bestehende rechtliche Einschränkungen von Bedeutung: Ein Christ, der seinen Glauben durch Opfer an die Götter widerrief, war freizulassen; ein römischer Bürger durfte weder gefoltert noch zum Tod in der Arena verurteilt werden. Verstöße dagegen fielen unter die Verantwortung des Richters.
Die Zahl der Opfer in Lugdunum wird auf etwa 48 geschätzt.
Vgl.:
Anthony Birley: Marc Aurel. Kaiser und Philosoph. München ²1977
Marc Aurel. Hrsg. v. Richard Klein. Darmstadt 1979 (Wege der Forschung Bd. 550)