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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
φιλανθρωπία (463 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 25.04.2022 um 12:52 Uhr (Zitieren)
Themistios, Rede an Kaiser Constantius II. (1. or 9, 7):
Es gibt, meine ich, so wie es anerkanntermaßen eine spezifische Qualität des Menschen gibt, eine spezifische der Hunde und eine spezifische der Pferde, so auch eine spezielle für den Kaiser, die wie eine Herrscherin über den anderen steht und mit der auch die anderen verknüpft sind, als wenn sie alle auf einen Scheitelpunkt zuliefen. Wenn wir diese nun jede für sich genau prüfen, wie wenn wir ein Geldstück in der Hand drehen, werden wir herausfinden, daß die königliche Prägung nicht so deutlich ist wie bei der Philanthropia, und als erstes wollen wir uns dabei mit der sogenannten Tapferkeit befassen. Sie muß nämlich einem König zu eigen sein; natürlich auch die übrigen Vorzüge. Gleichwohl, wenn man nur sie allein (d.h. die Tapferkeit) ins Auge faßt, so bietet sie nicht den Stempel des Königs, sondern man wird eher den des Soldaten oder des Feldherrn sehen, und für den Oberst oder Hauptmann ist es ein großes Lob, tapferer zu sein als die Masse.

Was ist mit den Standhaftigkeit? Was mit der Selbstbeherrschung? Sind sie nicht Vorzüge des Charakters, die das Privatleben betreffen? Ich sage nun, daß die vielbesungene Gerechtigkeit ein wunderschöner Besitz für den König ist: Was ist denn göttlicher, als ein Gerechter, der viel Unrecht tun könnte? Und mit der Ausgeglichenheit verhält es sich jedenfalls ähnlich. Welchen Wert hätte denn ein Herrscher, der nicht frei wäre? Das ist der Tyrann, der einerseits über die anderen herrscht, andererseits sich selbst seinen Leidenschaften als Sklave ausliefert.

Gleichwohl scheint es sich mit all diesen Tugenden folgendermaßen zu verhalten: Jede von ihnen stellt, wenn man sie für sich betrachtet, eine allgemeine Zierde des Menschen dar, herrscherlich wird sie erst dann, wenn die Philanthropia auf sie eingeprägt wird, wie, so denke ich, das blanke Gold, das zunächst nur die Schönheit des Goldes zeigt, durch die Gestalt eines Gottes, in die es geformt wird, in ein göttliches Bild verwandelt wird.

(Themistios: Staatsreden. Hrsg. v. Hartmut Leppin und Werner Portmann. Stuttgart 1998, S. 33)

Diese Metapher vom Gold und seiner Prägung hat später noch Karriere gemacht, beispielsweise:
The rank is but the guinea’s stamp,
The Man’s the gowd for a’ that.-

(Robert Burns: For a' that and a' that)
 
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